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Solide und vielseitig

Technik
Solide und vielseitig

Schüler der Meisterschule Ebern haben eine neue Langbandschleifmaschine von KBM in Betrieb genommen und diese getestet. Lesen Sie, was die neue Tischlergeneration von einer Maschine erwartet und wie sie das Modell T94 Super beurteilt.

Pünktlich lieferte die KBM GmbH, Allendorf, die neue Langbandschleifmaschine „T94 Super“ an die Lehrwerkstatt der Meisterschule Ebern. Es dauerte nicht lange, bis die 650 kg schwere Maschine an die Strom- und Druckluftversorgung sowie die Absauganlage angeschlossen war.

Die Betriebsanleitung
Anstelle einer Einweisung durch den Hersteller zogen wir es vor, die Maschine über die Betriebsanleitung kennen zu lernen. Diese umfasst 29 Seiten und geht in einigen Kapiteln auch auf Sonderausstattungen ein, die nicht Teil der gelieferten Maschine sind. Im Computerzeitalter sollte es kein Problem sein, die Dokumentation präzise auf die ausgelieferte Maschine zu beschränken.
Jeder Arbeitsgang wird in einem kurzen Abschnitt mit knappen Sätzen nachvollziehbar beschrieben. Wo es erforderlich ist, vervollständigen Fotos den Text. Besonders hervorgehobene Passagen weisen auf Gefahren beim jeweiligen Arbeitsgang hin. Hilfreich sind auch die Hinweise zu Pflege- und Wartungsintervallen und eine Tabelle, die mögliche Störungen, deren Ursachen und Beseitigung beschreibt.
Die Ausstattung
Der geschweißte und auf der rechten Seite gekröpfte Ständer trägt einen Schleiftisch (2800 x 1100 mm) mit 25 mm dicken und oben gefälzten, streifenförmigen MDF-Auflagen. Die Fälze der MDF-Streifen nehmen die vier mitgelieferten Vakuum-Spannelemente auf, die man in den Auflagezwischenräumen beliebig positionieren kann.
Damit schwere Werkstücke von einer Bedienperson angehoben und gedreht werden können, ist in der Mitte des motorisch höhenverstellbaren Tisches ein pneumatisch anhebbarer Drehteller flächenbündig eingelassen. Das Schleifband (7800 x 150 mm) ist, bis auf den Teil direkt über dem Tisch, vollständig verkleidet. Hinter der linken Klappe ist über der Antriebrolle eine Bandausblasdüse angebracht und hinter der durchgehenden oberen Schleifbandverkleidung sind zwei in der Neigung verstellbare Leuchtstofflampen.
Das Rüsten
Zum Wechseln des Schleifbandes muss man die obere Bandverkleidung wegklappen und die beiden Türen vor den Bandumlenkrollen öffnen. Die 2,8 m lange, obere Verkleidung lässt sich einfach an einem handlichen Bügelgriff nach hinten schwenken, doch für die beiden Türen benötigt man einen Schaltschrankschlüssel, was unweigerlich zu Maschinenstillständen führt, wenn dieser mal nicht an seinem Platz ist. Drehgriffe oder Magnete machten hier das Leben leichter. Beim Aufstecken des Schleifbandes störte uns zudem das Luftleitblech über der Antriebrolle.
Ist das Schleifband um die Rollen gelegt, betätigt man nur noch den kleinen Hebel eines Pneumatikventils an der rechten Verkleidung der Umlenkrolle. Ein Druckluftzylinder verschiebt nun die Umlenkrolle so weit, bis das Band gespannt ist. Ein Vorteil der pneumatischen Bandspannung: Auch wenn sich das Schleifband dehnt, bleibt die Spannung konstant.
Die endgültige Einstellung des Bandlaufes erreicht man durch geringes Abkippen der Umlenkrolle, wenn man am Sterngriff rechts neben der Rollenverkleidung dreht. Pfeile würden helfen, sofort die richtige Drehrichtung zu finden. Bei unseren Versuchen mussten wir den Sterngriff jedoch fast nie bewegen, da die Bänder nach dem Wechseln erstaunlich spurtreu blieben.
Der Schleifschuh
Der Schleifschuh ist die verlängerte Hand des Maschinenbedieners und entscheidet weitgehend über das Schleifergebnis. Beim Einwechseln schiebt man ihn lediglich auf eine Trägerplatte und lässt ihn in einen Kugelschnäpper einrasten. Der dicke Sperrholzgrundkörper ist auf der Unterseite mit Moosgummi, Filz und für ein reibungsarmes Arbeiten mit einem Grafitbelag beschichtet.
Die Schleifschuhhalterung ist ein Kugelgelenk, das dem Schuh Pendelbewegungen und damit das Anpassen an flächige Werkstücke beim Schleifen ermöglicht. Damit der Schuh bei schmalen Teilen nicht wegkippt, lässt sich das Kugelgelenk mit einer Mutter festklemmen. Die Kraft des Bedieners wird mit einem Hebel auf den Schuh übertragen. Die Hebellänge ist durch das Rohr-in-Rohr-System sehr schnell und einfach angepasst. Ein Klemmhebel sichert die Einstellung. Wie viel Kraft am Griff aufgewendet werden muss, wird auch vom einfach verschiebbaren Gegengewicht bestimmt, das im Normalfall nur einmal eingestellt wird.
Geführt wird der Schleifschuh durch eine Kugelbüchse, die einen massiven Rundstahl umschließt. Durch gut funktionierende, wartungsfreie Abstreifer ist dies ein auf Dauer präzises, leicht laufendes System: Messungen zeigten, dass man etwa 300 g aufbringen muss, um den Schleifschuh im Leerlauf zu bewegen. Damit der unbenutzte Schleifschuh nicht vom laufenden Schleifband mitgezogen wird, hält ihn ein Gummipuffer, der unter die obere Schleifbandunterstützung drückt, in der Ruheposition.
Der Schleiftisch
Der Schleiftisch ist elektromotorisch bis zur Durchlasshöhe von 345 mm verstellbar. Werkstücke, die länger sind als der Tisch, können bis zu einen Höhe von 300 mm und einer Breite von 1000 mm durch den rechten, gekröpften Ständer geschoben werden. Der maximale Verfahrweg des Schleiftisches beträgt 850 mm, die größte nutzbare Schleiflänge 2600 mm. Gummipuffer stoppen den Tisch, wenn er bis zur Endlage vorgezogen wird. Beim Einschieben stoppt er 80 mm vor der Schleifbandkante, sodass man das Schleifband kaum versehentlich berühren kann. Man kann den Tisch in jeder Position mit einem Kniehebelspanner arretieren, was beim Auflegen und Bewegen großer Werkstücke auf den Tisch eine große Hilfe ist.
Auch der Schleiftisch ist in Kugelbuchsführungen gelagert und erschien manchem Tester zu schwergängig. Also wurde gemessen: Der Bediener muss etwa 3 kg aufbringen, um ihn an der griffgünstigen Rundstange zu bewegen. Beim Richtungswechsel muss zwar die gesamte Masse des Tisches gebremst werden, doch ist diese noch gut zu beherrschen. Sollte der Tisch durch starke Beanspruchung nach einiger Zeit etwas durchhängen, kann er durch Nachspannen neu ausgerichtet werden.
Kleine und große Werkstücke werden vom Werkstückanschlag aus Aluminium und/oder von den Vakuum-Spannelementen sicher gehalten. Mit groß dimensionierten Flügelschrauben, die durch die Abstände zwischen den einzelnen Tischauflagen gut zu erreichen sind, lassen sich die Sauger schnell lösen, an jeden beliebigen Punkt innerhalb der Befestigungsbahnen versetzen und wieder blockieren. An einem Verteiler unter der Vorderseite der Tischmitte lässt sich jeder Saugnapf zu- und abschalten.
Der Schalter, mit dem die Vakuumpumpe in Betrieb gesetzt wird, versteckt sich an der Außenseite des linken Maschinenständers nur etwa 650 mm über dem Boden. Er sollte beschriftet sein und gehörte ebenfalls ins Bedienpult.
Auf besonderen Wunsch der Meisterschule stattete der Maschinenhersteller den Tisch mit einer herausnehmbaren Tischeinlage aus. Dadurch kann ein 680 x 610 mm großes Feld freigegeben werden. Hier können kleine Korpusse ohne Rückwand oder Schubkastenzargen eingehängt und die Außenseiten geschliffen werden.
Die Schaltzentrale
In etwa 1,5 m Höhe befindet sich das übersichtliche Bedienpult mit den deutlich beschrifteten und gut zu greifenden Schaltern für den Tischhub, die Beleuchtung und den Bandantrieb. Auch der Hauptschalter und ein Betriebsstundenzähler sind hier untergebracht. Getrennt von der Stromversorgung ist links hinter der Verkleidung der Antriebrolle ein kleiner, eher unscheinbarer Hebel, mit dem die Bandausblasdüse eingeschaltet wird. Es sollte möglich sein, auch diesen Schalter gut sichtbar und beschriftet ins Bedienpult zu integrieren.
Flächen schleifen. Der Werkstückanschlag aus Aluminium wird etwa 200 mm von der Absaugöffnung auf dem Tisch positioniert. Nach dem Lösen eines Klemmhebels wird er etwa 20 mm angehoben, verschoben und an der neuen Position wieder abgesenkt. Am hinteren Ende greift dabei ein Bolzen in eine der sechs Tischbohrungen und stabilisiert dadurch den Anschlag.
Das Werkstück wird gegen den Werkstückanschlag und etwa 100 mm von der Tischvorderkante entfernt aufgelegt. Mit dem gut erreichbaren Drehschalter wird die Tischhöhe so eingestellt, dass noch etwa 10 mm Platz zwischen Schleifband und Werkstück bleiben. Gerade bei dünnen, furnierten Platten ist die Vakuumeinrichtung eine große Hilfe, da die Werkstücke nicht mehr mit Doppelklebeband oder Nägeln eben gehalten werden mussten. Bei größeren Flächen sind weitere Saugnäpfe – Standard sind vier Stück – empfehlenswert, da dann seltener umgerüstet werden muss. Besonders überzeugt hat uns die Vakuumeinrichtung beim Schleifen von Werkstücken, die dünner als der 6 mm dicke Werkstückanschlag sind, und beim Schleifen unregelmäßig geformter Werkstücke: Der Anschlag wird nicht benötigt und das Werkstück kann problemlos über die gesamte Länge geschliffen werden.
Sehr angenehm fiel den Testern die Beleuchtung auf. Zwei Leuchtstofflampen sind so nebeneinander angebracht, dass man durch Drehen den Einfallwinkel des Lichtes verändern kann.
Leisten schleifen. Zum Schleifen von Leisten wird der Kugelkopf des Schleifschuhs geklemmt: Zwei zu schleifende Leisten werden nebeneinander auf den Tisch gelegt und der noch pendelnde Schleifschuh wird bei ausgeschalteter Maschine darauf abgesenkt und geklemmt. Ohne zusätzliches Werkzeug ließ sich jedoch nicht die erforderliche Kraft übertragen, die das Kippen des Schleifschuhs beim Schleifen einzelner Leisten sicher verhindert hätte.
Kleinteile schleifen. Kleinteile können häufig besser mit der Langbandschleifmaschine geschliffen werden als mit der Kantenschleifmaschine, da das längere Schleifband wesentlich größeren Standweg bietet.
Die obere Schleifbandverkleidung wird dazu nach hinten geklappt und bei ausgeschaltetem Schleifband wird eine 800 mm lange Schleifauflage auf der Antriebseite unter das Schleifband gelegt. Wenn diese Einrichtung mitgeliefert wird, sollte die Bandlaufrichtung wie bei der T94 Super unbedingt umkehrbar sein, damit beim Schleifen entstehender Staub sicher erfasst wird. Ein im Abstand zum Schleifband verstellbarer Aluminiumanschlag verhindert das Einziehen der Kleinteile in Richtung Antriebrolle.
Die Bandausblasdüse
Der Einsatz dieser Einrichtung ist bei Tischlern und Schreinern immer wieder umstritten. Doch die Schleifergebnisse sprechen für sich: Besonders beim Schleifen kontrastreicher Hölzer, in unserem Fall Schachbretter mit Esche- und Wengefurnier, waren wesentlich weniger dunkle Partikel in den hellen Poren des Eschefurniers zu finden.
Resümee
Die T94 Super von KBM ist eine solide Maschine, die für nahezu alle anfallenden (Holz-)Schleifarbeiten konzipiert ist, obwohl sich einige Punkte noch verbessern ließen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt: Mit der erwähnten Sonderausstattung kostet die Maschine 11 465 Euro.
Überzeugend waren gute Lösungen im Detail (pneumatische Bandspannung, Drehhubteller, Bandausblasdüse, …). Mit zusätzlicher Sonderausstattung erschließen sich weitere Anwendungsgebiete: Ausgestattet mit einer zweiten, niedrigeren Bandgeschwindigkeit ließe sich auch Lack schleifen; mit einer Bürste ist das Herstellen strukturierter Oberflächen möglich.
Willi Brokbals, Meisterschule Ebern

„Für den gehobenen Innenausbau“

Schüler vom Kursus 39 der Meisterschule Ebern haben die Langbandschleifmaschine T94 Super von KBM getestet …
Markus Krimbacher
Mir gefällt, dass sämtliche Bedienelemente ergonomisch angeordnet und eindeutig zu erkennen sind. Die Klappen der Bandrollenabdeckung fallen beim Bandwechsel zu und lassen sich nur mit einem Spezialschlüssel öffnen.
Das einfache Wechseln des Schleifschuhes, die in Augenhöhe angebrachte Schaltzentrale und der mit Vakuumspannern und Drehteller ausgerüstete Schleiftisch erleichtern die Ausführung unterschiedlichster Schleifaufgaben im gehobenen Innenausbau. Einige Details sind jedoch noch verbesserungsbedürftig. Clemens Kastner
Der Schleifschuh überzeugt durch seine Leichtgängigkeit und den automatischen Stopp beim Loslassen. Der Schleiftisch ist mir etwas zu schwergängig, jedoch ist der eingelassene Drehteller sehr nützlich, um große Teile ohne Kraftaufwand zu drehen. Die Vakuumeinrichtung hält auch die kleinsten Teile. Ich denke, das sollte bei keiner Bandschleifmaschine fehlen. Julia Binder
Die T94 Super ist eine sehr gute Langbandschleifmaschine. Wenn sie auch mit einigen kleinen Kinderkrankheiten behaftet ist, hat sie mir beim Endschliff von Intarsienarbeiten sowie diversen Flächenschliffen ihre hohe Güte bewiesen. Ein Gerät wie dieses darf in meiner Werkstatt nicht fehlen. Bernhard Tiefel
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