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Pro Tag eine Küche

Technik
Pro Tag eine Küche

Mit einer Kombination aus Plattensäge und Bearbeitungszentrum fertigt die Schreinerei Peter Krattenmacher auf nur 300 m2 Werkstattfläche täglich eine Küche. Zwei Jahre nach der Investition zieht der Tischlermeister eine rundum positive Bilanz.

Seit zwei Jahren läuft in der Schreinerei Peter Krattenmacher in Ummendorf bei Biberach alles anders, und zwar sowohl in der Fertigung, als auch hinsichtlich des betriebswirtschaftlichen Erfolgs. Nach einer großen Investition hat sich der Umsatz nahezu verdoppelt und die Gewinnspanne deutlich erhöht. Außerdem konnte der Schreinermeister zwei weitere Gesellen einstellen. Jetzt beschäftigt er drei Gesellen und drei Lehrlinge.

Der auf Korpusmöbel für Küchen- und Badezimmereinrichtungen spezialisierte Betrieb konnte vorher nicht mehr wirtschaftlich produzieren und suchte darüber hinaus neue Betätigungsfelder. Die Arbeitsweise mit Grobzuschnitt an einer vertikalen Plattensäge, Formatieren mit einer Formatkreissäge oder bei größeren Stückzahlen mit dem Doppelendprofiler und konventionellen Dübel- und Reihenlochbohrmaschinen, war zu arbeitsintensiv und nahm außerdem zu viel der wertvollen Werkstattfläche von lediglich 12 x 25 m in Anspruch.
Daher galt es für Krattenmacher, eine technische Lösung zu finden, die zu seiner Betriebsgröße und zu seiner Arbeitsvorbereitung passt. Das Geschäftsvolumen erlaubte keinen Mitarbeiter in der AV. Bisher kümmerte sich Krattenmacher selbst darum, und so sollte es auch bleiben. Für die Konstruktion nutzt er die Software »Pointline« von Borm. »Ich nutze diese Software mit seiner 3-D-Darstellung und den Visualisierungsfunktionen für den Verkauf, nicht jedoch für die Auftragstückliste. Diese kann ich viel schneller und unkomplizierter manuell aus den 2-D-Ansichten herausziehen als mit aufwändigen CAD-CAM-Systemen. Warum kompliziert, wenn es auch einfach und vor allem schneller geht?«, sagt Krattenmacher. »Warum sollte ich eine rechte Unterschrankseite immer wieder neu konstruieren? Das mache ich nur für die Teile, die sich nicht von selbst erklären.« Um eine Küche mit etwa 15 Schränken komplett für die Fertigung vorzubereiten, benötigt er nur eine Stunde.
Auf der Suche nach Lösungen fragte Krattenmacher bei Panhans nach einer kleinen horizontalen Plattensäge und erfuhr dort, dass es eine Kombination aus Plattensäge und BAZ im Programm gibt (www.panhans.com). Das kleinste Modell der »Polypan-47«-Baureihe, mit einer Schnittlänge von 3,20 m, passte gerade in die Werkstatt. Außerdem ergab eine Überschlagrechnung, dass dieses Konzept mengenmäßig dem Betrieb das geforderte Wachstumspotenzial bot. Auch die Investitionssumme von rund 200 000 Euro ließ sich nach Prognoserechnungen des schwäbischen Schreinermeisters mit den zu erwartenden Gewinn- und Umsatzsteigerungen finanzieren; also wagte Krattenmacher diesen Schritt und bestellte die Maschine. Das Säge- und Bearbeitungszentrum erfüllte seine Erwartungen auf Anhieb. Für alle Teile ist ein Programm hinterlegt, das über das Barcodeetikett auf dem Werkstück aktiviert wird. Sonderteile zeichnet Krattenmacher mit der Software »PanCAD« von Panhans, die das entsprechende CNC-Programm generiert.
Zum Bohren zurück auf die Säge
Jetzt läuft die Arbeit nach folgendem Schema ab: Krattenmacher gibt die Stückliste mithilfe des 2-D-Ausdrucks direkt in die Zuschnittoptimierung »Pios« ein. Die Maschine führt zunächst die automatisch generierten Schnittprogramme aus. Der Maschinenführer versieht jedes Teil mit einem Barcodeetikett und sortiert es korpusweise in Kommissionierwagen. Diese fahren zur Kantenanleimmaschine und kehren nach dem Durchlauf wieder zur Säge zurück, wo schließlich nach dem Einlesen des Barcodes alle Bohrungen und Nuten angebracht werden. Das Handling ist viel einfacher als an einem üblichen BAZ. Die Teile sind lediglich in die Greifer zu schieben. Weil keine Sauger zu versetzen sind, können die Mitarbeiter das Material ohne es nach der Größe umzusortieren Korpus für Korpus abarbeiten.
Für eine Küche mit rund 15 Schränken benötigen zwei Gesellen mit einem Lehrling einen Tag. Weil die Werkstatt so eng ist, treten die Gesellen die Schicht zeitversetzt an, sodass sie nur zwei Stunden gleichzeitig im Betrieb sind. Der dritte Geselle ist in der Regel mit den restlichen Lehrlingen auf Montage.
Die Schwenkbarkeit des Sägeblattes um bis zu 47° bescherte der Schreinerei neben dem Korpusgeschäft die erhofften Aufträge im Messe- und Objektinnenausbau, wo häufig Foldingelemente gefragt sind. Außerdem führt Krattenmacher Zuschnitte für Holzhändler und Tischlerkollegen aus. Für die eigene Produktion und für Lohnzuschnitte durchlaufen die Schreinerei jährlich rund 20 000 m2 Plattenmaterial. In dieser Zeit fallen insgesamt 150 000 m Sägeschnitt an. Die Jahresproduktion an Schränken liegt bei rund 1200 Stück. GM
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