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Noch ein Standbein

Technik
Noch ein Standbein

In vielen Tischlereien läuft das BAZ weniger als zehn Stunden in der Woche. Das Holzkontor Brenscheidt will jetzt die Auslastung seiner Fünfachsmaschine von täglich etwa zwölf Stunden auf den vollen Zweischichtbetrieb ausweiten.

Die Tischlerei Holzkontor Brenscheidt in Witten-Herbede (www.hokon.de) hat sich voll und ganz auf die Massivholzverarbeitung spezialisiert. Das Elf-Mann-Familienunternehmen fertigte im letzten Jahr rund 250 Holztreppen, 200 Särge und etwa 3000 Messerblöcke für Zwilling. Mit diesem Programm ist das Maka-Fünfachs-Bearbeitungszentrum im Eineinhalb-Schichten-Betrieb ausgelastet. Mit einem neu entworfenen, patentierten Wangenvollholztisch mit dekorativen Schwalbenschwanzzinken will die Tischlerei den Betrieb jetzt auf zwei volle Schichten ausweiten. Jörn Brenscheidt gründete 2001 die Tischlerei als GmbH. Der eigentliche Ursprung des Unternehmens liegt jedoch im Jahr 1983, als seine Eltern die Fertigung von High-Fi-Boxen aufgenommen haben. Widrige Umstände führten 2001 zum Konkurs der Boxen-Firma.

Heute beschäftigt Jörn Brenscheidt elf Mitarbeiter, darunter seine Eltern Christine und Rolf Brenscheidt und seine Geschwister Heike und Dag Brenscheidt. Christine Brenscheidt ist für die Buchhaltung zuständig, Tochter Heike erledigt die Büroarbeiten, und Sohn Dag ist Tischlerlehrling im zweiten Lehrjahr.
Die ganze Familie macht mit
Geschäftsführer Jörn Brenscheidt ist Spezialist für die Treppenkonstruktion und die CNC-Programmierung. Er kümmert sich um die Produktion. Rolf Brenscheidt fungiert eher im Hintergrund als der kreative Kopf im Unternehmen. Er entwickelt Vertriebskonzepte und ist auch der Erfinder des neuen Tisches. Mehrere Standbeine sorgen für eine sichere und hohe Betriebsauslastung. Das Hauptprodukt, die Holztreppe, geht zu 75 Prozent an Tischlerkollegen und zu 25 Prozent an Privatkunden. Die Messerblöcke fertigt die Tischlerei für einen Industriekunden und die Särge für einen einen Großhändler. Den Tisch will der Massivholzspezialist deutschlandweit über Tischlerkollegen vermarkten.
Bei der Firmengründung stand fest, dass die Kundschaft unter den Tischlerkollegen in einem Umkreis von rund 50 km zu gewinnen sei. Rolf und Christine Brenscheidt besuchten hier drei Monate lang etwa 600 Betriebe und stellten das Holzkontor vor. Das Programm reicht von der Planung, Konstruktion und Herstellung kompletter Treppen bis hin zu CNC-Fräsarbeiten im beliebigen Vorfertigungsgrad. Es gibt Tischlerkunden, die z. B. ihre Treppen selbst konstruieren, entsprechende Leimholzplatten fertigen und kommissionieren und diese beim Holzkontor komplett CNC-bearbeiten lassen. Alles weitere fertigen sie selbst. Mit dem in der Automobilindustrie verbreiteten 3-D-CAD/CAM Programm »Adem« von Omega in Ulm kann Brenscheidt für Tischlerkollegen auch sehr komplizierte 3-D-Fräsarbeiten auch in Losgröße 1 fertigen.
Die rund 400 m2 Fertigungsfläche sind unterteilt in ein Holzlager mit Abläng- und Besäumsäge, einem Vierseiter und einem Verleimstern. Herzstück der Fertigung ist die Fünfachs-Oberfäse. Ihr schließen sich eine Breitband- und eine Kantenschleifmaschine sowie ein Lackierraum an. Die zweite Schicht lässt sich von einem Mann bewältigen. Seine Hauptbetätigung ist das Plattenverleimen. Zwischendurch bestückt er das Bearbeitungszentrum mit Material.
Formstabiles Faltwerk
Auf die Frage, wie es zu der Entwicklung des neuen Faltwerkwangentisches kam, antwortete Rolf Brenscheidt, er habe in einer Wolfsburger Pizzeria einen gezinkten, u-förmigen Wangentisch gesehen. Dieser habe mit den sichtbaren Schwalbenschwanzzinken zwar gut ausgesehen, jedoch behinderten die Wangen die Beinfreiheit an den Kopfenden. Er habe sich dann Gedanken gemacht, wie ein Tisch mit sichtbaren Zinken aussehen muss, damit man ringsherum überall sitzen kann, ohne mit den Knien an die Wange zu stoßen. Das Ergebnis ist ein wohlproportionierter Faltwerkstisch bei dem die Teile sich gegenseitig formstabil halten.
Pfiffig ist nicht nur das Faltwerk, sondern auch das Detail, die Geometrie Schwalbenschwanzzinken. Der Grund der Schwalbenschwanznut besteht wie ein umgedrehtes Satteldach aus zwei leicht geneigten Flächen. Das sieht zum einen interessant aus, zum anderen erlaubt es den Einsatz von ganz normaler Schaftfräser anstelle von aufwändigen, schwalbenschranzförmigen Spezialwerkzeugen, da Flanke und Grund der Schwalbenschwanznut im rechten Winkel zueinander stehen. GM
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