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Der Umzug seiner Werkstatt war für Scheinermeister Eberhard Graf ein willkommener Anlass, die Wärmeversorgung von Werkstatt, Küchenstudio und Wohnhaus von Öl auf Holzabfälle und Hackschnitzel umzustellen.

Keine 800 m entfernt von der Möbel Graf GmbH in Berglen-Oppelsbohm bei Winnenden stapelt sich am Waldrand kubikmeterweise Brennholz. Das Unternehmen verbrauchte bisher jährlich etwa 10 000 l Heizöl. Nach dem bevorstehenden Umzug in eine größere Produktionshalle steigt der Jahresbedarf voraussichtlich sogar auf 25 000 l bzw. rund 12 500 Euro. Für Geschäftsinhaber Eberhard Graf Grund genug, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob er nicht mit dem Brennholz aus dem Nachbarwald günstiger fährt. Möbel Graf betreibt ein Küchenstudio mit Schreinerei und beschäftigt zehn Mitarbeiter. Etwa ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftet die Schreinerei. Eberhard Graf führt das 1926 von seinem Großvater gegründete Unternehmen in dritter Generation. Das 1972 eingerichtete und 1986 auf 180 m2 erweiterte Küchenstudio ließ die Werkstatt im Erd- und Obergeschoss auf mittlerweile nur noch 250 m2 schrumpfen. Die Schreinerei läuft jedoch so gut, dass die Fläche nicht mehr ausreicht. Im letzten Jahr ergab sich die Gelegenheit, das Nachbargrundstück mit einer 1000 m2 großen Gewerbehalle aus den 70er Jahren zu erwerben. Die Lage der Halle ist attraktiv, inmitten der Ortschaft an der Hauptdurchgangsstraße. Einziger Wermutstropfen: Eine kleine Seitenstraße trennt das alte vom neuen Grundstück.

Graf kaufte die Halle. Sein Ziel: eine ebenerdige Produktionshalle mit rund 600 m2 und die Erweiterung des Küchenstudios um die alte Produktionsfläche auf über 400 m2. Der Umzug erfordert eine komplette neue betriebstechnische Einrichtung, weil u. a. die Halle mit einem veralteten Ölkessel ausgestattet ist. Auch die alte Werkstatt und das Wohnhaus beziehen ihre Wärme seit etwa zehn Jahren aus einer Ölheizung. Zuvor gab es einen Heizkessel mit Restholzfeuerung, der jedoch unterdimensioniert war und nach wenigen Betriebsjahren nicht mehr instandzuhalten war. Ein neuer Holzheizkessel rentierte sich damals nicht, weil der Betrieb nicht in ausreichender Menge Späne und Restholz abwarf, um über den Winter zu kommen. Jetzt verdoppelt sich der Wärmebedarf, der Ölpreis steigt unentwegt und außerdem fallen Kosten an, um Späne und Restholz zu entsorgen.
Graf suchte eine zeitgemäße Lösung für Werkstatt, Ausstellung und Wohnhaus und wandte sich an Horst Kastner, den technischen Betriebsberater vom Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg. Gesucht war ein Kessel für die Holzreste aus der eigenen Produktion und für zugekaufte Hackschnitzel, um die Versorgungslücke zu schließen. Überschlagsrechnungen versprachen ohne Abschreibung eine Heizkostenersparnis in Höhe von 40 bis 50 Prozent. Die geplante Amortisationszeit beträgt zehn Jahre. Die Auswahl fiel auf einen Kessel von Heizomat (www.heizomat.de). Für die Bevorratung der Hackschnitzel baute Graf unmittelbar neben der Produktionshalle einen Bunker mit knapp 100 m3 Fassungsvermögen, der etwa 2 m tief in den Boden eingelassen ist. Daneben errichte er auf gleicher Höhe ein Kesselhaus. Eine Förderschnecke beschickt den 200-kW-Kessel automatisch. Ein Stockwerk oberhalb des Kessels befinden sich die Filter und Ventilatoren der neuen Absauganlage. Die Späne gelangen sofort in eine Brikettierpresse mit Auswurf in den Hackschnitzelbunker. In den nächsten Tagen wird die Anlage den Betrieb aufnehmen. Zunächst ist jedoch erst die neue Halle angeschlossen. Die aufwändige Unterquerung der Straße zum Küchenstudio und zum Wohnhaus nimmt sich Graf für das kommende Jahr vor.
Die grobüberschlagenen Investitionssummen betragen für den Bunker 45 000 Euro (die Eigenleistungen sind nicht mitgezählt), für die Absauganlage einschließlich der Brikettierpresse 35 000 Euro, für den Kessel 45 000 Euro und das Heizungsnetz 40 000 Euro.
Graf hat mit dem Hackschnitzellieferanten vom 800 m entfernten Nachbarwald eine Liefervereinbarung getroffen. dds ist mit Eberhard Graf im kommenden Frühjahr verabredet, um nach der ersten Heizperioden über den Erfolg der Investition Resümee zu ziehen. GM
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