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Mit Charme und Schablone

Technik
Mit Charme und Schablone

Der ukrainische Schreiner Dmytro Dovzhenko ist dds-Lesern bereits vom Bau einer halbgewendelten Treppe im iPhone-Look bekannt. Das neue Projekt des Handmaschinenfreaks: eine Empfangstheke, passend zur Treppe.

Vor gut einem Jahr hat dds über ein außergewöhnliches Projekt des ukrainischen Schreiners Dmytro Dovzhenko berichtet (dds 7/2010). Für das Büro eines Kinoveranstalters hatte er eine halbgewendelte, weiß lackierte Podesttreppe gefertigt, die aus mehrfach gewinkelten Elementen mit abgerundeten Ecken besteht. Die Form, so der Wunsch des Auftraggebers, sollte an die 70er-Jahre bzw. an die zurzeit angesagte iPhone-Optik erinnern. Die anspruchsvolle Konstruktion war für Dovzhenko eine Herausforderung – insbesondere deshalb, weil er für die Fertigung fast ausschließlich Handmaschinen einsetzte. Für den gleichen Kunden sollte nun eine Empfangstheke erstellt werden, die sich stilistisch an die Treppe anlehnt.

Allein die Planung und Anfertigung der Skizzen für den Auftraggeber beschäftigte den Schreiner einige Monate. Als schließlich das grundlegende Konzept feststand, konnte der Auftrag kalkuliert und die Überlegungen zum Bau des Möbels ausgearbeitet werden. Aufgrund der großen Abmessungen und des zu erwartenden Gewichtes der Theke wurde eine zerlegbare Konstruktion gewählt. Dmytro Dovzhenko entschied sich für einen Aufbau aus drei Teilen bzw. Modulen, von denen das mittlere die gemeinsame Platte tragen sollte.
Der erste Entwurf sah vor, dass diese Hauptmodule in einem Stück mittels Mehrschicht-Biegeverfahren gefertigt werden. Angesichts der großen Abmessungen und diverser technischer Schwierigkeiten entschied er sich dann jedoch dafür, die Module aus mehreren Teilen zu bauen.
Rund macht erfinderisch
Als erstes wurden alle abgerundeten Teile gebaut, von denen jedes aus zwei 15 Millimeter dicken Furnierholzplatten besteht. Diese wurden im Vorfeld an der späteren Krümmungslinie auf etwa 85 Prozent der Materialdicke eingeschnitten (Abb. 1). Um die gleiche Größe aller abgerundeten Teile zu gewährleisten, wurde eine Spezialvorrichtung zum präzisen Zuschneiden der Teile mit einer Handkreissäge gebaut (Abb. 2). Die meisten abgerundeten Teile haben den gleichen Radius; nur die Länge variiert. Hierzu wurden die fertigen Radien-Teilstücke mit entsprechenden Fragmenten verlängert. Das Fügen der Teilstücke erfolgte mithilfe von Domino-Dübeln (Abb. 3–4). An die fertigen abgerundeten Teilstücke wurden ebenfalls die geraden Fragmente mit Dübel fixiert und verleimt (Abb. 5). Auf diese Weise entstanden aus den Teilstücken nach und nach die größeren Hauptmodule der Theke (Abb. 6).
Eine ganz andere Frage war die Anfertigung der Schubladen. Genauer gesagt die Verbindung von Schublade und Vorderstück. Hierbei kam eine unkonventionelle Methode zur Herstellung von Schubladen zum Einsatz, bei der als erster Schritt eine durchgehende, gemeinsame Front aller Schubladen gefertigt wurde. Dafür wurde das Teilstück für die Front inklusive der abgerundeten Kante verleimt (Deckel der späteren Schublade) und mit gefrästen Nuten für die späteren Griffe versehen (Abb. 7–8). Anschließend wurden die kompletten Schubladenelemente auf die gemeinsame Front aufgeleimt (Abb. 9–11). Erst danach wurde die Front zusammen mit den Schubkästen in die späteren, einzelnen Fragmente aufgetrennt (Abb.12). So gelang eine extrem genaue Abstimmung der Schubladen auf den Thekenkorpus (Abb. 13). Die einzelnen Teilstücke der Theke wurden mit verschiedenen Verbindungstechniken an später nicht sichtbaren Stellen zusammengefügt (Abb. 14).
Alles ist erleuchtet
In der nächsten Phase erfolgte die mehrschichtige Oberflächenbehandlung, welche im Aufbau und in der Optik exakt zur lackierten Treppe passen musste (Abb. 15). Nun konnte der Zusammenbau der Einzelteile erfolgen (Abb. 16).
Die Seitenwände des Objekts sollten zudem noch illuminiert werden. Hierfür wurden auf eine Kunststoffoberfläche mehrere Reihen von Leuchtdioden geklebt. Als Abdeckung der beleuchteten Seitenwände kamen 5-mm-dicke lichtstreuende Acrylplatten zum Einsatz (Abb. 17–20). Die LEDs können manuell oder über eine Fernbedienung individuell eingestellt werden. Steffen König
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