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Meisterausbildung quo vadis?

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Meisterausbildung quo vadis?

Auf dem 23. Fachschultag in Garmisch-Partenkirchen diskutierten Referenten und Teilnehmer über die Zukunft der Meisterausbildung im Handwerk. Einig war man sich darin, dass nur ein gut ausgebildeter Meister ein guter Meister ist.

Die Zahl der Meisterprüfungen im Handwerk geht seit Jahren zurück. Wer heute einen Schreinerbetrieb gründen will, muss vor dem Gesetz wesentlich geringere Voraussetzungen erfüllen als noch vor einigen Jahren (Altgesellenregelung, Aufgabe des Inhaberprinzips etc.) Das führt zu mehr Wettbewerb, der sich in der Zukunft weiter verschärfen wird. Vor diesem Hintergrund beleuchteten sieben Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln Qualität und Bedeutung der Meisterausbildung im Schreinerhandwerk.

Alexander Wanisch, Schulleiter der Fachschule, und Manfred Pettmesser, erster Vorsitzender des Vereins der Fachschulabsolventen, wiesen darauf hin, dass auf Grund des härter werdenden Wettbewerbs Bildung, Wissen und Können die einzig sinnvolle Grundlage für eine Unternehmertätigkeit seien.
Dr. Christian Wenzler, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Schreinerhandwerk Bayern, sprach über mögliche Ursachen des Rückgangs der Meisterprüfungen. So ging er der Frage nach, inwieweit immer wieder vorgebrachte Aussagen wie »Die EU ist schuld!«, »Der Bundestag ist schuld!«, »Der Kunde ist schuld!« tatsächlich zutreffen. Beispiel EU: Einerseits erkenne sie so gut wie jede Aufweichung und Lockerung der regeln für das Ausüben handwerklicher Tätigkeiten an, andererseits lobe sie die handwerkliche Aus- und Weiterbildung als »best-pratice«, als den hochwertigsten und sinnvollsten Weg für ein zukunftsträchtiges Handwerk. Mit Schuldzuweisungen nach dem Gut-Böse-Schema komme man also nicht weiter. Natürlich müsse man diskutieren, wie stark die Politik verantwortlich dafür sei, dass sich die Meisterprüfungen in den A-Berufen (zulassungspflichtige Handwerke) um 9,7 Prozent und in den B-Berufen um 18,4 Prozent verringert haben. Aber man müsse auch die Frage stellen, inwiefern das Handwerk bzw. die Handwerksorganisationen selbst dafür verantwortlich sind, dass die Ausbildungsbereitschaft zurückgeht. Wie steht es mit der Qualität der Meisterausbildung selbst? Wo wird das Schreinerhandwerk enden, wenn einige Kammern die Meisterprüfung vereinfachen wollen, damit nicht so viele Prüflinge durchfallen? Nur durch eine anspruchsvolle Aus- und Weiterbildung werde das Schreinerhandwerk die Chancen, die sich in Zukunft bieten, nutzen können. Der Fachverband Schreinerhandwerk Bayern empfiehlt deshalb die Meisterausbildung in Vollzeit und arbeitet exklusiv mit den vier bayerischen Vollzeitmeisterschulen zusammen. Trends wie Wellness, Fitness, Alterung der Gesellschaft etc. ermöglichten neue Ansatzpunkte, erklärte Dr. Wenzler. Gerade hier bestehe die Möglichkeit, sich zu positionieren und abzugrenzen.
Die Vielfalt an Berufswegen, die auf der Grundlage der Meisterausbildung möglich sind, schilderte Hans Bauer, Mitglied der Meisterprüfungskommission München und Oberbayern und stellvertretender Vorsitzender des Vereins der Fachschulabsolventen. Alle großen und kleinen Erfolgsgeschichten hätten ihre Gründe: ein klares Ziel, eine in der Ausbildung weiterentwickelte Persönlichkeit, ein verfeinertes kommerzielles Gespür und oft die enge Partnerschaft mit Kollegen.
Auch die weiteren Referenten des Tages, die stv Bezirkstagspräsidentin Friederike Steinberger, die Schreinermeister Bernhard Daxenberger und Raimund Oßwald sowie der ehemalige stv. Schulleiter der Fachschule, Wolfgang Werning, betonten in ihren Reden die Bedeutung der Aus- und Weiterbildung für die Zukunft des Handwerks.
Corinna May, stv. Schulleiterin der Fachschule für Schreiner und Holzbildhauer, Garmisch-Partenkirchen
Die Meisterprüfung schwankt hierzulande zwischen anspruchs- vollem Qualifizierungsnachweis und Ausstellen eines Dokumentes Dr. Christian Wenzler Die Qualität der Aus- und Weiterbildung entscheidet über die Zukunft des Handwerks Wolfgang Werning
Der Meister muss erhalten bleiben, allerdings als fundierte Unternehmerausbildung und nicht nur als Zulassungsvoraussetzung Dr. Christian Wenzler
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