Der Hordenwagen oder ein Lattengestell auf Rädern

Was ist bei Transportwagen für Tischler zu beachten?

Mit Rollwagen fördert eine Person allein große Platten, Werkstücke oder ganze Kommissionen von Station zu Station durch die Werkstatt. In einer Serie stellt Willi Brokbals vier Gruppen vor: Platten-, Kommissionierwagen, Hubtische/-wagen sowie Hordenwagen. Teil 4: Hordenwagen.

Horde steht laut Duden für Lattengestell. Also ist ein Hordenwagen ein Lattengestell auf Rädern. Meistens nimmt er frisch lackierte Werkstücke während der Trocknungsphase auf. Vollbeladen lässt er sich in die Trockenzone und weiter zum Lackzwischenschliff schieben, eignet sich aber auch zum Kommissionieren und zum Transport, etwa an einen Montageplatz. Auf der Ligna 2017 zeigten vier Aussteller Hordenwagen, nur einer nutzt jedoch diesen Begriff. Auf den ersten Blick sehen sie alle gleich aus: ein Fahrgestell mit rechts und links jeweils einem Stahlrohrseitenteil, aus dem Stäbe herauskragen.

Gescha. Wer den Messestand von Gescha betritt, wird diese Vorstellung Stück für Stück der Realität anpassen. Beim Basismodell lassen sich bis zu 24 Ebenen durch leuchtend gelbe Auflagerohre schaffen. Das sind Stahlrohre mit 600 mm Nutzlänge, die von dicken, aufgeschrumpften PE-Schläuchen ummantelt sind. Das Gescha-WikiWiki-Schnellwechselsystem erlaubt werkzeugloses Umstecken der Stangen, damit Zwischenräume mit 40 oder 130 mm entstehen. Jedes Auflagerohr kann bis zu 20 kg Last tragen und ist damit für die meisten Nutzungen ausreichend stabil.

Elektrisch leitfähige Rollen

Zwei X-Scheren verbinden die beiden Rechen an der Rückseite miteinander. Wie eine Ziehharmonika lässt sich damit der Wagen von 300 bis 1500 mm Breite auseinanderziehen. Leicht in die Sockel und Oberteile einzuschiebende und mit Flügelschrauben zu sichernde Vierkantrohre geben Stabilität. Für kürzere Werkstücke lassen sich Zwischenrechen fixieren. Zwei der vier elektrisch leitfähigen und damit statisch nicht aufladbaren 125-mm-Lenkrollen sind mit einer Bremse ausgestattet. Der Hordenwagen »Standard Plus« entspricht im Aufbau dem Basismodell, hat allerdings eine variable Breite bis 2 m bei maximal 17 Etagen. Die Auflagelänge lässt sich durch ausziehbare Rohre bis 900 mm erweitern. Jedes trägt sogar bis zu 35 kg, voll ausgezogen bis 20 kg. Eine Erweiterung um nochmals 17 Etagen hat Gescha elegant gelöst: Die hinteren, an Schienen befestigten Rollen lassen sich herausziehen und ermöglichen so, die Holme auf der Rückseite mit zusätzlichen Auflagerohren zu bestücken. Damit bleibt der Wagen auch bei beidseitiger Beladung stabil.

Weiterhin führt Gescha einen Wagen mit bis zu 10° nach hinten neigbaren Rechen sowie eine Variante mit 800 mm langen, doppelten Auflagerohren für Lasten von bis zu 200 kg pro Etage im Programm.

Nach Bedarf umgesteckt

Jowi nennt seine Hordenwagen Regalwagen. Die Auflagerohre sind auch hier leuchtend gelb und von vorn mit einem balligen schwarzen Kunststoffstopfen verschlossen, sofern keine ausziehbaren Innenrohre zum Verlängern vorhanden sind. Je nach Wagentyp – und das sind viele – gibt es Auflagerohre in bis zu fünf Längen von 590 mm (Ø 23 mm) mit 15 kg Traglast bis 1380 mm (Ø 29 mm) mit 27 kg Traglast. Sie lassen sich umstecken und mit einer Inbusschraube fixieren. In einer Öffnung im hintern Holm hat der Schlüssel seinen festen Platz. Die Zahl der Auflagerohre und die möglichen Etagen und Etagenabstände sind je nach Wagentyp unterschiedlich: Beim kleinsten Wagen (Typ B) 16 Etagen mit 66 mm Abstand, Typ C bietet zwölf Etagen mit 92 mm Abstand und Typ R entweder elf Etagen mit 113 mm Abstand oder dieselben Parameter wie Typ B. Das Modell Quercus ist mit 1500 kg Zuladung der Lastesel unter den Hordenwagen und bietet bis zu 13 Etagen mit 70 mm Abstand.

Die Breiteneinstellung geschieht auch bei Jowi über eine einfache X-Schere, eine doppelte X-Schere oder durch Vierkantrohre, die mit den seitlichen Rechen verschraubt werden. An letzteren lassen sich auch zusätzliche Rechen installieren. Zum Ändern der Wagenlänge löst man zwei Exzenterhebel an den X-Scheren, verschiebt einen Rechen und klemmt die Exzenterhebel wieder – sehr praktisch und einfach. Ebenfalls praktisch sind auch die langen, senkrechten Griffstangen an den hinteren seitlichen Holmen. Zur Stabilisierung oder wenn die Auflagerohre auch auf der Rückseite befestigt werden, lassen sich die hinteren Rollen herausziehen. Die Rollen mit ihren balligen Laufflächen sind je nach Last mit 125, 160 oder 200 mm Durchmesser zu haben. Gegebenenfalls sind die Wagen gegen elektrostatische Aufladung zu erden.

Längenspektrum erweitert

Auch Jowis besonders variabler »Dabelju« ist über eine Schere in der Breite verstellbar, hat jedoch rechts und links jeweils zwei unabhängig voneinander drehbare Rechen. Die in der Grundstellung V-förmig zum hinteren Holm zusammenlaufenden Auflagerohre ermöglichen es so, die Auflagetiefen und -abstände zu variieren. Das erweitert das gemeinsam ablegbare Längenspektrum. Dreht man jeweils einen Schenkel nach hinten, lässt sich der Wagen auch an der Rückseite nutzen. In diesem Fall sind die hinteren, an Teleskopstangen befestigten Rollen, herauszuziehen.

Rehnen. Auch Rehnen setzt Farbakzente: lichtgraue Stahlrohrwinkel halten die Auflagerohre mit gelben Verschlusskappen am Ende, während Scheren und Verbindungen zwischen den Rechen blau sind. Quadratische Rohre verbinden die äußeren Rechen, eins oben und eins auf halber Wagentiefe am Bodenrohr. Daran lassen sich Zusatzrechen befestigen.

Die stählernen Auflagerohre (Ø 25 mm) sind bei fast allen Modellen galvanisiert, mit Klarsicht-Kunststoff ummantelt und lassen sich werkzeuglos mit einem Bajonettverschluss wahlweise auf der vorderen oder hinteren Wagenseite verriegeln. Nutzt man die Rückseite des Wagens, ist das hintere Fahrwerk auszuziehen und zu verriegeln. Alle Wagen sind mit vier Lenkrollen aus Polyamid (Ø 125 mm) ausgestattet und sind bei Bedarf zu erden. Ist eine andere als die volle Wagenlänge gefordert, lassen diese sich vom Maximalmaß (1500, 2000, 2000 mm) stufenlos bis auf 200 mm (Stabiloflex 300 mm) zusammenschieben. Damit keine überstehenden Verbindungsrohre stören, ist es sinnvoll, sie in unterschiedlichen Längen zu bevorraten und einzusetzen. Teilweise reicht jedoch auch die X- oder Doppel-X-Schere aus, um genügend Steifigkeit ins System zu bringen.

Schmalz. Schmalz zeigte keinen Hordenwagen am Messestand, sondern erläuterte die Ausführungen anhand eines Prospektes. Die hellgrau lackierten Wagen mit 12 bis 24 Etagen kommen ohne X-Scheren und auswechselbare Verbindungsrohre aus. Die leichteren Wagen haben mit zwei an den aufrechten Rückenrohren der Rechen verbauten Verbindungsrohren fixe Wagenlängen. Für die in der Länge variablen Hordenwagen (1380–2670 mm) wird ein spezielles System eingesetzt: Die jeweils in halber Wagenlänge geteilten Verbindungsrohre sind dort durch ein Gelenk verbunden und die Rohrenden sind jeweils mit einem Gelenk an der Wagengrundkonstruktion befestigt. Zum Verstellen der Wagenlänge wird an jedem Drehgelenk ein Klemmhebel gelöst, das Wagenmaß verstellt und die insgesamt sechs Hebel werden wieder festgezogen.

Die Ablagerohre (680/1200 mm) sind mit lösemittelbeständigem Kunststoffschlauch überzogen und grundsätzlich fest mit dem runden Rückenholm verbunden. Optional bietet Schmalz allerdings auch steckbare Ablagerohre an, die mit Bajonettverschluss werkzeuglos zu wechseln sind.

Überzeugende Vielfalt

Insgesamt bieten die vier Hersteller eine breite Modellpalette, aus der jeder Tischler oder Schreiner den für seine Erfordernisse passenden Hordenwagen wählen kann. Es lohnt sich, genau hinzusehen, da die Details die Funktionen stark beeinflussen.


Willi Brokbals, Fachlehrer an der
Meisterschule Ebern, berichtet in dds immer
wieder über Maschinen und Technik für Tischler und Schreiner. Auf der Ligna befasste er sich
mit dem Thema Materialfluss.


Steckbrief

Gescha Absauganlagen und Umwelttechnik GmbH
72202 Nagold, www.gescha.de

Jowi GmbH, A 3071 Böheimkirchen, www.jowi.at

Maschinenbau Rehnen GmbH
26892 Heede, www.rehnen.de