Nesting-BAZ für Gipskarton

»Es staubt halt ein bisschen«

Formteile erleichtern die Arbeit im Trockenbau. Kaform hat sich als Zulieferer darauf spezialisiert. Geschäftsführer Tobias Kroner bearbeitet Gipskarton im Nesting-Verfahren auf einem normalen, in der Holzbearbeitung üblichen BAZ.

Formteile aus Gipskarton beschleunigen die Arbeit auf der Baustelle enorm. Mit auf Maß vorgefertigten L-Winkeln beispielsweise entfällt das aufwendige Setzen von Eckschutzschienen mit anschließendem Verspachteln und Schleifen. Das Problem vieler Trockenbauer ist jedoch: bei den zunehmend eng getakteten Baustellen heutzutage sind die Lieferzeiten der einschlägigen Lieferanten für Formteile meist zu lang. Als Mitinhaber der Fa. Kantwerg Trockenbau & Brandschutz in Karlsruhe kannte Tobias Kroner diese Thematik nur zu gut. Aus dem eigenen Bedarf heraus entstand daher die Idee, maßgenaue Formteile selbst herzustellen und dies auch als Dienstleistung für Kollegen, Innenausbauer und andere gewerbliche Kunden anzubieten. 2015 gründete er deshalb das Tochteruntenehmen Kaform GmbH, mittlerweile beschäftigt er drei Mitarbeiter.

Herzstück des Betriebes ist ein CNC-Bearbeitungszentrum Profit H10 von Format-4. Die Nestingmaschine ist für die Bearbeitung von 1250 x 2000 großen Gipskartonplatten ausgelegt, die bei Kaform bei rund 80 % der Aufträge zum Einsatz kommen.

Zur Beschickung ist die Maschine mit einem Hubtisch ausgestattet, auf dem eine größere Anzahl Platten vorgehalten werden kann. Vakuumheber transportieren die Platten auf den mit einer MDF-Schonerplatte ausgelegten Rastertisch. Nach dem Bearbeitungszyklus werden Werk-, Rest- und Abfallstücke auf einen Entnahmetisch geschoben und vom Bediener bzw. einem Mitarbeiter abgestapelt.

Eine passende, starke Absaugeinheit hat Kroner direkt dazugekauft. Das Gerät mit einem max. Volumenstrom von 6000 m³/h, zwöf Patronen und einer Filterfläche von 50 m2 dient ausschließlich zur Absaugung der CNC, da Kaform keine weiteren Maschinen im Einsatz hat. Für den in großer Menge anfallenden Gipsstaub hat der Betrieb sich Säcke nähen lassen, die exakt in die Behälter der Absaugeinheit passen. Das vereinfacht das Handling.

Die Maschine selbst entspricht weitgehend den aus der Holzbearbeitung bekannten Standards. Wegen des stark staubenden Gips’, so Tobias Kroner, seien lediglich an einigen Stellen zusätzliche Dichtungen eingebaut worden: »Außerdem machen wir die Maschine natürlich regelmäßig sauber, sodass wir bisher keine größeren Probleme zu beklagen hatten«.

Neben maßgenauen Zuschnitten liefert Tobias Kroner vor allem Foldingteile, einfache L-Winkel oder auch mehrfach gefaltete Elemente. Diese werden z. B. für Lichtvouten benötigt, für Stützenverkleidungen u. ä. Die V-Nut wird mit einem 90°-Kegelfräser eingebracht. Die Formteile werden dann entweder verklebt oder gehen ungefaltet zum Kunden. Zuweilen werden die Nuten auch mit selbstklebende Streifen als Montagehilfe versehen. Kroner fertigt auch geschlitzte Elemente verschiedenster Durchmesser, für Säulen, Halbsäulen oder Lichtkuppeln.

Neben Gipskarton und Gipsfaser wird bei Kaform ein breites Spektrum an weiteren Materialien bearbeitet: Fibersilikat- (»Promat«), Holzfaser- (»Heraklith«) und zementgebundene Platten (»Aquapanel«), aber auch eher schreinermäßige Werkstoffe wie Plexiglas, Seekiefersperrholz oder HPL. Was die Werkzeuge angeht, kommt neben dem Kegelfräser hauptsächlich ein Schaftfräser und die Nutsäge zum Einsatz. Kroner hält das Sägeblatt in dreifacher Ausführung vor, damit für den Fall der Fälle immer ein Reserveblatt zur Hand ist. Spätestens alle zwei Wochen muss nachgeschärft werden, die stark stumpfenden Materialien fordern ihren Tribut. Für die Bearbeitung von Aquapanel- und Promatplatten kommen diamantbestückte Werkzeuge zum Einsatz.

Über mangelnde Auslastung kann sich Tobias Kroner nicht beklagen. Er punktet am Markt mit Trockenbaukompetenz, kurzen Lieferzeiten und dem direkten Draht zu seinen Kunden – zu denen durchaus auch der eine oder andere Schreiner zählen könnte.


dds-Chefredakteur Hans Graffé hat sich für diesen Beitrag in die Welt des Gipskartons begeben. Sein Fazit: Auch Trockenbauer sind umgängliche Zeitgenossen, ganz besonders die badischen;-)


Steckbrief

Anwender:
Kaform GmbH, Karlsruhe, www.kaform.de

Bearbeitungszentrum:
Profit H10 mit Zuführ- und Entnahmestation, www.format-4.de

Absaugung:
RL 300, www.felder-group.com