Tipps für die Werkstatt

Maschinenwartung mit System

Schnell noch vor dem Feierabend die Bretter aushobeln und die Platte verleimen. Doch die Messer haben Scharten, der Fügeanschlag klemmt und Gleitmittel ist auch gerade aus. Willi Brokbals weiß, wie sich solche Produktions- und Motivationsbremsen vermeiden lassen.

Es ist immer ärgerlich, wenn Maschinen nicht so funktionieren, wie sie sollten. Oft werden Wartungsarbeiten erst durchgeführt, wenn die Maschine in Teilen oder insgesamt ihren Dienst versagt. Bei ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen werden viele gesundheitliche Probleme frühzeitig erkannt und durch rechtzeitige Behandlungen gestoppt oder geheilt. Warum sollte diese Vorsorgemaßnahme nicht auch bei den Holzbearbeitungsmaschinen funktionieren? Es gibt noch eine Parallele: Beides schiebt man gerne auf! Am Beispiel Abricht-Hobelmaschine erkläre ich, stellvertretend für weitere Maschinen, wie der individuelle Maschinencheck entwickelt werden und wie er funktionieren kann. Im Zeitalter mit den Schlagwörtern Schreinerei 4.0 und KI für künstliche Intelligenz leuchtet jedem Schreiner ein, dass er zum Erstellen von Programmen und zum optimalen Bedienen seiner Maschinen Zeit in die Vorbereitung investieren muss. Dem Betrieb entstehen hohe Kosten für Schulungen. Schließlich soll die Handhabung der Maschinen reibungslos funktionieren.

Ist die Investition zur Bedienung und Wartung bei Bearbeitungszentren selbstverständlich, wird sie in vielen Fällen bei Standardmaschinen vernachlässigt. Zu Unrecht! Von heute auf morgen für den gesamten Maschinenpark ein gültiges Wartungskonzept zu entwickeln, ist nicht ratsam. Starten Sie mit einer oder zwei Maschinen, für die Sie Checklisten entwickeln, testen und überarbeiten. Diese einmal geleistete Arbeit dient als Blaupause für die Wartungskonzepte der übrigen Maschinen.

Schritt 1: Daten sammeln. Prüfen Sie, ob im Abschnitt Wartungsarbeiten der zur Maschine gehörenden Betriebsanleitung brauchbare Angaben gemacht werden. Gerade bei älteren Anleitungen fehlen häufig Hinweise oder es gibt sie allenfalls zu Schmierintervallen. Vielleicht finden Sie hier schon den Grundstock einer Checkliste zum Abschmieren der Maschine.

Sammeln Sie Stichwörter

Je nach Vorliebe benutzen Sie Papier, Tablet oder Laptop, um eine Stichwortsammlung der zu prüfenden Einzelheiten festzuhalten. Besonders wenn Maschinen mehrfach im Betrieb vorkommen, ist es wichtig, Hersteller und Maschinentyp zu Beginn der Checkliste aufzuführen, damit sie eindeutig zugeordnet werden können.

Beginnend mit der Steckdose, Stecker, Zuleitung, … sehen Sie sich alles an, was geprüft werden kann und notieren Sie es. Streichen können Sie immer noch. Haben Sie diese wichtige Vorarbeit geleistet, stellen Sie die Stichworte zu sinnvollen Gruppen zusammen. So kann es, wie in meiner Beispiel-Checkliste, sinnvoll sein, das Elektrische, die Mechanik und die Sicherheit zu Blöcken zusammenzufassen. Alles, was sich nicht eindeutig den genannten Punkten zuordnen lässt, habe ich unter Sonstiges zusammengefasst.

Bilden Sie Standortblöcke

Auch die Bildung von Standortblöcken macht Sinn: Hinter, vor, rechts, links und Umfeld der Maschine oder die Ordnung nach Zeitintervallen, in denen Überprüfungen stattfinden sollen. Es ist einerlei, für welche Listenart Sie sich entscheiden: Wichtig ist, dass kein Punkt vergessen wird.

Schritt 2: Ergänzungen. Das Datum der Prüfung und der Name des Prüfers müssen eindeutig dokumentiert sein, damit Nachfragen möglich und Zeitintervalle nachvollziehbar sind. Nicht jeder Mangel, der beim Maschinencheck entdeckt wird, kann oder muss sofort behoben werden. Deshalb sollten Sie eindeutige Kurzzeichen verwenden, die dem Verantwortlichen Hinweise auf die Dringlichkeit geben. Keine Beanstandungen oder die erfolgreich durchgeführte Wartung einer Position wird mit dem Haken bestätigt. Sind jedoch zum Beispiel die einzelnen Adern am Kabeleinlass des Steckers sichtbar, muss sich ein Elektriker darum kümmern. Die Wichtigkeit signalisiert das Ausrufezeichen. Ruckelt der Fügeanschlag beim Positionieren, muss der Mangel zwar behoben werden, doch ist die Dringlichkeit nicht ganz so hoch. Darauf wird durch einen Kreis aufmerksam gemacht. Eine kurze Anmerkung in der dafür vorgesehenen Spalte wird hilfreich sein.

Schritt 3: Test 1. Jetzt haben sie alles Schwarz auf Weiß. Doch ob die Zuordnungen sinnvoll sind und ob sie tatsächlich alle Punkte erfasst haben, oder vielleicht zu viele, werden Sie feststellen, wenn sie die Wartung durchführen. Sie checken nicht nur ihre Maschine, sondern auch ihre Checkliste. Korrigieren und verschieben Sie einzelne Punkte, bis sie mit ihrer Liste zufrieden sind. Das ist der richtige Zeitpunkt, der Checkliste ihre endgültige Form zu geben, sie zu speichern und auszudrucken.

Schritt 4: Test 2. Lassen Sie den nächsten Maschinencheck von einem Mitarbeiter durchführen, der Ihnen eine ehrliche Rückmeldung gibt. Oft fördert dieses Feedback wertvolle Änderungen und Ergänzungen der Zusammenstellung zu Tage. Vielleicht erfahren Sie dadurch, welcher Mitarbeiter sich besonders eignet, weil er ein leidenschaftlicher „Schrauber“ ist. Oder Sie übertragen die Verantwortung für die Wartung und Pflege bestimmter Maschinen auf bestimmte Mitarbeiter: Das erleichtert die Kontrolle und erhöht die Sensibilität der Mitarbeiter für „ihre“ Maschine.

Klären Sie die Zuständigkeit

Möglicherweise ist es für den Betriebsablauf wirtschaftlich sinnvoller, jemanden als geringfügig Beschäftigten einzustellen, der nach Arbeitsschluss oder am Samstag zuverlässig die Punkte der Checkliste abarbeitet.

Schritt 5: Es läuft. Richtig gut geht’s der Maschine, wenn auch alle Schmierstellen versorgt sind. Erstellen Sie analog zur Checkliste eine Schmierliste. Hier können beschriftete Fotos viele Worte sparen. Das Abschmieren kann unabhängig von der übrigen Wartung stattfinden. Durch die für jede Maschine eigene Schmierliste, kann ein Mitarbeiter diese Aufgabe zusammenfassend für alle Maschinen übernehmen. Die Grundlagen sind gelegt! Entspricht die Checkliste ihren Erwartungen, sollten Sie diese zur Überprüfung der übrigen Maschinen modifizieren. Sie werden merken, dass das Anpassen der Listen durch die intensive Vorarbeit mit wenig Aufwand zu bewerkstelligen ist.


Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern, berichtet in dds immer wieder über Technik für Tischler und Schreiner. Ungepflegte Maschinen nerven ihn. Also hat er die Initiative ergriffen und diesen Beitrag geschrieben.


Willi BrokbalsFachlehrer an der Meisterschule Ebern

»Übertragen Sie das Warten der Maschinen am besten einem leidenschaftlichen Schrauber.«