Fensterfertigung auf der CNC

Investition in die Zukunft

Mit der alten Winkelanlage, das war Jean und Jürgen Reicherter klar, geht es nicht mehr weiter. Die beiden Geschäftsführer des Fensterbaubetriebes aus Reutlingen setzten sich mit ihrem Werkzeuglieferanten Zuani zusammen und entschieden sich, in Zukunft die Prüller-Eckverbindung einzusetzen und auf die CNC-Technik umzustellen.

Wenn bisher bei einem Auftrag Sonderfenster gefragt waren, zuckte Jean Reicherter immer ein wenig zusammen. Denn das bedeutete: zeitaufwendiger Sonderbau. Die alte Winkelanlage war dafür nicht geeignet. Mehr Flexibilität hinsichtlich Profilsystemen und Sonderformaten war denn auch einer der Hauptgründe für den Umstieg des 25-Mitarbeiter-Unternehmens auf die CNC-Technik.

Dafür erarbeiteten die Fensterbauer zunächst gemeinsam mit ihrem Werkzeuglieferanten Marin Rauscher von Zuani Deutschland ein Konzept. Zum Einsatz kommen sollte die sog. »Prüller«-Ecke mit angefrästem Rundzapfen sowie die Konter-Dübel-Eckverbindung. Für Jean Reicherter hat gerade die Prüller-Ecke wesentliche Vorteile. Alle konstruktionsrelevanten Arbeiten werden in einer Aufspannung erledigt, das sorgt für Präzision. Das Umfälzen entfällt ebenso wie das Verleimen in der Presse, da Rahmen und Flügel durch Schauben selbstzentrierend zusammengezogen werden. Die geschützte Konstruktion des Stützzapfens verhindert ein Verdrehen des Überschlages. Auch Sonderkonstruktionen wie Wechselfalz, angefräste Schlagleiste, Wetterschenkel etc. lassen sich mit dieser Verbindung realisieren.

Neben Zuani waren auch Maschinenlieferant Homag und die Softwareexperten von Klaes frühzeitig am Projekt beteiligt. In Sachen Maschine fiel die Wahl auf einen »PowerProfiler BMB 925« (mittlerweile »Centateq 900«). Das Bearbeitungszentrum ist mit einer 18,5-kW-Hauptspindel ausgestattet sowie einer aus zwei Frässpindeln bestehenden Profilsplitting-Einheit. Jede Spindel hat ihren eigenen Werkzeugwechsler. Die Maschine verfügt über zwei Bearbeitungstische, die unabhängig voneinander verfahren. Die Spann- und Greiftechnik ermöglicht das Bearbeiten sehr schmaler Teile wie z. B. Sprossen und auch sehr kurzer Teile. Der Auflege- und Abnahmebereich ist großzügig dimensioniert, sodass die Maschine bis zu mehreren Stunden autonom arbeiten kann. Beim Auflegen der Rohteile erfolgt automatisch eine Plausibilitätskontrolle, sodass Fehler nahezu ausgeschlossen sind. Die Glasleistenfertigung einschließlich der Gehrungsschnitt ist auf der Anlage integriert. Reicherter fertigt neben verschiedensten Holz- und Holzalufenstern auf dem Bearbeitungszentrum diverse Sonderformen, u. a. Hebeschiebtüren, Raumteiler und Pfosten-Riegel-Konstruktionen. Auf dem Konsolentisch links neben der Maschine werden zudem Haustüren produziert. Das Umrüsten auf Flächenbearbeitung dauert eine halbe Stunde. Die Programmierung der Vollblatttüren übernahm Reicherter nach einer WoodWop-Schulung selbst. Ansonsten wurde die Maschine von Homag komplett programmiert und im Werk in Schopfloch sowie vor Ort in Reutlingen eingefahren.

Die Prüller-Ecke zu fertigen dauert recht lang: 24 Minuten für ein Holzfenster (acht Teile). Jean Reicherter: »Das relativiert sich aber dadurch, dass wir nach der maschinellen Bearbeitung eine Menge Zeit einsparen.« Er selbst ist oft abends noch im Büro, während die Maschine draußen die aufgelegten Teile abarbeitet. Über die Tapio-App bekommt er im Zweifelsfall eine Nachricht aufs Handy, dass etwas nicht stimmt. Bei zehn Stunden Laufzeit kommt Reicherter so auf bis zu 25 Fenster pro Tag. Je nach Eckverbindung und Ausstattung ist das Bearbeitungszentrum in der Lage, auch deutlich mehr Fenster zu produzieren.

Für Jean Reicherter geht die Rechnung der 800 000-Euro-Investition auf. Die neu gewonnene Flexibilität ist nicht nur zukunftssicher, sie geht zudem mit einer deutlichen Personaleinsparung einher, so dass die entsprechenden Mitarbeiter jetzt an anderer Stelle im Betrieb eingesetzt werden können.


dds-Chefredakteur Hans Graffé hat bereits 2014 das erste Mal über die von Schreinermeister Georg Prüller entwickelte »Prüller-Ecke« berichtet. Den Beitrag finden Sie auf dds-online.de – bei Interesse einfach mal reinklicken!


Steckbrief

Anwender: Reicherter Fensterbau GmbH, Reutlingen, www.reicherterfenster.de

Maschine: Homag Group AG, www.homag.com

Werkzeuge: Zuani Deutschland GmbH, www.zuani.de

Fensterbausoftware: Horst Klaes GmbH & Co. KG,
www.klaes.de