Lasergravurmaschine in der Schreinerei Philipp Schnizer

»Ich gebe den Dingen etwas mit«

Philipp Schnizer versieht seine Werke und das, was er verkauft, gerne mit einer Grafik, einem Ornament oder mit dem Familienwappen des Kunden. Dafür hat er in eine Laserschneid- und -gravurmaschine investiert und von seinem Bankraum ein Laserlabor abgetrennt.

Philipp Schnizer legt ein etwa 15 x 10 cm großes Stück Eichenstarkfurnier auf den Auflagetisch seiner Laserschneid- und -gravurmaschine, fährt mithilfe einer Messschablone die Höhe des Tisches per Taster auf die Fokushöhe des Lasers, schließt den Deckel und begibt sich an den Maschinenbildschirm, während ich durch die leicht getönte Scheibe in die Maschine hineinschaue. Innerhalb von vielleicht 30 Sekunden hat der Laser die drei Buchstaben des dds-Logos von der Titelseite unserer Zeitschrift samt eines Balkens für die Unterzeile ausgelasert. In den Balken brennt die Maschine die Unterzeile als Relief, das dauert noch einmal rund zehn Sekunden. Der Tischlermeister öffnet die Klappe und entnimmt das Logo. Auf meinen Reportagebesuch hat er sich offensichtlich gut vorbereitet und überrascht mich noch ein zweites Mal: Wiederum aus Eichenstarkfurnier schneidet er mit seiner Maschine ein ovales Medaillon und brennt in Windeseile die Strichzeichnung meines dds-Autoren-Porträts hinein (siehe Seite 38 Randspalte). Sowohl das Logo als auch das Porträt hat er sich wohl über das Internet besorgt.

Amazon-Shop als zweites Standbein

Jetzt sitzt er am Besprechungstisch in der Ausstellung seiner Schreinerei auf der Schwäbischen Alb in Hohenstein und zeigt ein Schneidbrett, das er, wie andere nützliche oder hübsche Dinge, als ein jetzt ganz neues zweites Standbein über Amazon vertreibt. Das Schneidbrett hat er auf der eigenen CNC gefräst und mithilfe seiner Laserschneid- und -Gravurmaschine mit nützlichen Informationen zum Kochen versehen. Etwa mit Gewichtsangaben für Lebensmittel, Größenskalen in Zentimeter und Inch oder für den Pizzabäcker konzentrische Durchmesservorgaben. Zum Programm gehören weiterhin Wechselgeldteller aus Holz oder Schlüsselanhänger mit Aufdruck. Das Holzmedaillon mit Porträtfoto und wirklich individualisierte Gegenstände lassen sich jedoch nicht über Amazon abwickeln, dazu muss sich der Kunde direkt an Philipp Schnizer wenden.

Der Schreiner hat seine Lasermaschine jedoch nicht nur gekauft, um dekorative Gegenstände herzustellen, sondern um den Produkten, die er in seiner Schreinerei anfertigt, einen ganz persönlichen Stempel zu verleihen, etwa mit seiner Unterschrift als Emblem oder einem Motiv des Kunden. Philipp Schnizer sagt: »Ich gebe den Dingen gerne etwas mit, eine Grafik, ein Ornament oder das Familienwappen meines Kunden auf dem Möbelknopf. Das lässt sich mit der Lasermaschine prima realisieren.« Dabei beschränkt er sich nicht nur auf die selbst gefertigten Dinge. Die Ausstellung zeigt beispielsweise zugekaufte Altholz-Wandvertäfelungselemente mit individuellen, tief eingelaserten Schriftzügen (siehe Seite 38, oben links). Die Maschine sorgt nicht nur für die persönliche Note, sie beherrscht auch handwerkliche Akrobatik, wie das Schneiden und Einlassen von Intarsien.

Philipp Schnizer führt die 1960 gegründete Möbelschreinerei seit 2014 alleine. Mit einem CNC-Bearbeitungszentrum, einer Kantenanleim- und einer Breitbandschleifmaschine ist die 1000 m² große Werkstatt recht großzügig ausgestattet. Der Schreinermeister beschäftigt einen Gesellen. Zu den Kunden gehören Privathaushalte, Hotel- und Gastronomiebetriebe oder Gewerbebetriebe, die Büros und Konferenzräume CI-gerecht einrichten möchten. Philipp Schnizer hat sich auf die Fahne geschrieben, persönliche Räume zu schaffen, in denen Entwicklung und Inspiration möglich ist.

Laserlabor hinter der Glaswand

Seit Sommer letzten Jahres steht nun die Laserschneid- und -gravurmaschine »Speedy 300 Flexx« von Trotec in der Werkstatt, und zwar staubgeschützt in einem eigens dafür mit einer Glaswand vom Bankraum abgetrennten Bereich. Er mutet an wie ein Labor. Berge von Musterstücken in verschiedensten Varianten verraten, wie intensiv sich Philipp Schnizer mit seiner Maschine befasst und die Wiedergabe von Bildmotiven optimiert oder Reliefs mit möglichst wenig Brandspuren erzeugt. »Das meiste bekomme ich nur durch Probieren heraus. Einige Hölzer lassen sich ohne Brandspuren schneiden, andere nicht«, sagt Philipp Schnizer. Ihn treibt nicht nur das Alleinstellungsmerkmal durch ein einzigartiges Produkt an, sondern auch die Begeisterung für die Technik, die in sekundenschnelle hochpräzise Konturen und Reliefs erzeugt. Seine Maschine füttert er mit Dateien im DXF-, DWG-, PDF- oder EPS-Format. Für die Erstellung von Konturen und Grafiken und zur Bildbearbeitung verwendet er Programme wie Coral Draw, Vectorworks oder ACDSee. Die Größenordnung der Gesamtinvestition liegt bei rund 70 000 Euro. Die Arbeitsfläche ist 726 x 432 mm groß. Das Werkstück darf maximal 200 mm hoch sein. Die Maschine arbeitet auf 5 μm genau und ist mit zwei verschiedenen Laserquellen ausgestattet: einen CO2-Laser für Nichtmetalle und einen 20-W-Faserlaser für Metalle. Je nach gewählter Leistung lässt sich der Laser zum Trennen oder Gravieren einsetzen.

Eichenparkett mit Corian-Intarsien

Aktuell arbeitet Philipp Schnizer an weißen Corian-Intarsien für einen Parkettboden. Mit Experimenten haben er und der Parkettleger herausgefunden, wie die Parameter einzustellen sind, damit die Passung leichtgängig aber dennoch stramm sitzt. Die weißen Intarsien zeigen am Ende jeweils eine Lilienblüte und für Eichenholz typische große Poren. Die Porenstruktur hat er von einer furnierten, schwarz gebeizten und dann gekälkten Platte gewonnen und über Bildbearbeitungssoftware in die Steuerung der Lasermaschine gebracht (siehe Bilder oben).

Gut angelaufen

Philipp Schnizer sagt: »Die Technik ist bei mir gut angelaufen und funktioniert so, wie ich mir das vorstelle. Inzwischen kommen auch die entsprechenden Aufträge wie die Parkettintarsie herein. Auch über die Amazon-Umsätze kann ich nicht klagen. In meinem Labor verbringe ich viel Zeit und bin stets auf der Suche nach weiteren Anwendungen. Gerne biete ich auch meinen Kollegen Laserdienste an.


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte Philipp Schnizer in seinem Labor, seiner Werkstatt und seiner Ausstellung. Auch ihn fasziniert die Lasertechnik mit einem in der Tragweite noch gar nicht abschätzbaren Potenzial.


Kontakt

Anwender: Schnizer GmbH
72531 Hohenstein
www.schnizer.de

Laserzuschnitt-und Gravurmaschine: Trotec Laser GmbH, A 4614 Marchtrenk, www.troteclaser.com/de