Ausstattungen für Hubtische: Ausstattungen und Anbieter

Was Hubtische alles können

Lediglich höhenverstellbare Transportmittel oder Ablagen der Luxusklasse? Mit entsprechender Ausstattung bieten Hubtische viel mehr. Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern, hat sich auf der diesjährigen Holz-Handwerk beeindrucken lassen.

Scherenhubtische gibt es viele, doch branchengerechte Aufbauten dafür haben nur vier Firmen entwickelt: Barth, Ruwi, Einemann, Beck (Bild 2 bis 5). Dazu gehören Arbeitsplatten, Auflageschienen, Spannelemente und weitere Hilfsmittel.

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2 Barth: Große beschichtete Platte und Vakuumeinrichtung

 

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3 Ruwi: Drei Handgriffe – doppelte Arbeitsfläche

 

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4 Einemann: Hobelbank 4.0 mit Stromanschluss und Vakuum

 

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5 Beck: Rasterplatte rundum mit versenkbaren Anschlagschienen

 

Arbeitsplatten. Alle Hersteller bieten Arbeitsplatten mit und ohne Rasterbohrungen an. Zusätzlich führt Ruwi eine Variante mit T-Nuten im Sortiment. Die Schlitze sind oben 8 und unten 30 mm breit und so tief, dass der T-Zapfen der Spanner und Anbauelemente nicht nach unten übersteht. Während Ruwi das Bohrraster mit 96 mm Abstand aus dem 32er-System hergeleitet hat, setzen die anderen auf ein 100-mm-Raster. Die Durchgangslöcher haben 20 mm (Beck, Einemann, Ruwi) oder 22 mm Durchmesser (Barth, Beck, Bild 6). Gegen den Einemann-Tisch mit umlaufender Zarge, Vorderzange, Bankknecht, Steckdosen und Druckluftanschluss muten die anderen geradezu zierlich an. Mit wenigen Handgriffen lassen sich alle Tische vergrößern, bei Barth durch Längs- und Querauszüge in der Länge und in der Breite jeweils um 1100 mm. Beck setzt Längsauszüge ein (Bild 7 bis 9). Einemann löst das mit zwei Gleitlager-Rundstahlführungen, die zusätzliche Rasterplatten aufnehmen. So lässt sich die Fläche um 500 mm je Seite verlängern (Bild 10 und 11). Auf den ersten Blick hat man den Eindruck, dass bei Ruwi drei Arbeitsplatten aufeinanderliegen. Doch es sind lediglich zwei gleich große Arbeitsflächen auf einer Siebdruckplatte, die fest mit dem Untergestell verbunden ist. Bolzen und Drehpunkte erlauben es, mit wenigen Handgriffen die beiden Deckplatten um 90° zu verdrehen, nebeneinanderzulegen und so die Arbeitsfläche zu verdoppeln. Ein schlanker Schubkasten bietet Stauraum für Auflagen und sonstige Anbauteile. Außerdem bietet Ruwi ein Ordnungspaneel an (Bild 12 und 13).

Auflageschienen. Empfindliche Oberflächen dürfen nicht beschädigt werden, aufgelegte Materialien sollen nicht rutschen, austretender Leim muss leicht zu entfernen sein, die Position der Auflage muss auf dem Tisch schnell und intuitiv veränderbar und während der Nutzung sicher fixiert sein. Außerdem sollten die Verschleißteile vom Schreiner selbst hergestellt werden können. Die Anbieter haben sich ins Zeug gelegt und praxistaugliche Systeme entwickelt, die den meisten Forderungen standhalten.

Die Tische passen sich an

Barth hat ein stabiles Aluprofil entwickelt, das als Träger unterschiedlicher Auflageleisten dient. Ersatz und Ergänzungen kann der Schreiner oder Tischler zukaufen oder selber bauen (Bild 14 und 15). Neben seinen stählernen Querauszugschienen (Auszug 1000 bis 1900 mm) mit Filzauflage bietet Beck 1200 mm lange Auflageschienen aus quadratischem Stahlrohr mit auswechselbaren Auflagen. Beck liefert diese als 20 mm dicke Multiplexstreifen, die mit 5 mm dickem Antirutschgummi beschichtet sind und mit dem Stahlrohr verschraubt werden. Die einfache Verbindung ermöglicht es dem Schreiner und Tischler, eigene Auflagen, seinen Erfordernissen angepasst, selber herzustellen.

Einen ganz eigenen Weg beschreitet Einemann: Die Auflageschienen sind auf dem Grundgestell des Hubtisches montiert und tragen, nur wenn erforderlich, die im Hubtisch gelagerten Rasterplatten. Das hat den Vorteil, dass die Auflageschienen wie übliche Blöcke zu handhaben sind, da sie ohne die Arbeitsplatte viel Freiraum bieten.

Die mit dem Untergestell fest verbundenen Halteleisten aus Buche-Multiplex haben seitlich durchgehende Nuten. Ein Aluminiumprofil, das die eigentliche Auflageleiste trägt, greift in diese Nuten und lässt sich bis etwa 500 mm zur Seite herausziehen. So ergibt sich mit zwei nebeneinanderliegenden Auflagen bei wechselseitigem Auszug eine Auflagelänge von 1900 mm. Angenehm sind die an vier Positionen eingebauten Rastfunktionen, die ein schnelles und gleiches Einstellen der Auszuglänge erleichtern. Die mit dem Aluminiumprofil verschraubte Auflageleiste hat auf der Oberseite eine 15 mm breite Nut, die mit einem überstehenden Gummi ausgefüllt ist. Rechts und links des Gummis fallen die Leistenflächen im Winkel von etwa 15° ab. Werkstücke haben dadurch Kontakt mit dem Gummi, jedoch nicht mit den Auflageleisten. So können auch empfindliche Oberflächen rutschsicher aufgelegt werden (Bild 16 und 17). Ruwi setzt bei seinen 1,20 m langen Auflageschienen auf (s)ein bewährtes Aluminium-Systemprofil mit einer T-Nut an jeder Längsseite. An der Oberseite ist ein 40 mm breiter Multiplexstreifen mit oder ohne Antirutschgummi befestigt. Liegt ein Werkstück auf dieser Gummifläche, ist der Reibwiderstand so hoch, dass man den Eindruck hat, es würde durch ein Vakuum gehalten. Auch bei dieser Schienenkonstruktion sind vom Schreiner oder Tischler selbst gefertigte Auflagen einfach zu installieren (Bild 18).

Die Systemprofile werden mit zwei Exzenterspannern am Tisch geklemmt. Diese von Ruwi entwickelten Spannelemente sind stabile Metallwinkel, die am unteren Schenkel einen speziellen Zapfen haben. Beim Herunterdrücken des Exzenterhebels weitet er sich auf und verspannt sich sicher im Bohrloch. Am anderen Schenkel ist in Höhe der Profilnut eine angegossene, abgewinkelte Feder.

Sollen Werkstücke auf den Auflagen leicht zu verschieben sein, ist der hohe Reibwiderstand der Gummibeschichtung unerwünscht. Hier hat Ruwi in Zusammenarbeit mit der FH Rosenheim eine Polyäthylenschiene entwickelt, die diese Forderung erfüllt und darüber hinaus auch schmutz- und leimabweisend ist. Die gegenüber der Klemmseite am Systemprofil befestigte PE-Schiene liegt mit ihrer Auflagefläche unterhalb der Gummischicht. Wird sie benötigt, wird sie mit leichtem Druck nach vorn über ein schräges Langloch hochgeschoben und mit einer Rändelschraube geklemmt. So sind zwei unterschiedliche Auflageflächen ständig einsatzbereit (Bild 19).

Zwingen. Längst haben sich die Hersteller von Schraubzwingen darauf eingerichtet, ihre Produkte zum Spannen auf Rasterplatten zu nutzen. Der untere Spannarm wird durch einen Zapfen mit 20 oder 22 mm Durchmesser ersetzt, der, in die Tischbohrungen eingesteckt, beim Spannen gegen ein Werkstück verkantet. Diese Art der vertikalspannenden Schraubzwinge wird von jedem Hersteller angeboten, doch nur Einemann und Ruwi bieten sie auch als Hebelzwinge, die oft auch als Maschinenzwinge bezeichnet wird, an. Grundsätzlich ist deren Einsatz jedoch auf jedem Rastertisch möglich. Lediglich Beck bietet eine horizontal wirkende Schraubzwinge an, deren Griff sich jedoch nur gut greifen lässt, wenn er über die Tischplatte hinausragt (Bild 20 und 21).

Zwingen im Tisch verankert

Die Firma Einemann, die auch eine vollwertige, einfach auszuwechselnde Vorderzange für ihre Montagetische anbietet, hat durch Bohrungen in der hohen umlaufenden Zarge weitere Möglichkeiten, Zwingen einzusetzen. Es ist möglich, durchgehende oder einzelne Widerlager an der Frontseite einzustecken, die als Bankknecht fungieren und darauf abgestellte Werkstücke mit Zwingen (Ausladung 180 mm) zu halten. Ein echter Mehrwert bei der Bearbeitung von Schmalflächen (Bild 22).

Getriebe- und Spindelspanner. Beck und Barth bieten horizontale Getriebespanner mit selbsthemmendem, horizontal zu drehendem Kurbelarm an. Je nach Ausführung drücken sie mit bis zu 200 kg (150 mm Hub) und 1000 kg (155 mm Hub) (Bild 23). Zwei unterschiedliche Systeme setzt Beck ein: einen Schnellspanner mit Winkelgetriebe, dessen 40 mm dicke Kolbenstange (130 mm Hub) ebenfalls durch eine horizontale Kurbel ihren Vortrieb erhält. Mit ihm lassen sich, ebenfalls mit sehr geringem Kraftaufwand, 1400 kg Andruck erzeugen (Bild 24).

Die zweite Ausführung eines Horizontalspanners hat eine Gewindespindel mit Schnellverstellung. Die zwei Bolzen des Spannergehäuses werden in die Tischplatte gesteckt und die Druckplatte am Ende der M-20er-Gewindespindel gegen das Werkstück geschoben. In dieser Position wird sie über einen kräftigen Handhebel arretiert und lässt sich nun mittels Rändelschraube oder, für sehr hohe Kräfte, mit einer Ratsche mit der nötigen Spannkraft versorgen.

Beck setzt Steckbolzen mit Bajonettverschluss ein. Sie haben einen geringeren Durchmesser als das Bohrloch und nur am unteren Ende eine Scheibe im Durchmesser des Bohrlochs. Die dadurch entstehende Nase greift unter die Arbeitstischplatte und sichert den Spanner gegen Herausrutschen.

Kniehebel- und Exzenterspanner. Barth hat lediglich Schubstangenspanner im Programm und Beck bietet gar keine Kniehebelspanner an. Wer nicht darauf verzichten möchte, kann die Spanner von Ruwi einsetzen, so wie es auch Einemann macht.

Ruwi setzt ausschließlich die neuen Kniehebelspanner mit Dickenausgleich ein. Sie gleichen beim Spannen von Werkstücken Dickenunterschiede bis zu 40 mm aus, ohne dabei Spannkraft einzubüßen. So entfällt lästiges Unterbauen der Kniehebelspanner mit Distanzhölzern. Doch auch hierfür bietet Ruwi eine Lösung: Der Kniehebelspanner wird mit entsprechender Unterlage auf einen Metallteller geschraubt, der von zwei Exzenterspannern in den Tischbohrungen fixiert wird. Segmentförmige Langschlitze im Metallteller erlauben das Verdrehen und damit die exakte Ausrichtung der Kniehebelspanner (Bild 25).

Ein wahres Multitalent

Beim Exzenterspanner von Ruwi ist auf die breite Fläche einer Stahlschiene mit Langschlitz an einem Ende ein Stahlzylinder mit 30 mm Durchmesser als Drehlager montiert. Auf dieses wird ein PE-Exzenterhebel mit entsprechender Bohrung gesteckt. Zum Fixieren der Schiene ist im Langschlitz ein Ruwi-Exzenterspanner mit Klemmbolzen verschiebbar angebracht. Der PE-Exzenterhebel wird ans Werkstück herangeführt und die Schiene geklemmt. Der Spanner ist einsatzbereit (Bild 26).

Widerlager. Die beim Spannen auftretenden Kräfte werden von Widerlagern aufgenommen, deren Formen und Ausführungen sehr unterschiedlich sind. Sie reichen von schweren geschweißten Stahlwinkeln über kubische, hölzerne oder stählerne Quader bis hin zu einseitig abgeflachten PE-Rundstäben (Beck) und mit Rändelschrauben fein einstellbaren Stahlwinkeln (Ruwi, Bild 27). Beck bietet in der Höhe verstellbare Stahlschienen an, die umlaufend an der Arbeitsplatte befestigt sind. Nach dem Lösen zweier Klemmhebel lassen sich die Schienen heben oder absenken und als Anschläge nutzen.

Korpus- und Rahmenmontage. Einemann bietet eine gute Lösung für die Korpusmontage auf Rasterplatten: 100 mm breite Multiplexwinkel, die einen waagerechten Schenkel mit 250 mm und einen senkrechten Schenkel mit 400 mm Länge haben. Der waagerechte Schenkel hat an der Unterseite einen Stahlstreifen mit zwei Bolzen, durch die er verdrehsicher auf der Platte ausgerichtet wird. Einer der Bolzen wird mittels Inbusschlüssel durch eine Bohrung von oben verdreht und spannt, da er exzentrisch gelagert ist, den Winkel mit nur einem Handgriff. Korpusmontage im Einmannbetrieb ist jetzt problemlos möglich.

Vakuum. Bis auf Ruwi bieten alle Hersteller Vakuumeinheiten für ihre Montagetische. Massive Rundstahlwellen halten an Kreuzgelenken unterschiedlichste Saugteller, die sich mitsamt der Welle unter den Arbeitsbereich schwenken lassen. Statt eines Vakuumsaugers bieten die Firmen Barth und Beck auch die Möglichkeit, einen Schraubstock einzusetzen, wobei Barth auf eine recht schwere Ausführung setzt.

Schöne Aussichten …

Die Vielfalt der Möglichkeiten und die Unterschiede in den Ausführungen von Scherenhubtischen und ihren Ausstattungen haben mich erstaunt und begeistert. Vieles ließe sich vom Schreiner und Tischler selber fertigen, doch ob das immer sinnvoll ist, bleibt fraglich. Erfreulich ist, dass die meisten Elemente unabhängig vom Hersteller des Rastertisches flexibel wie bei einem Baukastensystem eingesetzt werden können. Scherenhubtische sind zwar eine sehr angenehme und rückenschonende Einrichtung, doch reichten (zum Start) für viele Arbeitsplätze vier stabile Tischbeine, auf denen die Rasterplatten befestigt werden. Schöne Aussichten …


Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern, berichtet in dds immer wieder über Technik für Tischler und Schreiner. Auf der Holz-Handwerk befasste er sich mit Hubtischen.


Willi Brokbals

Fachlehrer an der Meisterschule Ebern

»Allein eine Rasterplatte und vier Tischbeine verbesserten schon so manchen Arbeitsplatz merklich.«