»Holzhandwerk – sonst nichts!«

Die Werkzeugschmiede Mafell aus Oberndorf am Neckar will nicht alles können – sondern das, was sie macht, dafür richtig gut. Dabei hilft der absolute Fokus auf Werkzeuge für Zimmerer, Tischler und Schreiner.

Das Gespräch führte dds-Redakteur Hubert Neumann

Nach einer Führung durch die Fertigung und die Entwicklungslabors bei Mafell in Oberndorf trafen sich dds-Redakteur Hubert Neumann und der Chef der Mafell AG, Matthias Krauss, zum dds-Interview. Ein Gespräch über die Fokussierung auf den Werkstoff Holz, Werkzeuge »made in Germany«, die tatsächlich in Deutschland gefertigt werden, und die Freude über die Rolle als David unter großen Konzernen.
Herr Krauss, 2016 sind es 90 Jahre, dass sich Mafell mit Werkzeugen für die Holzbearbeitung beschäftigt. Wie kam es dazu?
Matthias Krauss: Die Entwicklung des weltweit ersten tragbaren Elektrowerkzeugs für den Zimmerer ging nicht von heute auf morgen, das hat Jahre in Anspruch genommen. 1899 wurde Mafell gegründet. Und 1926, also vor 90 Jahren, kam der Kettenstemmer ausgereift auf den Markt. Und seitdem sind wir dem Holz immer verbunden geblieben!
Mafell gilt als Weltmarktführer bei den Zimmerern. Die gibt es doch nur in Deutschland und den Alpenländern. Was stimmt nun?
Das, was der Zimmerer an Handmaschinen braucht, beginnend bei den Handkreissägen über spezielle Bandsägen, Hobel in allen Dimensionen bis zum Stemmer – wir sind das einzige Unternehmen, das alle (handgeführten) Werkzeuge den Holzbearbeitern weltweit liefern kann. Es gibt den Zimmerer in den USA, in Australien, in Skandinavien so nicht wie in Deutschland. Aber auch den Schreiner/Tischler so nicht – es gibt den Holzbauer, der Treppen macht, der Küchen oder Schreibtische fertigt oder der Häuser baut. Die werden bedient und wissen, was sie an Mafell haben. Wir sind Weltmarktführer für die Anwendungen in den Holzdimensionen für den klassischen Zimmermann!
Sie legen inzwischen stärker den Fokus auf Schreiner und Tischler. Liegt das an den CNC-Abbundzentren und dem Wandel des Holzbaus?
Die Veränderungen durch die CNC wirken sich auf den Abbund aus. Doch es ist nicht so, dass wir uns bisher nicht um den Schreiner gekümmert hätten. Nehmen Sie das Beispiel Unterflurzugsäge »Erika« – 35 Jahre im Markt! Ein klassisches Produkt für den Tischler/Schreiner und Innenausbauer. Nehmen sie die Kappschienensäge – seit 25 Jahren perfekt für das Verlegen von Holzböden oder Holzdecken. Oder die »P1«, die Stichsäge die konstruktionsbedingt rechtwinklig sägt. Vielleicht haben wir das zu wenig bekannt gemacht. Die Erfindungen von Mafell zumindest sind Begriffe, die jeder Schreiner kennt.
Das Kappschienensystem habe ich vor einem Jahr erstmalig angewendet – überzeugend. Festool ist nun auch an dieser Sägegattung dran.
Nicht dran, sie sind da. Der Vorteil dabei ist, dass der Sägentypus noch stärker ins Bewusstsein der Anwender kommt. Natürlich wäre es mir lieber, wir wären alleine. Aber gut, wir sind es gewohnt, dass unsere Entwicklungen aufgegriffen werden – nach 25 Jahren im Markt läuft ein Patent aus.
Wie gehen Sie damit um?
Das ist Wettbewerb. Wir kennen es von der »Erika«, deren Sägeprinzip vielfach kopiert wird – wir haben danach die nächste Produktgeneration erfunden! Oft gegen Widerstände, weil es neues Denken in der Anwendung verlangt. Es sind Dinge, die der Handwerker bis dato nicht hatte und dann: »Wow! – Warum musste ich das bisher umständlich machen?« Bautischler, die bei jedem einzelnen Parkettstück aufstanden und zum Ablängen zur Säge marschierten, freuen sich über unsere Akku-Kappschienensägen. Damit geht der Schnitt zackig vor Ort am Werkstück um ein Vielfaches schneller!
Wie lässt es sich erklären, dass ein relativ kleines Unternehmen viel Neues für die Branche entwickelt?
Zuerst einmal ist es immer wieder die einfache Frage: Wie kann man etwas besser machen? Es geht um Leidenschaft, um Begeisterungsfähigkeit für neue Anwendungen. Gute Marketingsprüche helfen da glücklicherweise wenig. Es braucht Fingerspitzengefühl und eine unwahrscheinliche Nähe zum Handwerker, der mit Holz arbeitet. 90 Jahre Erfahrung mit Holz – wir haben den Werkstoff nie verlassen! Es hilft unsere flache Hierarchie bei 300 Mitarbeitern. Jeder kennt die Stärken des anderen. Dann ist es die enorme Fertigungstiefe von etwa 85 Prozent an nur einem Standort, die extrem flexibel aufgestellt ist, wie Sie beim Rundgang durch die Produktion sehen konnten.
Was zeichnet Ihre Werkzeuge aus?
Es ist die absolute Marktnähe – wir entwickeln am exakten Bedarf unserer Tischler, Schreiner und Zimmerer. Wir müssen Werkzeuge nicht für alle möglichen Gewerke optimieren. Wenn ich einen Tag lang akkurat Schnitt um Schnitt ausführen will, bedarf es einer extrem leistungsfähigen Säge, die zudem leicht und ausbalanciert in der Hand liegen muss. Maximale Leistung liefert ein Motor, in dem ganz viel Kupfer verbaut wurde. Kupfer ist schwer und teuer, doch daran wollen wir nicht sparen. Gewicht sparen wir an anderen Bauteilen, wie dem Gehäuse. Für uns ist Magnesiumdruckguss schon seit 50 Jahren ein Standardwerkstoff, hochstabil und superleicht im Vergleich zum üblichen Stahl oder Aluminium. Bei größeren Produkten sind das gleich mal 1 bis 2 kg Unterschied, die den Arm weniger belasten. Deshalb bieten wir am Markt das beste Verhältnis von Leistung pro Gewicht. Die Kombination kostet Geld, liefert dafür aber echten Anwenderkomfort!
Die Säge als Kernprodukt?
Als Einzige im Handkreissägenbereich bieten wir eine Bandbreite beginnend bei 40 mm Schnitttiefe über 55, 65, 85, 130, 145, 160 hoch bis 185 mm. Das finden Sie weltweit nirgends!
Weshalb benötige ich eine so differenzierte Bandbreite?
Da können Sie jede erfolgreiche Autofirma anschauen, da gibt es von der A- bis zur S-Klasse alles, jeweils als Coupé, SUV oder Cabrio – weil sie verschiedene Kunden haben, mit verschiedenen Anwendungen und Ansprüchen. Wir haben einen gleich hohen Anspruch bei unterschiedlichen Anwendungen. Dementsprechend sind die Produkte von uns optimiert. Bei Bodenbelagsarbeiten oder viel Montagetätigkeiten passen die leichten 40er-, 55er- oder 60er-Varianten. Bei größeren Dimensionen sind es die 85er, 130er bis zur 185er im Sparrenbereich.
Erst seit wenigen Jahren bieten Sie ernsthaft Akkutechnik an.
Die Dynamik in der gesamten Akkutechnologie ist aktuell immens! Wir bringen Produkte erst dann auf den Markt, wenn sie ausgereift sind! Es darf nie passieren, dass ein Kunde Mafell kauft und dann enttäuscht ist. Die Performance, die eine netzgebundene Säge liefert, muss eine Akkusäge auch bieten. Beispielsweise bei der Hochstromfestigkeit. Mit unseren Partnern, die einen klasse Job mit der Entwicklung der Akkutechnik machen, sind wir inzwischen perfekt aufgestellt! Die Grundvoraussetzung guten Holzhandwerks bleibt der gerade Schnitt! Das macht Freude – ich mache einen Schnitt und der passt! Das vergessen wir nicht bei den ganzen Akkuentwicklungen. Den Endkunden interessiert nicht, ob die Qualität seines Innenausbaus akku- oder netzbetrieben entstanden ist – er erwartet perfekte Qualität. Und wir bieten unseren Handwerkern perfekte Qualität – als Netz- und Akkugerät.

Steckbrief

Matthias Krauss ist seit 2001 Vorstandsvorsitzender der Mafell AG. Das Unternehmen produziert mit 300 Mitarbeitern ausschließlich am Standort Oberndorf/Neckar.