Holz bürsten leicht gemacht

Gebürstet, gehobelt und gehackt

Haptisch erlebbare Materialien sind im Trend. Was braucht man, um selbst solche Oberflächen herzustellen? Tischlermeister Stefan Böning hat sich für dds schlau gemacht.

Stefan Böning, Tischlermeister

Altholz-, Spaltholz- gehackte und gebürstete Oberflächen erleben derzeit ihr großes Comeback. Sie setzen die Akzente im heute überwiegend geradlinig und reduzierten Möbel- und Innenausbau. Wer als Tischler, Ladenbauer oder Bauschreiner gebürstete Oberflächen anbieten kann, hat gute Chancen auf lukrative Aufträge.
Die Technik zum Holz bürsten ist einfach: rotierende Bürstenköpfe lösen die weicheren Holzbestandteile aus der Oberfläche. Die harten widerstandsfähigen Bestandteile bleiben und bilden eine der Struktur des Holzes entsprechende dreidimensionale Oberfläche. Auch MDF und furnierte Werkstoffe können so bearbeitet werden. Jedoch sollten bei gerbsäurehaltigen Hölzern, wie z. B. Eiche, nur eisenfreie Bürsten zum Einsatz kommen. Das maschinelle Bürsten von Holzoberflächen wurde in den Siebzigern entwickelt. Es werden sowohl Hand- als auch Stationärmaschinen eingesetzt.
Maschinen zum Holz bürsten werden von Makita, Festool und dem Bürstspezialisten Braun angeboten. Stationäre Maschinen sind von Braun, Hog und Holzkraft erhältlich. Auch einige Breitbandschleifmaschinen sind mit zusätzlichen Bürstaggregaten ausrüstbar. In wieweit dies bei bestehenden oder neuen Anlagen möglich ist, sollte beim jeweiligem Hersteller erfragt werden.
Holz bürsten mit Handmaschinen
Der Bürstenschleifer »9741«, der von Makita angeboten wird, hat reichlich Anwender. Er ist mit einem 860-W-Motor ausgerüstet und hat eine Arbeitsbreite von 120 mm. Für diese Maschine sind unterschiedliche Bürsten erhältlich, die sich einfach austauschen lassen. Die Maschine ist für Weichholz gut einsetzbar, jedoch für die dauerhafte Bearbeitung von Hartholz etwas schwach ausgelegt. Eine Drehzahlanpassung ist leider nicht möglich. Durch das geringe Gewicht und die Bauform ist diese Maschine sehr handlich.
Die Handbürstmaschine »Rustika« der Firma Braun ist mit einem 1800-W- Motor ausstattet. Hier ist die Motordrehzahl regelbar. Ein Untersetzungsgetriebe sorgt für ein ordentliches Drehmoment. So sind bei der größten Arbeitsbreite auch sehr harte Hölzer kein Problem. Die Arbeitsbreite von 130 mm ist in neun Bürstensegmente unterteilt. Je nach gewünschter Oberflächenstruktur sind verschiedenste Bürstentypen erhältlich. Hier hat Braun das breiteste Angebot an Bürstsegmenten und mit einem Gewicht von 7,9 kg die schwerste Handmaschine am Markt.
Festool hat mit dem »Rustofix« auch eine Handbürstmaschine im Angebot. Ein 1500-W-Motor sorgt bei der im Vergleich geringsten Bearbeitungsbreite von 85 mm für ordentlichen Materialabtrag. Nützlich ist die Möglichkeit zur Drehzahlanpassung. Das Bürstensortiment von Festool ist zum Strukturieren, Zwischenschleifen und Glätten ausgelegt. Für jeden Arbeitsgang kann die passende Bürste eingesetzt werden. Es ist eine Bürste aus Litzenstahldraht für Hartholz oder für besonders tiefe Strukturen in Weichholz verfügbar. Schleifnylonbürsten aus Kunststoff mit eingebettetem Schleifkorn für Weichholz oder zum Glätten der Hartholzstruktur und Sisalbürsten zum Glätten und Reinigen sind zu bekommen. Als einzige Maschine hat sie zwei Bürsten im Lieferumfang bereits enthalten.
Mit dem Elektrohobel »HL 850« von Festool lassen sich ebenfalls handwerklich Charakteroberflächen herstellen. Verschiedene Hobelköpfe sind erhältlich. So kann zwischen »Rustikal-Fein«, »Rustikal-Grob« und einem »Rustikal«-Hobelkopf gewählt werden. Durch einen punktuellen, ungleichmäßigen Einsatz der Hobelköpfe lassen sich Flächen mit einer behauenen oder gehackten Optik nachahmen. Die entstandenen Oberflächen können im Nachgang gebürstet werden. So wird die Fläche noch individueller.
Holz bürsten mit stationären Maschinen
Für den Einstieg in das maschinelle Bürsten mit Stationärmaschinen bietet Holzkraft die »BWSM 480« an. Diese Maschine ist eigentlich eine Walzenschleifmaschine, die zu einer Bürstenschleifmaschine umgerüstet werden kann. Der Umbau der Schleifmaschine zu einer Bürstmaschine nimmt laut Hersteller 20 Minuten in Anspruch. Die Maschine hat eine Bearbeitungsbreite von 480 mm, ist aber so konzipiert, dass eine maximale Bearbeitungsbreite von 960 mm erreicht werden kann. Interessant ist sie für den Einstieg oder für kleinere Betriebe. Mit den Modellen »BM 300« und »BM 600« bietet Holzkraft Maschinen mit den Bearbeitungsbreiten 300 mm und 600 mm an. Optional ist für diese Baureihe auch eine seitliche Bürsteneinheit erhältlich.
Braun ist einer der Pioniere auf dem Gebiet des maschinellen Bürstens und hat mehrere stationäre Maschinen im Angebot. Die Einsteigermodelle »Rustika 300« und »Rustika 600« werden mit einer Arbeitsbreite von 300 bzw. 600 mm angeboten. Die Maschinen werden nach Wunsch mit einem oder zwei Aggregaten, Drehzahlregulierung, Rechts-/ Linkslauf und Oszillation ausgerüstet.
Bei der »Rustika 1200 LN« kann zwischen einem und vier Aggregaten ausgewählt werden. Sie hat eine Arbeitsbreite von 600 mm und kann durch ihre offene Bauweise Breiten bis 1200 mm bearbeiten. Die optionale Oszillation verhindert die Streifenbildung bei der beidseitigen Bearbeitung, sowie beim Strukturieren von Rahmen mit Querstücken. Auch eine Durchlasshöhe von bis zu 400 mm und ein schwenkbares Kantenbürstaggregat können optional geordert werden. Zubehör zum Vertreiben und Polieren von Ölen und Wachsen, zum Ausbürsten von Kalk und Beizen, zum Lackzwischenschliff auf strukturierten Oberflächen und zum Schwabbeln polierter Flächen ist erhältlich.
Eine weitere Möglichkeit, Struktur in Holzoberflächen zu bringen, bietet die Firma Hog aus Österreich allen, die noch eine Langbandschleifmaschine nutzen. Für diesen Maschinentyp wird das schwenkbare Bürstgerät »LaBrosse« angeboten, das anstelle des Schleifschuhes montiert wird. So kann die Langbandschleifmaschine zum Strukturieren, Polieren und Glätten eingesetzt werden. Außerdem bieten Hog Schleifkornbürsten für die Tischfräse und für Breitbandschleifmaschinen an.
Auch mehrere Stationärmaschinen zum Holz bürsten werden von Hog angeboten. Die Maschinen »BM 600« und »BM 650« sind mit jeweils zwei Bürstenwellen ausgerüstet und haben eine Bearbeitungsbreite von 600 mm. Die Maschinen »BM 650 Sonder 3« und »BM 650 Sonder 4« verfügen über die gleiche Bearbeitungsbreite, können aber optional aufgewertet werden. Für Altholz mit ständig wechselnden Holzdicken bis zu 80 mm ist die »BM 650 B« geeignet. Sie ist so konzipiert, das die Bürsten bei wechselnden Materialstärken nicht beschädigt werden. Mit einer Bearbeitungsbreite von 1350 mm bietet Hog eine Industriebürstmaschine an. Sie kann ebenfalls optional angepasst werden.
Nicht verschwiegen werden soll, dass die Kehlmaschinen »Powermat 1200« und »2400« von Weinig neben fräsen und profilieren auch strukturieren können. Die Maschinensoftware steuert die axiale und radiale Bewegung der Spindeln. So können Strukturen per Zufallsgenerator erzeugt werden. Aber auch regelmäßige dreidimensionale Ornamente können an dieser Maschine frei programmiert und gefräst werden. So entstehen in nur einem Durchgang regelmäßig gefräste Ornamente oder zufällige Strukturen wie beim Strukturieren von Hand.