Maschinenwartung mit System

Kur für die Kreissäge

Ein bisschen Pflege tut uns allen gut und erhält unsere Leistungsfähigkeit. Das gilt nicht nur für Menschen. Fachlehrer Willi Brokbals stellt in einer Artikelserie Verjüngungskuren für Tischlereimaschinen vor: Teil 3 die Formatkreissäge.

Eine Kreissäge ist (fast) immer laut. Lärmreduzierte Sägeblätter und angepasste Drehzahlen bewirken meist schon eine hörbare Verringerung des Lärmpegels. Ein Auslöser für erhöhten Lärmpegel kann aber auch der in die Jahre gekommene Keilriemen sein, der unrund in den Riemenscheiben läuft, da er porös geworden, beschädigt ist oder einfach nur zu locker sitzt. Da er sich mit der Zeit abnutzt, rutscht er durch und erzeugt dadurch lautere, manchmal quietschende Geräusche. Das ist gut an den blanken Flanken des Riemens zu erkennen. Kontrollieren Sie auch mit einem Richtscheit, das sie über beide Keilriemenscheiben legen, ob diese in einer Flucht sind.

Prüfen Sie den oder die Keilriemen, wechseln Sie ihn aus oder spannen Sie ihn nach. Für die richtige Riemenspannung gilt folgende Faustregel: Eine Seite des Keilriemens soll sich mittig zwischen den beiden Riemenscheiben um sieben Millimeter bis zu einer Fingerbreite durchdrücken lassen. Sind mehrere Keilriemen verbaut, muss jeder die gleiche Spannung haben. Zum Nachspannen reicht es meistens aus, die Schrauben am Motorflansch zu lösen und sie wieder anzuziehen. Der Motor sackt dadurch ein Stückchen ab und gibt dem Keilriemen die nötige Spannung. Gibt es keine Originalersatzteile mehr für Ihre Maschine, dann durchforsten Sie das Internet nach Lieferanten, die sich auf die entsprechenden Probleme spezialisiert haben.

Absaugung und Reste. Im Laufe der Jahre wächst der Maschinenpark, doch die ehemals für wenige Maschinen ausreichende Absaugung wächst nicht mit. Die Absaugergebnisse an der Kreissäge sind dann nicht mehr zufriedenstellend. Prüfen Sie, ob tatsächlich jeder Bogen in der Absaugleitung erforderlich ist und ob Sie den flexiblen Schlauch kürzen oder besser noch durch feste Verrohrung ersetzen können. Denn jeder Bogen in der Rohrleitung verringert die Absaugleistung. Als besonderer Hemmschuh gilt der flexible Schlauch, da er im Grunde aus vielen kleinen Bögen besteht, die den Luftstrom verwirbeln und bremsen. Vergessen Sie nicht, den flexiblen Schlauch im Maschinenständer zu kontrollieren. Durch Materialalterung und mechanische Beanspruchung kann er Risse bekommen.

Der Absaugschlauch oder das Absaugrohr sollte sich leicht abziehen lassen und/oder eine schnell zu öffnende Revisionsklappe haben, damit sich Reste einfach ausräumen lassen (Bild 2). Ist der Aufwand zu groß, wartet jeder darauf, dass der nächste Maschinennutzer die Reinigung übernimmt. Anfallende Abschnitte lassen sich einfach entsorgen, wenn sie über eine am Ende des Maschinentisches angebrachte Rutsche in einen Abfallcontainer gleiten (Bild 3).

Schiebeschlitten. Es ist einerlei ob man ihn Schiebeschlitten, Besäumschlitten, Rolltisch oder Rollwagen nennt: Einstellungen und Funktionen müssen stimmen. Reinigen Sie die Führungen von anhaftenden Verschmutzungen mit den vom Hersteller angegebenen Mitteln, damit die Gleiteigenschaften wieder optimal sind. Besonders bei älteren Kreissägen wurden Führungen aus Pertinax verbaut, die wesentlich stärker verschleißen als die aktuellen gehärteten Stahlführungen. Die Firma Altendorf liefert noch Ersatz und bietet den Austausch vor Ort an. Ob der Tausch jedoch wirtschaftlich sinnvoll ist, muss im Einzelfall geklärt werden (Bild 4).

Pflegen Sie die Lippen

Besonders bei betagten Kreissägen ist die zum Sägeblatt weisende Tischlippe des Schiebeschlittens oft stark beschädigt. Prüfen Sie, ob dieser Teil des Schiebeschlittens ausgetauscht werden kann. Der Maschinenhersteller Martin bietet diese Möglichkeit schon seit mehreren Jahren. In jedem Falle sollten Sie scharfe Kanten entgraten, um Verletzungen vorzubeugen (Bild 5). Die Auflagefläche des Schiebeschlittens sollte grundsätzlich etwas höher stehen als der Maschinentisch. Die kleine Differenz (0,3 mm sind üblich) verhindert, dass der feststehende Maschinentisch Werkstücke beim Arbeiten mit dem Schiebeschlitten bremst. Prüfen Sie, ob die Differenz eingehalten ist und ob der Schiebeschlitten beim Vorschieben parallel zum Sägeblatt läuft. Die Parallelität des Schiebeschlittens zum Sägeblatt kann fast immer mit entsprechenden Stellschrauben korrigiert werden. Je nach Maschinenausführung wird die Höhendifferenz zwischen Schiebeschlitten und Maschinentisch am Grundträger des Schiebeschlittens oder durch Höhenveränderung des Maschinentisches eingestellt (Bild 6).

So prüfen Sie: Legen Sie ein Richtscheit so auf den Schiebeschlitten und den Maschinentisch, dass es bis zur jeweiligen Außenkante reicht. Unterfüttern sie jetzt das Richtscheit am rechten Ende des Maschinentisches und rechts neben dem Schiebeschlitten auf dem Maschinentisch mit 0,3 mm dicken Blechstreifen. Nun sollte das Richtscheit auf der gesamten Breite des Schiebeschlittens und auf beiden Distanzblechen aufliegen. Sind die Abweichungen zu groß, justieren sie die Höhe des Maschinentisches oder des Schiebeschlittens. Hier gilt, wie bei allen sensiblen Einstellungen: Ziehen Sie einen Fachmann hinzu, bevor sie die Schraubenschlüssel ansetzen. Die Gefahr, das Ergebnis zu verschlechtern, ist groß.

Querschlitten. Um genaue Sägeergebnis zu erzielen, muss der Querschlitten mit dem Schiebeschlitten fluchten. Zur Prüfung legen Sie ein Richtscheit über die gesamte Länge des Querschlittens und die Breite des Schiebeschlittens. Sind Differenzen sichtbar, stellen Sie die Verbindungseinheit zwischen Querschlitten und Schiebeschlitten so ein, dass die Oberkante des Querschlittens mit der Oberseite des Schiebeschlittens bündig ist. Danach justieren Sie die Stütze am Querausleger nach, bis Querschlitten und Schiebeschlitten eine Ebene bilden (Bild 7, 8).

Querlineal. Auch hierfür gibt es verschiedene Bezeichnungen: Querlineal, Winkelanschlag, Ablänganschlag, Queranschlag … Exakt eingestellt muss er sein! Prüfen Sie von Zeit zu Zeit, ob das Querlineal rechtwinklig zum Sägeblatt ist und stellen Sie entsprechend nach. Zur Prüfung empfehle ich die sogenannte Fünfschnittmethode, da sie mit einfachen Mitteln schnell sehr exakte Ergebnisse liefert.

Fünfschnittmethode. Legen Sie eine MDF-Platte (1000 x 1000 x 19 mm) auf den Querschlitten und gegen das Querlineal. Sägen Sie einen Streifen ab, der gerade breit genug ist, dass er nicht in den Spalt zwischen Schiebeschlitten und Sägetisch fällt. Drehen Sie die Platte im Uhrzeigersinn um 90° und legen die gerade entstandene Schnittfläche gegen das Querlineal. Jetzt erfolgt der zweite Schnitt, bei dem sie wiederum etwa 10 bis 15 mm von der Platte abtrennen. Wiederholen Sie diese Prozedur noch zweimal. Jetzt wurde von jeder Kante ein schmaler Streifen abgesägt. Diese vier Streifen können Sie entsorgen, denn der fünfte ist der wichtigste. Drehen Sie die Platte wieder im Uhrzeigersinn gegen das Querlineal und trennen den fünften Streifen von der Platte. Kennzeichnen Sie den Streifen so, dass sie nachvollziehen können, wo beim Sägen das vordere und wo das hintere Ende war (Bild 9 bis 12).

Messen Sie mit einem Messschieber die Streifenbreite am Anfang und am Ende der Leiste und teilen Sie die Differenz durch vier. Nun wissen Sie, wie es um die Winkelgenauigkeit des Querlineals steht. Ein Beispiel: Leistenbreite am Anfang 12,0 mm, am Ende 12,2 mm. Die Differenz der beiden Werte ist 0,2 mm. Dividiert man diesen Wert durch vier, erhält man den Wert 0,05 mm. Das ist das Maß für die Winkelabweichung pro Meter Schnittlänge. Ein guter Wert, der auch nicht viel größer sein sollte (Bild 13). Ein Tipp: Statt den Messschieber zu bemühen, brechen Sie die Leiste in der Mitte durch und legen beide Enden direkt nebeneinander. So sehen und fühlen Sie die Maßabweichung (Bild 14).

Parallelanschlag. Prüfen Sie, ob das Lineal des Parallelanschlags leicht vor und zurück bewegt werden kann. Es muss sich leicht vollständig herausziehen lassen, damit es mit der schmalen und breiten Anschlagfläche verwendet werden kann. Sind die T-Nuten am Anfang und am Ende gestaucht, müssen sie nachgefeilt und leicht gefast werden.

Bohren Sie Löcher für Hilfsanschläge

Wenn Sie ab und zu Hilfsanschläge mit Maschinenzwingen am Parallellineal befestigen, wissen Sie, wie unkomfortabel diese Methode ist. Es geht auch einfacher: Bohren sie 4 bis 6 Löcher (Ø 4 mm) durch die breite Fläche des Anschlaglineals. Die Löcher müssen sich im dünnen Teil des L-förmigen Lineals befinden. Entgraten Sie die Löcher auf der zum Sägeblatt gewandten Anschlagsseite und senken Sie sie auf der Rückseite leicht an. Ab jetzt können Sie Hilfsanschläge mit oder ohne Abstand zum Maschinentisch schnell und sicher anschrauben (Bild 15). Damit der aufsteigende Sägezahn beim Parallelschneiden nicht an der Schnittfläche kratzt, darf das Führungslineal nicht exakt parallel eingestellt sein. Es muss sich zum Ende hin öffnen. Die Abweichung von der Parallelen sollte etwa 1/10 mm auf 1 m Länge sein. Ist sie größer oder kleiner, wird nachgestellt: Bei Sägen mit Rundstahlführungen geschieht dies über Gewindebolzen, mit denen der Rundstahl am Maschinentisch befestigt ist. Bei anderen Ausführungen wird die Halterung des Anschlaglineals verstellt (Bild 16).

Nehmen Sie sich alle Maschinen vor

Sicherlich werden sie bei der intensiven Beschäftigung mit ihrer Kreissäge weitere Positionen finden, die einer Betrachtung wert sind: Funktionen der Schutzhaube und der unteren Werkzeugverdeckung, Unterbringung von Bordwerkzeug und Sägeblättern, Planlauf der Welle und des Flansches … Übertragen sie ihre Erfahrungen auf andere Maschinen im Betrieb und lassen Sie auch ihnen eine Kur angedeihen. So können Sie diese kurze dds-Serie selber fortschreiben.

Mehr lesen? Hier gehts zur  dds-Themenseite Formatkreissägen »

Den Einleitungsbeitrag der  Serie  „Maschinenwartung  mis System“ finden Sie hier. »

Den Teil 1 Maschinenwartung mit System: Die Abrichte  finden Sie hier. »

Den Teil 2 Maschinenwartung mit System: Die Dickte finden Sie hier. »

 

 


Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern, berichtet in dds immer wieder über Technik für Tischler und Schreiner. Ungepflegte Maschinen nerven ihn. Also hat er die Initiative ergriffen und diesen Beitrag geschrieben.


Willi BrokbalsFachlehrer an der Meisterschule Ebern

»Das Querlineal zu justieren, ist kein Hexenwerk«