Fehler an der Kantenanleimmaschine vermeiden

Praxistipps rund um die Kante

Als Kantenspezialist wird Ostermann von Tischlern und Schreinern immer wieder mit Fragen zur richtigen Verarbeitung von Möbelkanten konfrontiert. Sieben Tipps für die tägliche Arbeit an der Kantenanleimmaschine von Philipp Mayrhauser.

Tipp 1: Vorsicht bei Kälte und Zugluft. Durch Kälte oder Zugluft kommt es immer wieder zu Verklebungsfehlern an der Kantenanleimmaschine. Die Temperatur in der Werkstatt sollte deshalb immer mindestens 18° C betragen. Muss der Schreiner in der Werkstatt eine Jacke tragen, ist es für die Verklebung von Kanten in der Regel zu kalt. Im Winter sollten neu gelieferte Platten oder Kanten immer erst 24 Stunden bei Raumtemperatur lagern, um zu akklimatisieren. Aber auch im Sommer kann es zu Problemen bei der Haftung der Möbelkanten kommen. Hier gilt es vor allem, Zugluft zu vermeiden, da der aufgetragene Schmelzkleber sonst zu schnell abkühlt und keine Klebekraft aufbauen kann.

Tipp 2: Regelmässig reinigen. Durch die Ablagerung von Klebstoff- oder Spanresten reduziert sich der gewünschte Klebstoffauftrag. Wichtig ist es deshalb, das Leimbecken und die Leimauftragswalze der Kantenanleimmaschine regelmäßig zu reinigen. Hierfür gibt es für jeden Klebstofftyp passende Reiniger.

Tipp 3: Leimauftrag vorher prüfen. Wird an der ersten Andruckrolle nicht genügend Druck auf die Kante gebracht, verdrückt sich der Kleber nicht richtig und verbindet sich nicht ausreichend mit der Kante. Die Kante kann nicht richtig haften. Bereits an der zweiten Andruckrolle hat sich der Kleber dann zu stark abgekühlt, um eine feste Verbindung mit Platte und Kante einzugehen. Um Kleberauftrag und Rollendruck zu prüfen, gibt es transparente Testkanten ohne Primer. Ostermann z. B. liefert sie in den Breiten 23 und 43 mm und in der Stärke 0,4 mm.

Tipp 4: Holzkanten benötigen mehr Leim. Holzkanten haben grundsätzlich mehr Eigenspannung. Hier muss der Kleber mehr leisten. Sie können zwar maschinell mit allen marktüblichen Schmelzklebern (EVA, PUR, PO) und manuell z. B. mit »Redocol Kantol greenline« verklebt werden, benötigen aber mehr Leim. Bei der maschinellen Bearbeitung empfiehlt sich ein Auftrag von 200 bis 300 g/m2. Alle Starkfurniere (1 und 2 mm) sind bei Ostermann zusätzlich mit Haftvermittler (Primer) versehen. Im Vergleich zu ungeprimerten Furnierkanten haften sie wesentlich besser. Wenn möglich, sollte man die Laufrichtung der Auftragswalze in den Gegenlauf stellen. Dies führt zu mehr Leimauftrag, einer größeren Leimauftragsfläche und somit zu einer besseren Haftung.

Tipp 5: Bei Küchenmöbeln PUR verwenden. Für Badmöbel ist die Verarbeitung mit PUR-Klebstoffen inzwischen Standard. Aber auch wer hochwertige Küchenmöbel bauen möchte, sollte über die Verwendung von PUR-Klebstoffen oder modernen Nullfugen-Technologien nachdenken. Wasserdampf und Hitze setzen den herkömmlichen EVA-Leimfugen mit der Zeit zu. Denken Sie zum Beispiel an die immer beliebter werdenden Espressomaschinen oder Dampfgarer, die in der Regel auf der Arbeitsplatte unter den Hängeschränken stehen. Oder an den Wasserkocher. Sind besonders hohe Wasser- und Wärmestandfestigkeit vonnöten, sind Verleimungen mit PUR-Klebstoffen einfach unumgänglich.

Tipp 6: Wie man clever PUR-Reste entfernt. Um Leimbecken und Auftragswalze nach der Verwendung von PUR-Schmelzkleber zu reinigen, gibt es einen Trick: PUR-Kanten am Ende des Arbeitstages anfahren und nach der Arbeit den passenden Reiniger ins Leimbecken geben. Die Walze sollte man so lange in Betrieb halten, bis der eingefärbte Reiniger die Leimauftragswalze bedeckt. Danach kann man die Kantenanleimmaschine abstellen. Nun sollte man mehrere kleine Holzstäbchen wie Eisstiele in den noch warmen Kleber stecken. Am nächsten Morgen kann das Leimbecken erhitzt und der ausgehärtete Kleber mit Hilfe der Stäbchen einfach entfernt werden. Wichtig: Auch die Reinigerreste an der Leimauftragswalze entfernen! Hierzu kann man am besten mehrfach das Reststück einer möglichst starken Spanplatte mit einem Reststück einer passenden Kante anfahren.

Tipp 7: Massive Alukanten erwärmen. Kanten aus massivem Aluminium sind besonders elegant und hochwertig, allerdings auch etwas anspruchsvoller in der Verarbeitung. Sie sollten auf jeden Fall mit PUR- Kleber angefahren werden. Vor dem Anfahren ist die gesamte Kante in der Heißpresse oder einer anderen Wärmequelle auf 45 bis 50 °C zu erwärmen, damit der Kleber nicht zu schnell abbindet.

Ein sehr dünnes Auftragen von Teflonöl auf die beidseitigen Fräsränder der Kante erleichtert das Abfräsen. Achtung: Das Öl darf nicht auf die Klebeseite gelangen! Den Auflageteller für die Alukante kann man auch mit einem Heißluftgerät erwärmen, um die Kante gleichmäßig temperiert zu halten. Eine Alternative zu massiven Alukanten sind ABS-Kanten mit einer Auflage aus echtem Aluminium. Sie sind genauso einfach zu verarbeiten wie klassische ABS-Kanten.


Philipp Mayrhauser ist als Vertriebsleiter und Leiter des Produktmanagements Kanten bei der Rudolf Ostermann GmbH in Bocholt mit allen »Kantenwassern« gewaschen. Infos auch unter www.ostermann.eu