Handgeführte CNC-Fräse von Shaper Tools in der Anwendung

Eine fulminante Virtuosin

Die »Origin« von Shaper Tools verlangt ein neues Denken beim CNC-Fräsen. Losgelöst von Großmaschinen wird das digital gesteuerte Fräsen im Bankraum und auf der Baustelle möglich. Teil zwei der Annäherung an einen neuen Werkzeugtypus von dds-Redakteur Hubert Neumann.

In der dds-Märzausgabe stellte ich die Grundfunktionen der »Origin« am Testbeispiel eines ovalen dds-Logos auf schwarzer MDF vor, eingefräst in eine Bucheplatte. Der Beitrag weckte auch in den sozialen Medien mächtig Interesse und warf dabei die Frage auf, ob das eigentlich ein Werkzeug für Profihandwerker ist oder eher eins für dekorativere Einsatzgebiete. Meine klare Meinung dazu: Das Gerät ersetzt zwar von der Arbeitsgeschwindigkeit her keine klassische CNC, ist aber ein voll digitales Fräswerkzeug mit ungeahnten Perspektiven. Der mobile Einsatz beispielsweise beim Einarbeiten von Intarsien in Parkettböden auf der Baustelle wäre mit klassischem Schablonenbau und Handoberfräseneinsatz zeitverschlingend nahezu unbezahlbar.

Die CNC kommt zum Werkstück

Am Beispiel der Gestaltung eines Musikzimmerparketts überzeugt die volle digitale Übertragbarkeit eines auf dem Notebook erarbeiteten Entwurfs auf einen Holzboden. Losgelöst von der Geschmacksfrage, ob Noten einen Musikzimmerboden zieren müssen, erklärt sich daran die technische Umsetzung von Freiformfräsungen auf eine Fläche. Das kann genauso beim »Nesten« auf großformatigeren Platten angewendet werden, etwa im Wohnmobilausbau oder bei Aufgaben, bei denen eine stringente Bearbeitung entlang einer Führungsschiene nicht ausreicht.

43 mm-Frästiefe sind machbar

Das Aufmacherbild zeigt, wie sich beliebige Formen über im Display durch Eingabe erzeugte oder per USB-Stick übertragene Daten fräsen lassen. Sind stirnseitig in Korpussen Beschlagsfräsungen einzuarbeiten, helfen Hilfsmittel wie oben auf Seite 47 dargestellt. Eine Hilfsplatte, belegt mit codiertem Klebeband, kann mehrfach eingesetzt werden. Mit Zwingen fixiert dient sie als Auflagefläche und durch das Tape zugleich als »Landkarte« für den Kamerasensor.

Typisch für ein digitales Tool ist, dass erst ein Bruchteil des künftig Möglichen existiert. Die Hardware ist definiert – die Anwendungsvielfalt wächst permanent durch Software-Updates von Shaper Tools, aber auch durch die »Community«, die Daten von Projekten oder auch Beschlagherstellerdaten in der Content-Plattform »ShaperHub« (www.shapertools.com/hub) hinterlegen. Nach Belieben können an diesen zentralen Speicherort Projekte hochgeladen und mit Bildern, Texten und Links versehen werden. Für eigene Projekte, aber auch öffentlich zum Teilen mit der Nutzercommunity. ShaperHub agiert zugleich auch als Bindeglied zwischen CAD-Software und dem Werkzeug. Anstatt Daten per Hand über den USB-Stick einzulesen, können sie einfach über den Browser direkt auf die Fräse kopiert werden.


LignaTipp

Mitmachen und gewinnen!

Auf der Ligna gibt es exklusiv eine der ersten Origins in Europa zu gewinnen: am dds-Stand D01 in Halle 12. Einfach mal vorbeischauen!


dds-Redakteur Hubert Neumann freut sich, dass Bewegung in das CNC-Fräsen kommt. Noch steht die Markteinführung der Origin in Europa nicht final – die amerikanische Version wird es bei dds auf der Ligna zu sehen geben.


Steckbrief

Shaper Tools ist seit Ende 2018 als eigenständige Gesellschaft in die TTS Tooltechnic Systems Gruppe eingegliedert, zu der auch Festool gehört. Das amerikanische Start-up behält seinen Namen und auch das bisherige Management.

www.shapertools.com
www.tooltechnicsystems.com


Hier gehts zum ersten Teil der praktischen Annäherung: »Mehr als eine Oberfräse«