Flexible Fensterproduktion mit der Conturex Compact von Weinig

»Keine Klimmzüge mehr«

So mancher Fensterbauer arbeitet noch mit seiner alten Winkelanlage. Diese kann zwar große Stückzahlen effizient herstellen, ist aber der heute gefragten Vielfalt nicht mehr gewachsen. Mit einer CNC erfüllt Peter Nill jetzt ohne Klimmzüge fast jeden Kundenwunsch.

Vier Mitarbeiter halten sich aktuell in der Produktionshalle des Fensterbauers Nill auf: Einer bedient die Rahmenpresse, einer den Kehlautomat, einer montiert Beschläge und einer verleimt Stichbogensegmente. Letzterer kümmert sich außerdem nebenbei um die vor zwei Jahren angeschaffte zentrale Fenstermaschine, die »Conturex Compact« von Weinig. Etwa jede halbe Stunde legt er bis zu 16 der vom Kollegen ausgehobelten Rohkanteln auf das Querförderband rechts neben dem Maschineneinlauf. Außerdem leert er den Puffer mit den fertigen Werkstücken links vom Maschinenauslauf. Geschäftsführer Peter Nill hat die Fenster mit Prologic konstruiert und dabei automatisch die Fertigungsreihenfolge für alle Teile festgelegt. Sein Holzhändler hat nach einer entsprechend sortierten Liste die Kanteln genauso zusammengestellt und jedes Holz stirnseitig mit einem Barcode-Etikett versehen. Dort kann es der Kehlautomat nicht weghobeln. Bei der Stirnseitenbearbeitung auf der Conturex verschwindet zwar das Etikett, das, was die Belegschaft zur Fertigstellung der Fenster wissen muss, graviert die Maschine jedoch an eine beim Endprodukt unsichtbare Stelle.

18 variierbare Fenstersysteme

Nill Fensterbau mit Sitz in Ingersheim zwischen Stuttgart und Heilbronn beschäftigt zehn Mitarbeiter und produziert etwa 15 bis 20 Fenster pro Tag. Zum Programm gehören insgesamt 18 Systeme an Holz- und Holz-Alufenstern, Pfosten-Riegel-Konstruktionen, Haustüren und Denkmalschutzfenstern. Jedes einzelne Fenstersystem lässt wiederum mehrere Varianten zu, etwa mit großen oder kleinen Radien, etwas breiter oder schmaler, dicker oder dünner. Geschäftsführer des 1930 gegründeten Familienunternehmens ist in vierter Generation Peter Nill. Zur Kundschaft gehören Privathaushalte, Betreiber von Gebäuden mit Denkmalschutzauflagen und neuerdings verstärkt auch städtische Auftraggeber. Große Fertigungslose mit 50 oder mehr Fenstern sind eher die Ausnahme. Oft bestellen Kunden nur zwei oder drei Fenster.

Diese Programmvielfalt kombiniert mit den kleinen Fertigungslosen sowie die durch die Wärmeschutzverordnung immer mächtiger gewordenen Rahmenquerschnitte konnte das Unternehmen mit der alten Winkelanlage, »Unicontrol 6« von Weinig, nicht mehr wirtschaftlich fertigen. Ein Wechsel zwischen den Fenstersystemen ging automatisch mit dem Austausch vieler Werkzeuge auf der Winkelanlage einher. Kam von der Baustelle der Auftrag, im Schnellschuss ein Fenster nachzufertigen, legten nicht enden wollende Werkzeugwechsel die Winkelanlage für die sonstige Produktion bis zu sechs oder sieben Stunden lang lahm. Ein weiteres Problem war der Fachkräftemangel. Für die Vielzahl von Profilen stets die Werkzeuge in richtiger Reihenfolge auf die Winkelmaschine zu bringen, bedarf hervorragend geschulter Fachkräfte.

Umrüsten erfordert Fachkräfte

Vieles sprach vor drei Jahren also dafür, in neuere und flexiblere Produktionstechnik zu investieren. Peter Nill machte sich schlau, was der Markt zu bieten hat, und blieb seinem langjährigen Maschinenausstatter Weinig treu. Er entschied sich für die kleinste Conturex, die Compact, mit einer 4-Achsspindel und 30 kW, einer nicht interpolierenden 5-Achs-Universalspindel und einem 50-fach-Werkzeugmagazin. In einer Schicht kann die Maschine 30 einfache Fenster bewältigen – oder 20 bis 25 komplexe, wie Nill sie üblicherweise fertigt. Für Nill bedeutet das eine Leistungsreserve von 40 Prozent.

Sobald Peter Nill in seinem Büro mit Prologic ein Fenster konstruiert und freigegeben hat, erhält die Maschine über einen Server für jedes zu fertigende Werkstück eine Beschreibung. Die Conturex generiert daraus die CNC-Programme und führt alle Materialbewegungen vom Beschick zum Entnahmemagazin mannlos aus. Alle Daten fließen vollautomatisch im Hintergrund. Verfahrbare Tische mit Greiferzangenleisten übergeben sich in der Maschine gegenseitig die Werkstücke, sodass die Aggregate rundherum alle Bearbeitungen vornehmen können.

Für die 18 Fenstersysteme aus Nills Pflichtenheft konzipierten Weinig, der Werkzeuglieferant Oertli und das Softwarehaus Prologic gemeinsam das Zusammenspiel von Maschine, IT und Werkzeuggarnituren. Das Werkzeugmagazin ist voll, eigentlich fehlen vier Plätze. Da das Austauschen eines Werkzeugs nur wenige Sekunden dauert, nimmt Nill es in Kauf, gelegentlich mal ein Werkzeug manuell auszutauschen. Als Eckverbindung wählte Peter Nill das Dübeln, weil damit die Passung immer stimmt. Außerdem entschied er sich, die Flügel nicht zu umfälzen, sondern die Einzelteile rundherum zu profilieren. Seine Lackierabteilung durchlaufen jedoch keine Einzelteile, sondern komplette Rahmen. Drei Mitarbeiter können die Conturex bedienen, sie ließen sich drei Tage lang bei Weinig in Tauberbischofsheim schulen.

Es läuft wie am Schnürchen

Peter Nill sagt: »Seit zwei Jahren läuft der Betrieb mit der Conturex wie am Schnürchen. In der Produktion spielt es überhaupt keine Rolle, ob wir kleine oder große Lose fertigen oder ob wir einfache oder komplizierte Fenster fertigen. Klimmzüge für Schnellschüsse oder Sonderprofile sind nicht mehr nötig. Beschläge montieren wir jetzt mit Hilfsarbeitern, denn die CNC fräst eindeutig. Zwangsläufig sitzt jeder Beschlag richtig. Eigentlich waren mir Bogenfenster zu kompliziert. Mit der Conturex ist das jetzt so einfach wie bei normalen Fenstern. Wir fertigen sehr effizient genau das, was der Markt von uns fordert.«


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte den Fensterbauer Nill und fand einen hochflexiblen Betrieb vor. Peter Nill nutzte die Chance bei der Umstellung auf die CNC, einen weitgehend automatisierten Workflow einzurichten


Kontakt

Anwender: Nill Fensterbau
74379 Ingersheim, www.nill.de

Maschine: Michael Weinig AG
97941 Tauberbischofsheim
www.weinig.com


Peter Nill

»Mit der Conturex fertigen wir sehr effizient genau das, was der Markt von uns fordert.«