Schwenklineal für Formatkreissägen von Barth

Anschlag 2.0

Beim Zuschnitt von Gehrungsteilen verschwindet die spitz auslaufende Kante gerne im Spalt zwischen Parallelanschlag und Maschinentisch – die Präzision bleibt auf der Strecke. Barth verspricht Abhilfe mit einem Schwenklineal. Willi Brokbals hat es für dds getestet.

den Schwenkanschlag versendet Barth im Päckchen: 5,2 kg genau wie das Originalprofil von Altendorf. Zum Test tausche ich an unserer Altendorf in der Lehrwerkstatt die Anschläge gegeneinander aus. Die Bedienanleitung erklärt mit Bildern den Aufbau, die Funktion und die Bedienung. Also alles einfach.

Aufbau und Funktion. Der »BA 05« besteht aus zwei eloxierten, über drei Präzisionsscharniere beweglich miteinander verbundenen Aluprofilen. Der zum Anschlag weisende Teil ist so ausgebildet wie das Originalprofil des ursprünglichen Anschlags und wird wie gewohnt aufgeschoben und geklemmt. Die dem Sägeblatt zugewandte Fläche ist 45° nach rechts geneigt. Ein weiteres, 32 mm dickes Profil ist an der spitz auslaufenden Kante dieser schrägen Fläche mit besagten Scharnieren befestigt. Die untere Schmalfläche dieses dünneren Profils hat ebenfalls eine 45° Schräge und bildet, wenn es an der Schräge des Hauptprofils anliegt, einen rechten Winkel zum Maschinentisch. In dieser Einstellung arbeitet es wie ein normaler Parallelanschlag. Seine Stärke entwickelt der Anschlag, sobald das bewegliche Lineal in Richtung Sägeblatt geschwenkt wird. In der Konterschräge zu zwischen 90 und 45° geneigten Schmalflächen führt es das Werkstück präzise und sicher. Laschen mit Rändelschraube am Anfang und Ende des Anschlags fixieren die Winkeleinstellung.

Montage und Bedienung. Der BA 05 ist 100 mm kürzer als der Altendorfanschlag. Auch der Querschnitt ist größer: statt 52 × 93 mm ist der A05 75 mm hoch und 103,5 mm breit. Ist das Originallineal herausgezogen, lässt sich der Schwenkanschlag mühelos auf die Führungsschiene schieben.

Kollisionsgefahr

Das geht jedoch nur, wenn das bewegliche Profil senkrecht steht, da andernfalls die zum Klemmen erforderliche Lasche das Hinein- oder Herausschieben verhindert. Eine Umstellung erfordert auch das Greifen des Parallelanschlags, wenn dieser vor oder zurück geschoben werden soll. Der, gegenüber dem Originalprofil veränderte Querschnitt in Verbindung mit der eloxierten Oberfläche erfordert eine zupackende Hand, damit die Finger nicht abrutschen.

Senkrechte Schmalfläche. Ist der Schwenkanschlag aufgeschoben und geklemmt, wird das Maß zwischen Anschlag und Sägeblatt referenziert, so kann mit korrekten Breitenmaßen gearbeitet werden.

Die Späne verschwinden im Spalt

Die Schnittversuche haben gezeigt, dass bei rechtwinklig zum Sägetisch stehender Anschlagfläche die Ergebnisse ebenso präzise sind, wie beim Einsatz des Original-Führungslineals. Einen Vorteil bietet hier der BA 05 gegenüber dem Standardprofil: Es entsteht zwischen Führungsfläche und Maschinentisch eine etwa 3 x 3 mm große Lücke, in der nicht aufgesaugte Späne verschwinden und das Schnittergebnis nicht beeinträchtigen.

Geneigte Schmalfläche. Das Sägeblatt wird 45° in Richtung Parallelanschlag geneigt und das bewegliche Profil des Parallelanschlags senkrecht gestellt, so entsteht die Tasche zur Aufnahme der schrägen Plattenschmalfläche. Dabei sollte sich das Maß – ich hatte 220 mm breite Plattenstreifen gesägt – nicht verändern.

Nach dem Sägen der ersten schrägen Schmalfläche wird das Werkstück gedreht und die gesägte Schräge gegen die Schrägfläche des Schwenkanschlags geschoben. Jetzt werden die Vorteile des Systems deutlich: Die schrägen Schmalflächen von Werkstück und Parallelanschlag sind hervorragend aufeinander abgestimmt und die empfindliche, spitz auslaufende Werkstückkante liegt frei in einem kleinen Hohlraum zwischen Parallelanschlag und Sägetisch. Präzise und kantenschonende Schnitte sind jetzt möglich.

Der Abstand zwischen den parallelen spitz auslaufenden Werkstückkanten sollte jetzt, wie schon bei den geraden Schnitten, 220 mm sein: Der Schwenkanschlag hält, was er verspricht.

Einfach spitze

Das Standardlineal sollte Standard bleiben, da sonst eine hohe Anschlagfläche fehlt. Hat man die Kantenausbrüche beim Sägen im Griff, verhindert der BA 05 darüber hinaus das Beschädigen der empfindlichen Gehrungsspitzen. Erfreulich wäre, wenn die Maschinenhersteller den Anschlagwechsel in der Maschinensoftware vorsähen. So könnten sich Schreiner und Tischler das Eichen nach dem Umrüsten auf einen Hilfs- oder den Schwenkanschlag sparen. Darüber freuen sich alle, die ihre selbst gebauten Hilfsanschläge immer wieder einsetzen.


Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern, berichtet in dds immer wieder über Maschinen und Technik für Tischler und Schreiner. Seine Steckenpferde sind Standardmaschinen und der Vorrichtungsbau.


Kontakt

Schwenkanschlag: Barth GmbH 84550 Feichten, www.barth-maschinenbau.de