Die neue Akku-Schnittstelle CAS - kompatibel für viele Akkuwerkzeuge

Neun Hersteller, ein Akku – mit CAS wird der Akku kompatibel

Neun Hersteller – ein Akku. Damit gelingt eine doppelte Freiheit für professionelle Anwender in Handwerk und Industrie: Mit dem CAS-Akkusystem können sie nicht nur kabellos arbeiten, sondern auch die Akkuwerkzeuge verschiedener Hersteller mit ihren Akkus nutzen.

Unvergessen ist für mich der Moment, als ich im dritten Lehrjahr Ende der 70er-Jahre das erste Mal einen Akkuschrauber einsetzen konnte. Zuvor war es ein nervtötender Job, Tausende Schlitzschrauben mit dem »Driller« von Hand für Unterkonstruktionen in die Betondecke zu drehen. Doch anderes Nerviges folgte.

Keiner der Nickel-Cadmium-Akkus hattet ausreichend Kraft zu Verfügung, wenn es darauf ankam. Über die Jahre hinweg sammelten sich zudem auf dem Fenstersimsen der elterlichen Schreinerwerkstatt, dem Akkufriedhof, immer größere Mengen an ausrangierten Energiespeichern an – kein Akku passte mehr in die Maschine des nächsten Jahrgangs, obgleich es sich um den selben Hersteller handelte.

Die Leistungen der kabelfreien Werkzeuge wurden besser – und dennoch blieb es lästig, dass sich ein buntes inkompatibles Farbenspiel im Montagekombi ansammelte: Orangenes von Fein, Dunkelblaues von Festool, Schwarz-grünes von Metabo, Rotes von Hilti usw.

Zeitenwende: Rottweil, Thyssen-Aufzugstower, 240 m über dem Erdboden – auf Deutschlands höchster Aussichtsplattform präsentierte im Juni Metabo-Chef Horst Garbrecht gemeinsam mit den Geschäftsführern von acht weiteren Herstellern von Elektrowerkzeugen CAS, das Cordless Allianz System.

Die Schukosteckdose als Vorbild für Akkuwerkzeuge

Die Basis des kabellosen (cordless) Akku-Bündnises CAS ist die Akku-Technologie von Metabo. In den vergangenen Jahren waren die Nürtinger der innovative Antreiber hin zur kabelfreien Baustelle. Die neueste Generation der Metabo LiHD-Akkupacks liefert in der 18-Volt-Ausführung mit zehn Akkuzellen bis zu 1600 Watt Leistung bei einer Kapazität von 8.0 Ah. Packt man mit dem Adapter zwei 18-V-Akkus in ein »36-V-Werkzeug«, sind es gar 3200 Watt vergleichbare Abgabeleistung.

Somit kann jedes handgeführte Elektrowerkzeug als Akkugerät gebaut sein – und zwar so, dass es den Anforderungen von professionellen Anwendern an Leistung und Ausdauer genügt. Wie die Schukosteckdose beim Stromnetz, ist CAS die einheitliche Akku-Schnittstelle aller beteiligten Partner.

Denken im System

Überzeugt hat der Schnittstellengedanke bisher die Unternehmen Mafell (Holzhandwerk), Rothenberger (Heizung/Sanitär), Collomix (Rührwerke), Starmix (Sauger), Eisenblätter (Metall), Haaga (Kehrgeräte), Eibenstock (Putzbearbeitung) und Steinel (Heißluftgeräte). Weitere sind kurz vor dem Einstieg.

Die professionellen Anwender hatte man im Blick, als die Idee für CAS entstand. Denn beim Profinutzer herrscht der Wunsch: Flexibel, mit nur einem Akku und den Maschinen verschiedener Hersteller arbeiten zu können. Die gemeinsame Innovationskraft wird zudem vieles weitere entstehen lassen.

Bunt kann das Farbenspiel in der Vielfalt auch künftig im Montagefahrzeug sein, nur ist sie jetzt voll kompatibel. Statt für 40 E-Werkzeuge in bis zu 40 Ladegeräte und 80 Akkus investiert zu haben, sollte mit einer Schnittstelle ein Kleinteil davon ausreichen.

Hubert Neumann, dds-Redaktion

Mehr Hintergrundinformationen zu Akkuwerkzeuge unter: www.dds-online.de/alles-akku-oder-was/

Das große dds-Interview zum Thema „kabellose Baustelle“ mit Metabo-Chef Horst W. Garbrecht: https://www.dds-online.de/technik/maschinen-werkzeuge/die-kabellose-baustelle-ist-da/


Auf den Punkt gebracht – Horst W. Garbrecht, Initiator von CAS, antwortet dds

Was ist die Grundidee von CAS?

Bei Akku-Maschinen mussten sich die Anwender bislang für einen Hersteller entscheiden, weil die Akku-Systeme nicht kompatibel untereinander sind. Mit CAS ist das anders: Alle Maschinen, Akkus und Ladegeräte passen zusammen.

Was bringt’s dem Anwender?

Die doppelte Freiheit: Er kann kabellos arbeiten, und er hat die Freiheit, innerhalb eines Systems zwischen verschiedenen Herstellern zu wählen. Und er findet neben allen gängigen Werkzeugtypen auch die meisten Speziallösungen in einem System. Die gängigen Maschinentypen bieten viele Hersteller, aber Speziallösungen für die einzelnen Zielgruppen nur wenige. Deshalb ist es clever, wenn ein Anwender seine Systementscheidung danach trifft, wo er die für ihn maßgeschneiderte Lösung findet.

Wie geht es weiter mit CAS?

Unsere Vision ist klar: CAS soll die Schnittstelle im Markt sein, die ein enorm breites Programm an Speziallösungen für professionelle Zielgruppen bietet. Dafür wollen und werden wir auch weitere Kooperationspartner aufnehmen.

Horst W. Garbrecht, ist seit 2009 CEO von Metabo
Foto: Tom Oettle für dds