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»Wir wollen weiter wachsen«

Wie es bei Altendorf nach der Übernahme von Hebrock weitergeht
»Wir wollen weiter wachsen«

Vor einem Jahr hat die Altendorf Group den Kantenanleimmaschinenhersteller Hebrock übernommen. dds hat bei den Geschäftsführern Jörg F. Mayer und Andreas Tingvall nachgefragt, wie die Integration vorangeht und welche Zukunftspläne es gibt.

Das Gespräch führte dds-Chefredakteur Hans Graffé

Herr Mayer, Herr Tingvall, Hebrock gehört seit ziemlich genau einem Jahr zur Altendorf Group. Was hat sich seitdem getan?

Andreas Tingvall: Wir haben uns sehr genau angeschaut, wie und wo wir zusammenarbeiten wollen. In der Produktion wurde von Batchfertigung auf One-Piece-Flow umgestellt. Damit arbeiten wir effizienter, da wir mit einer deutlichen Erhöhung der Stückzahlen rechnen. Die Maschinen selbst wurden zur Ligna hinsichtlich des Erscheinungsbildes und verschiedener technischer Features überarbeitet und an den Altendorf-Look angepasst.

Jörg F. Mayer: Im Vertrieb schauen wir uns die weltweiten Märkte nacheinander an und entscheiden, wie wir vorgehen. In Deutschland z.B. gab es bisher fünf eigenständige Hebrock-Händler, die zukünftig auch Formatkreissägen verkaufen. Unsere Außendienstler wiederum haben Kantenanleimmaschinen ins Portfolio aufgenommen. In den USA haben wir eine eigene Niederlassung gegründet, die beide Marken vertritt. In China und Indien war Hebrock bisher gar nicht aktiv, hier werden nun selbstverständlich die Altendorf-Vertriebsgesellschaften genutzt.

Was genau ist das Alleinstellungsmerkmal von Hebrock-Maschinen?

Mayer: Hebrock steht für ganz solide, zuverlässige Technologie. Für robuste Maschinen, die sich ohne großen Serviceaufwand betreiben lassen und alle Anforderungen des Handwerks abdecken.

Wie sieht der typische Hebrock-Kunde aus?

Mayer: Genau wie der typische Altendorf-Kunde! Das war ja das Ziel der Akquisition: unseren bestehenden Kunden, überwiegend Tischlereien und Holzverarbeitern mit drei bis 15 Mitarbeitern, mehr Produkte bieten zu können.

Wie hoch ist der Marktanteil in Deutschland?

Mayer: Im Marktsegment »Handwerk« sehen wir den Marktanteil von Hebrock-Kantenanleimern bei über 20 Prozent.

Welche Entwicklungsperspektiven sehen Sie für Hebrock?

Tingvall: : Wir haben uns verschiedene Dinge vorgenommen und werden zur nächsten Holz-Handwerk das eine oder andere präsentieren. So arbeiten wir z.B. an höheren Vorschüben, an durchgängig auf allen Maschinen verfügbaren SPS-Steuerungen, an einer verbesserten Bedienerfreundlichkeit z.B. durch per Touchpanel einstellbare Aggregate und an durchgängigen Oberdrucksystemen.

Neben Formatkreissägen und Kantenanleimmaschinen will die Altendorf Group sich erklärtermaßen mit einem Hersteller aus dem Bereich Bohren/CNC verstärken. Können Sie bereits einen Namen nennen?

Tingvall: Nein. Richtig ist, es laufen Gespräche. Sie werden jedoch verstehen, dass wir keinerlei Aussagen machen können, bevor es zu einer definitiven Entscheidung kommt.

Wie zufrieden sind Sie mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Altendorf-Group in den zurückliegenden Monaten?

Tingvall: Im weltweiten Umsatz konnte die Altendorf Group 2018 im guten einstelligen Bereich zulegen, sowohl beim Umsatz als auch im Ertrag. Für das laufende Jahr ist noch keine eindeutige Richtung erkennbar. Hier gibt es starke Unterschiede je nach Region: Deutschland und Zentraleuropa sehen wir stabil, China hat sich abgekühlt, dafür freuen wir uns über eine fantastische Entwicklung in Indien und ein überraschend gutes US-Geschäft.

Welche Entwicklung sehen Sie bei der technischen Ausstattung von Formatkreissägen?

Mayer: Wir spüren eine starke Nachfrage nach motorischen Verstellungen, sowohl in Wachstumsmärkten als auch in den Industrieländern. Über 50 Prozent der Maschinen liefern wir mittlerweile mit motorischen Anschlägen aus. Kunden wünschen sich zudem immer häufiger Unterstützung bei der Bedienung. Vor diesem Hintergrund haben wir schon zur Ligna 2017 »Magis« vorgestellt, eine Navigationshilfe für die Formatkreissäge. Magis wurde mittlerweile um eine integrierte Zuschnittoptimierung ergänzt. Die Navigationshilfe kann unabhängig vom Maschinentyp eingesetzt werden, funktioniert also z. B. mit einer WA 8 genau so wie mit einer F 45 ElmoDrive.

Welche Rolle spielt das Thema Arbeitsschutz an der Säge?

Mayer: Uns beschäftigt schon lange die Frage: Wie können wir sicherstellen, das man sich an der Formatkreissäge nicht mehr verletzt? Wir brauchen eine Lösung, die den Bediener schützt, aber nicht in neun von zehn Fällen falsch auslöst. Das Problem bei allen Lösungen bisher: Es muss erst eine Verletzung passieren, bis das System auslöst. Wir arbeiten an einer Entwicklung, bei der genau das nicht mehr der Fall ist. Noch sind patentrechtliche Fragen zu klären, auf der Ligna zeigen wir das Produkt jedoch bereits und sind gespannt auf das Feedback der Kunden.

Warum rückt das Thema gerade jetzt wieder in den Fokus?

Mayer: Arbeitssicherheit ist für uns immer ein Thema. Es gibt mittlerweile ganz neue Möglichkeiten, was die Sensorik angeht – genau hier liegt die Lösung.

Wie läuft es mit der beidseitig schwenkbaren Druckbalkensäge S45, die Sie in Absprache mit Schelling anbieten?

Mayer: Es wurden einige Maschinen verkauft. Unter dem Strich hat diese Vertriebskooperation aber nicht so funktioniert, wie wir beide (Schelling und Altendorf) uns das gedacht haben. Wer will, kann die S45, die grundsätzlich eine sehr gute Maschine ist, weiter über Altendorf bekommen. Wir verfolgen das Thema von unserer Seite aber nicht aktiv weiter.

Das heißt Druckbalkensägen sind für Altendorf zukünftig kein Thema?

Tingvall: Das kann man so nicht sagen. Wir haben im Moment nur andere Prioritäten, wie die bereits angesprochene Akquisition im CNC-Bereich und die Hebrock-Integration. Eine Druckbalkensäge ist eine Säge und damit ein Eckpfeiler unseres Produktportfolios. Wir schließen das für die Zukunft genauso wenig aus, wie z.B. stehende Sägen. Langfristig werden wir definitiv mehr Sägemodelle anbieten.


Auf der Ligna 2019 werden Altendorf und Hebrock an einem Stand präsent sein

Von der Erfindung der Formatkreissäge bis zur Altendorf Group

1906 erfand Wilhelm Altendorf die Formatkreissäge. Schon Mitte der Fünfzigerjahre spezialisierte sich das Mindener Unternehmen ganz auf diese Maschinengattung und entwickelte sich in der Folge zum Weltmarktführer. Mehr als 150 000 Altendorf-Maschinen wurden bis heute produziert und ausgeliefert. 2017 wurde die Altendorf Group, zu der eine Produktionstochter in China sowie verschiedene Handels- und Vertriebstöchter weltweit zählen, mehrheitlich von dem Investor Avedon Capital Partners übernommen. Avedon verfolgt eine klare Wachstumsstrategie, die 2018 zum Erwerb des Kantenanleimmaschinenherstellers Hebrock in Hüllhorst führte. Um das Produktangebot für handwerkliche Holzverarbeiter weiter auszubauen, ist eine weitere Akquisition im Bereich Bohren/CNC geplant. Auf der diesjährigen Ligna in Hannover präsentiert sich die Altendorf Group erstmals mit den beiden Unternehmen Altendorf und Hebrock auf einem Stand. Zu sehen sind aktuelle Neuheiten und Produktverbesserungen rund um beide Maschinengattungen.

Altendorf auf der Ligna: Halle 12, D16

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