Porträit: Felder Group

»Wir sind geerdete Querdenker«

Die Felder Group hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Anbieter von Holzbearbeitungsmaschinen entwickelt. Mittlerweile ist die dritte Generation der Familie Felder im Unternehmen tätig, bringt ihre Ideen ein und gestaltet den Wandel aktiv mit.

Tag Eins nach den Betriebsferien. In der Werkshalle herrscht rege Geschäftigkeit. Mitarbeiter wuseln hin und her, Stapler kreuzen den Weg. Kantenanleimmaschinen in verschiedenen Montagezuständen prägen das Bild. Die Betriebsruhe wurde bei der Felder Group dazu genutzt, mit der Montage der Kantenanleimmaschinen in eine eigene Halle umzuziehen. Dies war aufgrund der stark gestiegenen Stückzahlen dringend erforderlich.

Der Umzug ist Teil der Ausbaumaßnahmen am Firmenstandort in Hall in Tirol, an deren Ende die Vergrößerung der Hallenflächen auf über 84 000 m2 steht. Mit einem neuen Büro- und Logistikkomplex wurden die Voraussetzungen für weiteres Wachstum geschaffen. Bis zum Jahr 2021 investiert das Unternehmen insgesamt rund 60 Mio. Euro.

Schon heute sind in Hall über 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Sie produzieren und vertreiben über 180 verschiedene Holzbearbeitungsmaschinen mit 21 510 möglichen Ausstattungsoptionen, von der kleinsten Bandsäge bis zum großen CNC-Bearbeitungszentrum. Insgesamt beschäftigt die Felder Group über 1500 Menschen und ist in 84 Ländern der Welt aktiv. »Trotz der Größe sind wir durch und durch ein Familienunternehmen«, sagt Tamara Felder, die gemeinsam mit ihrem Bruder Alexander und den Cousins Patrick und Daniel die dritte Generation repräsentiert. Tamara Felder, 31, ist als Produktmanagerin u. a. für Plattenaufteilsägen, Breitbandschleifmaschinen und Kantenanleimmaschinen zuständig und hat auch den diesjährigen Messeauftritt auf der Ligna maßgeblich mitgestaltet. Sie ist seit mittlerweile zehn Jahren im Unternehmen.

Geschäftsführer der Felder Group, zu der die Felder KG und ihre rund 20 Tochterunternehmen zählen, sind Hansjörg und Martin Felder, die Söhne des Firmengründers Johann Felder, der im Jahr 1956 den Grundstein für den Betrieb legte.

Durch die Zusammenarbeit der zweiten und dritten Generation hat sich auch das Firmenkonzept weiterentwickelt, so Tamara Felder. »Es treffen zwei Welten aufeinander: die alte Welt mit Tugenden wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Vernunft, Vertrauen … Attribute, mit denen Kunden sich sicher fühlen. Mit der neuen Welt kommen Themen wie z.B. Vitalisierung, künstliche Intelligenz, anders sein und Offenheit hinzu. Aus diesen zwei Welten machen wir eine Schnittstelle. Diese Schnittstelle ist unser Erfolg«. Sie, ihr Bruder und ihre Cousins sind bereits nach dem Abitur, parallel zu Studium und Ausbildung ins Unternehmen eingestiegen und heute in leitenden Funktionen tätig. »Auch wir mussten uns beweisen wie jeder andere auch« beschreibt Tamara Felder den Werdegang des Quartetts im Betrieb. Dadurch brächten sie eben nicht nur die Qualitäten der »neuen Welt« mit, sondern stünden genauso für die traditionellen Werte des Familienunternehmens Felder.

Ihr Bruder Alexander ist in Marketing und Controlling tätig, er stehe z.B. für Handschlagqualität, verbunden mit einer großen Offenheit. Daniel, der älteste, ist Abteilungsleiter Einkauf und bringe ein großes Vertrauen mit, gepaart mit Leben und Erleben. Patrick ist Abteilungsleiter Betriebsmittelbau. Er begegnet allen im Betrieb auf Augenhöhe und zeichne sich durch seine Neugier aus. Sie selbst schließlich sieht sich als die Vernünftige, und die die etwas anders ist. »Um es auf den Punkt zu bringen: Wir sind geerdete Querdenker.«

»Die Branche mitgestalten«

Im Jahr 2019 hat sich Felder mehrheitlich an der Otto Mayer Maschinenfabrik in Loßburg beteiligt. Mayer produziert Plattenaufteilsägen für die Holz- und Aluminiumbearbeitung und ist seit vielen Jahren Fertigungspartner von Felder für Format-4-Plattenaufteilsägen. Diese werden auch zukünftig bei Mayer produziert, ebenso wie Sägen für die Alubearbeitung. Die langjährige und freundschaftliche Zusammenarbeit mit Partnern ist Teil der Unternehmensphilosophie von Felder. Im Fall Mayer kommt hinzu, dass es sich hier ebenfalls um ein gewachsenes Familienunternehmen handelt, das die gleiche Sprache spricht.

Das extrem breite und ausdifferenzierte Produktspektrum dürfte ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein. Felder begleitet den Tischler/Schreiner von Anfang an und kann bis hin zum breit aufgestellten Innenausbauer oder Serienfertiger immer die passende Maschine bieten. Beim Kontakt mit dem Kunden vor Ort setzt man sehr stark auf eigene Niederlasssungen, arbeitet aber auch punktuell mit dem Handel zusammen. Alleine in Deutschland ist Felder auf diese Weise in 28 Orten präsent, weltweit unterhält man 250 Verkaufsstellen.

Innovation braucht Mut

Dass Felder nicht einfach nur Maschinen bauen will, sondern den Anspruch hat, die Entwicklung der Branche maßgeblich mitzugestalten, stellt das Unternehmen zunehmend unter Beweis. Der erste Paukenschlag in dieser Hinsicht war die selbst entwickelte »Silent-Power«-Spiralmesserhobelwelle. Die aus einer Vielzahl einzelner, quadratischer Schneidplatten bestehende Messerwelle ist sensationell leise und weist extrem hohe Standzeiten auf.

Auf der diesjährigen Ligna nun sorgten gleich mehrere Neuentwicklungen für Gesprächsstoff. So wurde mit »Preventive Contact System« ein System vorgestellt, das die Unfallgefahr an Formatkreissägen drastisch reduziert. PCS erkennt die Annäherung der Hand ans Sägeblatt und senkt dieses innerhalb von Millisekunden unter den Tisch ab. Ein Meilenstein in Sachen Sicherheit, zu haben ab dem zweiten Quartal 2020 auf Maschinen der Baureihe »Kappa 550«.

Dass die auf der Ligna gezeigten Innovationen zeitnah verfügbar sind, ist Tamara Felder als Messeverantwortliche besonders wichtig. »Wir zeigen nur Lösungen, die wir innerhalb von sechs Monaten auf den Markt bringen« beschreibt sie die Marschroute.

Neben PCS war ihr persönlich die ebenfalls neu vorgestellte »GlueBox« für das Applizieren von PUR-Kanten wichtig. Die Idee: anstatt im Leimbecken wird der PUR als Klebestreifen zusammen mit dem Kantenband aufgebracht. Der Vorteil: das lästige Hantieren mit Leimbecken, Kleber und Stickstoffbehälter entfällt! Die genial einfache Idee ist bereits serienreif, was den Verkauf in Deutschland angeht, sind allerdings noch letzte patentrechtliche Fragen zu klären.

Wie weit der Blick nach vorn reicht, zeigte das auf der Ligna erstmals live zu erlebende »F4-Vision«: Maschinenbedienung mit Hilfe von Augmented Reality (»AR«). Dabei werden dem Bediener an der CNC über eine AR-Brille Informationen eingeblendet, die ihn bei der Arbeit unterstützen, z. B. beim Positionieren von Konsolen, Saugern oder Werkstück. Auch diese Entwicklung wird 2020 als Option für verschiedene Bearbeitungszentren verfügbar sein.

»Wir haben gelernt, sehr genau zuzuhören um, zu verstehen, was unsere Kunden wirklich brauchen« sagt Tamara Felder. Das Wissen um die Bedürfnisse des Marktes, verbunden mit der Kreativität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und dem Mut, neue Dinge dann auch zu tun, sind für sie wesentliche Faktoren für den Erfolg. »Unser Ligna-Motto ›Innovation braucht Mut‹, oder englisch ›Challenge your limits‹ kommt nicht von ungefähr, sondern soll genau dies zum Ausdruck bringen.«

Mit dem Einstieg der dritten Generation macht sich Felder auf zu neuen Ufern. Was bleibt sind die bewährten Werte eines Familienunternehmens, die Felder zu dem gemacht haben, was es heute ist. Hinzu kommt die Dynamik des Nachfolger-Quartetts, das mit seinen Ideen und Vorstellungen das Unternehmen mitgestaltet.


»Wir haben gelernt, sehr genau zuzuhören«. Drei Fragen an Tamara Felder

Frau Felder, als Produktmanagerin sind Sie maßgeblich an der Entwicklung der auf der Ligna gezeigten Innovationen wie z. B. der »GlueBox« beteiligt. Wie kam es dazu?

Eigentlich wollten wir schon zur Ligna 2015 etwas in dieser Richtung vorstellen, mussten aber damals kurz vor der Messe feststellen, das die Qualität unseren Ansprüchen nicht genügt. Der entscheidende Gedankenblitz kam uns dann auf einem Langstreckenflug in die USA beim Hantieren mit einer TippEx-Rolle. So entstand die Idee, eine Kassettenspule einzusetzen. Unter dem Strich sind solche Innovationen jedoch immer das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit am Detail in Kombinaton mit einem außergewöhnlichen Team.

Was ist für Sie persönlich das Erfolgsgeheimnis des Familienunternehmens Felder?

Wir verbinden die Tugenden eines Familienunternehmens wie Beständigkeit, Qualität und Verlässlichkeit mit einer großen Offenheit für neue Entwicklungen. Wir haben gelernt, sehr genau hinzuhören, was unsere Kunden wirklich brauchen und setzen diese Erkenntnisse zeitnah in marktreife Maschinenkonzepte um.

Wo sehen Sie Felder in zehn Jahren?

Es wäre schön, wenn unser Name zunehmend für Trends und Innovationen steht, die dem Anwender wirkliche Vorteile bringen. An Felder soll man in Sachen Holzbearbeitungsmaschinen einfach nicht mehr vorbeikommen.


Felder-Markenwelt

Neben der Kernmarke Felder runden Hammer im Einsteiger- und Format-4 im Premiumbereich das Produktportfolio ab. Mayer als Plattensägenhersteller zählt seit 2019 zur Felder Group. C-Tech steht für Maschinen zur Composite-Bearbeitung.

www.felder-group.com


dds-Chefredakteur Hans Graffé besuchte Felder im August 2019, am Tag eins nach der Betriebsruhe und dem Umzug der Kantenanleimmaschinen in die neue Halle. Mittlerweile läuft die Produktion dort auf Hochtouren.

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