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Fehlerfrei lackieren: Wasserlacke richtig angewendet

Tipps für die Praxis
Fehlerfrei lackieren mit Wasserlack

Wasserlacke haben in vielerlei Hinsicht noch nicht die Qualität lösemittelhaltiger Lacke erreicht. Nichtsdestotrotz lassen sich damit einwandfreie, hochwertige Oberflächen erzielen. Rafael Raaber gibt Tipps, wie Sie typische Fehler vermeiden.

Wasserlacke haben sich im Fensterbau, bei Treppen und Parkett etabliert. Im Möbel- und Innenausbau ist die Unsicherheit vieler Kollegen jedoch nach wie vor groß. Der Einsatz, insbesondere im Farbbereich, ist noch recht verhalten. Fakt ist jedoch: Wasserlacke verursachen geringere Emissionen als lösemittelhaltige Lacke. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden ihre Verbreitung daher weiter fördern und ihre Einsatzmöglichkeiten vergrößern.

Bernward Dickerhoff, Schreinermeister und Geschäftsführer der Werkstätten Dickerhoff GmbH aus Bochum, sieht die Entwicklung positiv: »Bei der Kundschaft punkten wir durch die kaum vorhandene Geruchsbelastung. Ein Vorteil ist auch, dass Wasserlack, der bei der Arbeit nicht verbraucht wurde, später wieder verwendet werden kann. Das ist bei PUR-Lack, der ja in der Regel zweikomponentig ist, nicht der Fall.«
Die Eigenschaften der Wasserlacke für den Möbel- und Innenausbau haben sich in den letzten Jahren bereits erheblich verbessert. Dennoch kann es zu Problemen kommen, wenn in Bezug auf Untergrund, Material, Geräte, Auftragsverfahren Umgebung nicht sauber gearbeitet wird. Die folgenden Ausführungen sollen helfen, typische Fehler zu vermeiden.
Untergrund: Oliver Reh, Schreinermeister und Inhaber der Tischlerei Albers, bringt es auf den Punkt: »Die Beschichtung kann nur so gut sein wie der Untergrund!« Diesen Satz kann man nur unterstreichen. Ich selbst habe ihn mir seit meiner Lehrzeit gemerkt und halte ihn mir immer wieder vor Augen. (vgl. Checkliste 1)
Material: Oliver Reh empfiehlt, nur im System eines Herstellers zu arbeiten. Produkte, die zu einem Beschichtungssystem gehören, sind aufeinander abgestimmt. Beachtet man dann noch die Technischen Merkblätter, hat man eine sichere Basis für eine erfolgreiche Beschichtung. Tischlermeister Bernward Dickerhoff weist darauf hin, dass man Lacke bei der Anlieferung immer kontrollieren sollte und unbedingt auf die frostfreie Lagerung zu achten ist (vgl. Checkliste 2, folgende Seite).
Geräte: Sind die Materialien entsprechend den Technischen Merkblättern der Hersteller vorbereitet und gezielt auf den zu bearbeitenden Untergrund angepasst, befasst man sich mit den Geräten, die zum Einsatz kommen. Wasserlack hat ein anderes Fließverhalten als lösemittelhaltiger Lack. Das erfordert eine Umstellung der gewohnten Arbeitsweise, der erforderlichen Geräte und Parameter, wie z. B. Düsengröße, Spritzdruck und Auftragsmenge. Heiko Gulich, Anwendungstechniker Holzinnenlack bei Remmers: »Wie bei allen Lacken, sollte je nach Material (Füller, Farblack oder Klarlack) eine geeignete Düse verwendet werden.«
Folgender Tipp für die Reinigung der Geräte nach dem Spritzen kommt von Hendrik van Dijk, Technischer Berater Zweihorn/Akzo Nobel Wood Coatings: »Beim Applizieren von Wasserlacksystemen muss besonders auf die Sauberkeit der Arbeitsgeräte wie z. B. Spritzpistole, Lackbecher, Luftschlauch und Druckluft geachtet werden. Diese sind häufig verunreinigt, was zu Lackierproblemen und einem schlechten Gesamtergebnis führen kann. Wir empfehlen, bei einem Wechsel des Lacksystems z. B. von Lösemittel- auf Wasserbasis, die Arbeitsgeräte gründlich zu reinigen und mit sauberem Wasser durchzuspülen.«
Auftragsverfahren: Heiko Gulich von Remmers hat noch folgende Tipps: »Wasserlacke weisen nach Applikation immer eine leichte Orangigkeit auf. Diese verschwindet aber im Zuge der Trocknung, da Wasserlacke von oben nach unten trocknen. Deshalb wird auch bei Wasserlacken nur auf gleichmäßige Nassfilme lackiert.«
Weiter ist zu beachten:
• Auslaufzeit gegebenenfalls mittels Wasserzugabe einstellen und regelmäßig reduzieren.
• Aufgrund der hohen Oberflächenspannung der Wasserlacke ist die Lackzerstäubung schwieriger als bei lösemittelhaltigen Lacken. Meistens muss mit einem höheren Spritzdruck gearbeitet werden. Die meisten Wasserlacke neigen zur physikalischen Antrocknung an Anlagenteilen, z. B. Applikationsgeräten und Lackdosierbehältern.
• Bei Wasserlacken empfiehlt sich grundsätzlich, lieber zweimal dünn als einmal zu dick zu lackieren. In vielen Fällen wirkt sich die Substraterwärmung vor der Lackierung positiv auf die Holzquellung aus. Dadurch kann die Wechselwirkung zwischen der Holzfaser und dem Wasser fast ausgeschlossen werden.
Bevor der Wasserlack aufgetragen wird, muss die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchtigkeit beachtet werden. Die Applikation von Wasserlacken muss in einer klimatisierten Lackierkabine bzw. in einem definierten Klimafenster erfolgen. Die Anforderungen der Hersteller bezüglich der Temperatur in der Lackierkabine können unterschiedlich ausfallen. Die optimale Verarbeitungstemperatur liegt zwischen 18 °C und 25 °C Raumtemperatur. Diese Mindestforderung betrifft auch die Lacktrocknung bei Raumtemperatur.
Die Luftfeuchtigkeit während des Applikationsprozesses kann das rheologische Verhalten des Wasserlackes stark beeinflussen. So können Luftfeuchtigkeiten von über 70 % die Lackantrocknung stark verzögern. Dadurch kann es zur Läuferbildung an senkrechten Flächen kommen. Aus diesem Grund empfiehlt sich ein Fenster zwischen 45 % und 65 % rel. Luftfeuchte. Dementsprechend ist für Luftaustausch zu sorgen, es muss geheizt bzw. entfeuchtet werden.
Heiko Gulich hat noch folgende Tipps: »Der Lackierraum sollte entsprechend vorbereitet sein, möglichst staub- und partikelfrei, sodass sich während der Antrocknungsphase keine Partikel in den Lackfilm niederlegen.« Die angegebene Trockenzeit der Hersteller ist einzuhalten. Nicht mit silikonhaltigen Handcremes, Rasierwasser und silikonhaltigen Schmierstoffen in Lackierräumen arbeiten. Auf eine gute Beleuchtung in der Lackierkabine achten.«
Fazit: Wasserlacke haben noch nicht die Eigenschaften und Qualitäten lösemittelhaltiger Lacke erreicht. Fehler in der Verarbeitung von Wasserlacken können ihre Ursache in Untergrund, Material, Geräten, Auftragsverfahren und Umgebung haben. Diese können vermieden werden, wenn die Technischen Merkblätter der Hersteller beachtet werden und nur im Beschichtungssystem eines Hersteller gearbeitet wird. Sinnvoll für den richtigen Umgang mit Wasserlacken sind zudem Kurse und Seminare, sowie der Austausch mit Kollegen.

Checkliste 1: Untergrund

• Werkstücke ausreichend klimatisieren. Sie müssen einen gleichmäßigen Feuchtegehalt aufweisen. Zu trockene Werkstücke können die Lacktrocknung extrem beschleunigen, so dass die Verfilmung nicht ordnungsgemäß abläuft
• Holz vor dem Lackauftrag wässern und schleifen. 180er- bis 220er-Körnung hat sich bewährt. Schleifstaub gründlich entfernen!
• Lackierte Oberfläche vor dem Zwischenschliff gut trocknen lassen
• Holzarten, bei denen Inhaltsstoffe gelöst werden könnten, mit einer lösemittelhaltigen Grundierung oder einem entsprechenden Füller auf Wasserbasis vorbehandeln
• Um bei MDF-Platten das Anquellen zu vermeiden, kann ein 2K-Wasserlack zum Einsatz kommen, wenn ein geeigneter Füller als Untergrund eingesetzt wird

Checkliste 2: Das Material

Lackgebinde: beim Öffnen Staub, Sägemehl usw. fernhalten. Nach Gebrauch sofort verschließen, um Hautbildung zu verhindern. Bei längerer Lagerung Material vor Gebrauch einer Einsatzprüfung unterziehen
• Wasserlacke vor der Verarbeitung immer sieben
Spezialverdünnung benutzen. Das vereinfacht die Verarbeitung und verbessert das Ergebnis
• Zum Rühren unbedingt Patentdisperser für schaumfreies und sicheres Einarbeiten der Härterkomponente verwenden
• Härter 1:1 mit Wasser vormischen und unter Rühren sofort in den Lack einarbeiten
• Vom Hersteller angegebene Verarbeitungszeiten einhalten

Checkliste 3: Die Geräte

• Für Klarlacke Becherpistole mit Düsengröße 1,8 mm benutzen, für Colorlacke 1,8 bis 2 und für Füller 2 bis 2,5 mm verwenden
Airless: einen Materialdruck von 80 bis 120 bar mit einer Düsengröße von 0,23 bis 0,28 mm benutzen
Airmix: Materialdruck 80 bis 100 bar, Düsengröße 0,28 bis 0,33 mm, Luftdruck 1,0 bis 2,0 bar
• Bei längeren Arbeitspausen die Düse durch Einhängen in Wasser oder Wasserverdünner feucht halten
• Spritzgeräte aus Edelstahl benutzen
• Trocken-, Filter-, Abscheid- und Absaugvorrichtungen aus nicht rostenden Werkstoffen verwenden
(Tipps 1 bis 4: Remmers)
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