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Ungeahntes Einsparpotenzial

dds vor Ort
Ungeahntes Einsparpotenzial

Dass sich mit einem einfachen Trick erhebliche Lackmengen einsparen lassen, erfuhr Hans Brantsch vom Fensterbauer Walter am letzten Tag der Betriebsweihnachtsferien. Auch die geforderte Qualität lässt sich damit leichter erzielen.

Da, wo sich sonst beim Augsburger Fensterhersteller Walter der Spritzroboter austobt, ist jetzt Jürgen Stecher, Anwendungstechniker des auf die Lackapplikation spezialisierten Unternehmens Wagner, mit einem Handspritzgerät zu Gange. Hans Brantsch, der Leiter der mit 15 Mitarbeitern besetzten Holzfenstersparte, sah eigentlich keine Notwendigkeit, irgendetwas beim Lackieren zu verändern, weil die vor zwei Jahren neu eingerichtete Oberflächenabteilung mit Fluttunnel und vollautomatischem Spritzroboter für verleimte Fenster und Leisten exakt die Oberflächenqualität erzielt, die er sich wünscht. Trotzdem durfte Jürgen Stecher am letzten Tag der Weihnachtsferien, an dem die Lackstraße nicht in Betrieb war, kommen und einen Verbesserungsvorschlag für die am Roboter installierte Spritztechnik aus dem Hause Wagner vorstellen.

Walter beschäftigt 70 Mitarbeiter und fertigt täglich 160 Kunststoff- sowie 25 Holz- und Holzalufenster. Vor fünf Jahren hat Hans Brantsch die Holzfensterfertigung von einer Winkelanlage auf das Weinig-Bearbeitungszentrum Conturex umgestellt. Der Fensterbauer ist überwiegend im Objektbereich tätig und beliefert aber auch Kollegen und Händler im Umkreis von rund 100 km. München ist für ihn ein wichtiger, aber auch anspruchsvoller Markt. Der jährliche Verbrauch an Acrylwasserlack von Adler liegt bei 11,5 t im Jahr.
Bei Walter durchlaufen die feingehobelten, aber ungeschliffenen Friese für die Kombination aus Grundierung und Imprägnierung mit einem Holzschutzmittel vor dem Verleimen zunächst den Durchlauffluter. Die verleimten Rahmen passieren zweimal die Kabine mit dem Spritzroboter. Das Spritzen erfolgt im Airmixverfahren bei 90 bar, 40 ° Spritzkegel, 30 cm Abstand, Düse 11. Es erfolgt nur ein leichter Zwischenschliff mit einem Exzenterschleifer am hängenden Fenster.
Jürgen Stecher hat das Airless-Handspritzgerät »Tempspray H 126« aufgebaut und den Trichter mit Lack befüllt. Ein Heizdraht im Schlauch heizt den durchfließenden Lack präzise auf eine zuvor eingestellte Temperatur auf. Für das Fensterlackieren empfiehlt er 60 °C: »So lassen sich erhebliche Mengen an Lack einsparen. Außerdem ist es noch leichter, eine hervorragende Oberfläche ohne Läufer zu erzielen.« Der heiße Lack ist dünnflüssiger und lässt sich folglich leichter, das heißt bei geringerem Druck, zerstäuben. Damit lässt sich auch der Spritzabstand um etwa ein Drittel verringern. Allein der geringere Abstand sorgt für erheblich weniger Overspray. Darüber hinaus lässt der um rund 35 Prozent auf 60 bar reduzierte Materialdruck weniger Lackpartikel wieder abprallen. Das macht sich vor allen bei Sprossen oder der Schmalfläche neben dem Glasfalz bemerkbar. Sobald der Lack zerstäubt ist, die Pistole also verlassen hat, kühlt er schlagartig ab und nimmt wieder die ursprüngliche, hohe Viskosität an, die der Bildung von Läufern entgegen wirkt. Bevor Jürgen Stecher die Heizung jedoch einschaltet, zeigt er an einer Spanplatte, wie sich der vielleicht 10 °C kalte Lack bei 120 bar spritzen lässt. Die Fläche ist zunächst etwas unruhig und zeigt Bläschen. Nach wenigen Minuten ist sie jedoch einwandfrei zu einem sauberen Film verlaufen. Jetzt wiederholt er das gleiche bei 60 °C Lacktemperatur und 80 bar. Mit der Pistole geht er viel näher heran und erzeugt sichtlich weniger Overspray. Kleine Bläschen und Unregelmäßigkeiten entstehen erst gar nicht. Nachdem Jürgen Stecher dann noch ein Sprossenfenster mit einer Schichtdicke von 300 μm lackiert hat, war Hans Brantsch, sowohl von der Lackersparnis, als auch von der Oberflächenqualität überzeugt, zumal das Vorführgerät in der Airless-Ausführung eigentlich gröber zerstäuben müsste, als die Airmix-Pistole am Roboter. Der nächste turnusmäßige Schlauchwechsel steht bei Walter im Herbst an. Dann will Hans Brantsch die 1500 Euro für den beheizten Schlauch investieren und die Parameter am Roboter entsprechend korrigieren. Aus seiner Beobachtung heraus rechnet er mit einer Lackersparnis von mindestens 20 Prozent.

Projektbeteiligte

Anwender: Karl Heinrich Walter GmbH & Co. KG, 86165 Augsburgwww.walter-fensterbau.de
Spritztechnik: J. Wagner GmbH www.wagner-group.com
Lack: Adler-Werk GmbH & Co. KG www.adler-lacke.com
Anlagentechnik: Range & Heine GmbH, www.range-heine.de

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dds-Redakteur Georg Molinski war bei der Vorführung dabei und konnte sich selbst davon überzeugen, dass mit heißem Lack weniger Overspray entsteht und sich auch ohne Airmix ein einwandfreier Film bildet.

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Walter Fensterbau
»Der heiße Schlauch spart viel Lack. Bläschen, die zwar später verlaufen, entstehen erst gar nicht.«
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