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Standardmaschinen morgen

Standardmaschinen morgen
Nur noch eine Nebenrolle?

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»Standardmaschinen werden ihrem Namen immer weniger gerecht. Dennoch sind sie auch morgen nicht wegzudenken.«Willi Brokbals
Standardmaschinen sind sein Metier: Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern und langjähriger dds-Autor, über Bedeutung und Zukunft von Formatkreissäge, Tischfräse und Co.

Herr Brokbals, muss der Arbeitsvorbereiter bei einer CNC-Fertigung gründlicher arbeiten als bei konventioneller?

Ja, wenn er das Programm erstellt, muss er jedes Detail berücksichtigen. Wenn das bereits in der AV geschieht, läuft der Betrieb in der Werkstatt runder.

Wie sind die Betriebe Ihrer Schüler organisiert?

Wenige, vor allem größere Schreinereien erstellen das Produkt via CAD/CAM zunächst virtuell im Büro und durchdenken dabei zwangsläufig jedes Detail. In den meisten Betrieben läuft die Arbeit in der Werkstatt bestenfalls nach Zeichnung. Üblich sind jedoch viel grobere Angaben wie etwa eine Skizze für einen Schrank, aus der die Größe und die Aufteilung in Fronten und Schubkästen hervorgeht. Das funktioniert für das Gros des Alltagsgeschäfts erstaunlich gut, denn vieles, wie etwa das Bohrbild eines Küchenunterschrankes, wiederholt sich immer wieder.

Bei welcher Art Schreinerei würden Sie sich heute als junger Geselle bewerben? Wollten Sie lieber in der Fertigung oder im Büro arbeiten?

In der Werkstatt! … Obwohl mich das andere auch reizt. Aber jetzt nach den vielen Jahren als Fachlehrer bin ich in der Schreinerei nicht mehr zu gebrauchen, ich wäre bestimmt zu sehr Fachidiot. Für die Ausbildung würde ich mich jedoch bei einem Wald-und-Wiesenschreiner bewerben. Von da aus steht der Weg in die automatisierte Welt immer offen. Wenn mir jedoch die handwerklichen Grundlagen fehlen, tue ich mich trotz CAD/CAM und CNC schwer.

Welche Rolle spielen heute die Standardmaschinen?

Die Standardmaschinen sind für mich nach wie vor die Basis, allerdings kann ich mit einer CNC und den Maschinen zur Plattenbearbeitung ein anderes Spektrum bedienen. Dann brauche ich sicher auch nicht mehr alle Standardmaschinen. Ein reiner Plattenverarbeiter braucht nicht unbedingt Hobelmaschinen. Da Massivholz sowieso weiter zurückgeht, befürchte ich, dass damit auch die Standardmaschinen ins Hintertreffen geraten. Allerdings lässt sich nicht alles sinnvoll auf der CNC erledigen. Für Laufmeter brauche ich weiterhin die Tischfräse.

Die Frage, CNC oder Standardmaschine, stellt sich also nicht mehr?

Nein, vor allem für plattenlastige Betriebe nicht. Die CNC ist nämlich in vieler Hinsicht überlegen. Sie ist aber auch immer noch eine relativ teure Maschine, die wirtschaftlich auch ausgelastet sein muss. Die Standardmaschinen sollten daher in solchen Betrieben die Nebenrolle einnehmen und die CNC ergänzen.

Was spricht denn noch für die Standardmaschine?

Die Betriebe sind meiner Meinung nach nicht nur nach Platte und Massivholz, sondern auch nach konventionell und CNC zu klassifizieren. Der, der sich bewusst gegen die CNC entscheidet, hat natürlich auch viel günstigere Stundensätze, wird weniger fertig beschichtete Platten verarbeiten und gegenüber den Kunden ganz anders auftreten. Viele Kunden suchen genau so einen Schreiner. Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen und in der klassischen Werkstatt sehen, wie ihr Möbelstück entsteht.

Also wird es doch noch Hauptrollen für Standardmaschinen geben?

Ja! Die Betriebe lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Bei dieser Frage stoßen verschiedenste Welten aufeinander. Das lasse ich gewähren und freue mich über die Vielfalt der Betriebe.

Was sollten die Hersteller bei Standardmaschinen verbessern?

Ich wünsche mir kleinere, platzsparende Maschinen. Dass eine Dickte doppelt so breit sein muss wie die Hobelbreite, kann ich nicht nachvollziehen. Außerdem vermisse ich oft eine Zentralschmierung.

Sind die Bedienoberflächen gut?

Nein, nicht immer. Hier sehe ich Nachholbedarf. Ein ehemaliger Schüler wollte eine High-End-Tischfräse kaufen. Das Geschäft scheiterte daran, dass der Hersteller nicht willens oder in der Lage war, eine Verbesserung in der Steuerung umzusetzen. Der Wunsch war, die Ist-Position des Werkzeugs als Nullpunkt zu speichern, um von da aus zu verfahren, beispielsweise um die Falztiefe und die Falzhöhe . Ein einzelner Hersteller kann so etwas alleine wohl nicht stemmen. Jede kleinste Änderung bringt nämlich einen Rattenschwanz an Prüfungen und Zertifikaten mit sich. Den Kern der Steuerung sollten daher mehrere kleinere Hersteller gemeinsam entwickeln, sodass jeder von ihnen besser auf solche Kundenwünsche eingehen kann.

Welchen Raum nehmen Standardmaschinen an der Meisterschule Ebern ein?

Einen großen. Zwei Drittel entfallen auf die Standardmaschinen, eines auf die CNC, die Plattensäge und die Kantenanleimmaschine. Gerade bei den Standardmaschinen gibt es noch viel nachzuholen. Selbst das einfache Einsatzfräsen bereitet noch vielen Probleme.

Liegt das an fehlender Gesellenzeit?

Auch, insgesamt hat das Interesse aber auch nachgelassen. In den 80er-Jahren waren meine Schüler entweder eingeschworene Martin- oder Altendorffans. Frage ich heute einen Schüler, mit welcher Maschine er gerade gearbeitet hat, zuckt er die Achseln.

Wie steuern Sie dagegen?

Mein Ziel ist es, die Grundlagen zu verinnerlichen. Das geht hervorragend mit den Standardmaschinen. Wer die beherrscht, kommt überall zurecht.

Das Interview führten die dds-Redakteure Georg Molinski und Johannes Niestrath.

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