Maschinen & Anlagen

Spirale nach oben

Als Stellplatzfresser verrufen, haben Abrichte und Dickte einen schweren Stand. Die Maschinenhersteller reagieren mit Innovationen. Willi Brokbals stellt sie in einer Dreierfolge vor: jetzt und hier Teil 1 Die Hobelwelle, später Teil 2 Die Abrichte und Teil 3 Die Dickte.

Abrichte und Dickte haben einen immer schwereren Stand, sind inzwischen als Stellplatzfresser verrufen und kommen nur noch dann zum Einsatz, wenn die Werkstücke für die Kehlmaschine oder den Vierseiter zu groß sind. Die Maschinenhersteller haben sich vieles einfallen lassen, um diese Basismaschinen wieder aufzuwerten. Wesentliche Verbesserungen gibt es bei der Hobelwelle. Sie hat die Oberflächenqualität und den Schleifaufwand zu verantworten.

Keilleisten-Messerwelle. Der Klassiker unter den Messerwellen mutiert im deutschsprachigen Raum zum Auslaufmodell, da das Verhältnis von Standweg zu Rüstkosten nicht mehr zeitgemäß ist. Zwei bis vier einseitig schräge Nuten in der Stahlwelle nehmen die Keilleisten mit ihren metrischen Schrauben und das Streifenhobelmesser auf. Obwohl beim Messerwechsel 30 Minuten und mehr verstreichen, erzielt man nicht die Genauigkeit anderer Systeme. Für diese Messer gibt es jedoch eine breites Angebot an unterschiedlichen Schneidenwerkstoff-Qualitäten.
Wendemesserwellen. Seit Jahren haben sich Wendemesserwellen etabliert. Auch hierfür sind verschiedene Schneidenwerkstoffqualitäten erhältlich. Mit Systemen von Brück und Barke lassen sich alte Maschinen nachrüsten. Statt des Streifenmessers mit Keilleiste nimmt die normale Messerwelle einen Träger mit Bolzen, Magneten und entsprechend gelochtem Wendemesser auf. Die Messerwechselzeiten der Hobelwelle reduzieren sich damit erheblich.
Felder und Format-4 wiederum nutzen ihre eigene Wendemesserwelle, bei dem das Messer direkt auf die Keilleiste geklipst wird. Die mit Inbusschrauben geklemmte Keilleiste steht im Nutgrund der Welle auf und bewirkt damit einen immer gleichen Schneidenüberstand. Mit »Variplan« (Bild 1) bietet Leitz eine Sonderform des Wendemessersystems. Auf der Holz-Handwerk war jedoch keine damit ausgestattete Maschine zu finden. Nach dem Lösen einer Innensechskant-Schraube lässt sich das Messer entnehmen und wenden. Die Spannmechanik rückt auch nachgeschärfte Wendemesser automatisch auf den Soll-Schneidenflugkreis.
Fliehkraft-Spannsysteme. Die »Tersa-Welle« (Bild 2) vom Schweizer Hersteller Samvaz liegt in der Käufergunst immer noch vorn. Die Fliehkraft spannt die Wendemesser auf ein Hundertstel Millimeter genau. Der Wechsel ist denkbar einfach: Keilleiste durch einen leichten Schlag absenken, Messer herausziehen, wenden, einschieben, Maschine einschalten. Die Messer sind zwar teuer, jedoch fallen mit zwei Minuten Wechselzeit für vier Messer kaum Rüstkosten an.

Der Standard von heute

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es neben Tersa weitere Anbieter mit eigenen Fliehkraft-Spannsystemen gibt, die jedoch nicht bei den auf der Holz-Handwerk präsentierten Maschinen zu finden waren: Firma Kanefusa (Enshin, Bild 3) und Firma Terminus.
Spiralmesserwelle. Die mit durchgehenden, nachschärfbaren HS-Messern bestückte Hobelmesserwelle von Leitz gilt seit Jahren als Exot. Die Messer sind auf spiralförmig gewundene Keilleisten geschraubt. Obwohl die Vorteile (verbesserte Schneidenwinkel, geringer Schnittdruck, besseres Hobelergebnis, Lärmreduzierung) immer wieder gepriesen wurden, hat sie sich nicht durchgesetzt.
Segmentierte Spiralmesserwelle. Ebenfalls seit vielen Jahren vertreibt der amerikanische Produzent Shelix Spiralmesserwellen, die mit vielen kleinen Wendemessern bestückt sind. Zu finden war diese Welle in Breitband-Schleifmaschinen, aber auch in Hobelmaschinen von Martin. Jedoch fristeten sie hier, ähnlich wie die durchgehenden Spiralmesser, ein Schattendasein.
Felder/Format-4 erkannte die Vorteile der segmentierten Messerwelle und stieß mit einer eigenen Entwicklung auf der Ligna 2013 eine lebhafte Diskussion an: Zwischen den beiden Extremen »ein Quantensprung beim Hobeln« und »ausgemachter Blödsinn« finden sich alle Schattierungen unterschiedlicher Meinungen.
Dass Vorteile auch von anderen Maschinenherstellern ausgemacht wurden, zeigt die Tatsache, dass mittlerweile vier Hersteller eigene Entwicklungen der segmentierten Spiralmesserwelle anbieten: Format-4 aus der Feldergruppe, Martin, Hofmann und Panhans-Hokubema (Bild 4 bis 8).
Noch sind nicht alle Vor- und Nachteile dieser Wellen ausgelotet, doch scheinen die Vorteile zu überwiegen. Die Lärmemission sinkt um 10 dB, eine gefühlte Halbierung der Lautstärke. Die Absaugung ist lauter als die Maschine, womit der Schwarze Peter weitergereicht ist. Wegen des Lärms hatten die Maschinenhersteller die Drehzahlen um 500 bis 1000 min-1 gedrosselt und damit auch die Hobelergebnisse verschlechtert. Mit der leisen Spiralmesserwelle nehmen die Hersteller die Drosselung wieder zurück. Bei 125 mm Wellendurchmesser arbeiten Format-4 und Martin mit 6000 min-1 (39,3 m/s) sowie Hofmann und Panhans-Hokubema mit 5000 min-1 (32,7 m/s).

Der Standard von morgen

Alle Hersteller verwenden Hartmetallschneiden (HW), jedoch mit unterschiedlichen Geometrien. Der Standweg ist viel höher und die Hobelergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: sehr glatte Oberflächen mit feiner Hobelstruktur, bei harten und weichen Hölzern, für die der Keilwinkel mit etwa 50 bis 60° eigentlich nicht ideal ist. Besonders beeindruckt, dass im Umfeld verwachsener Äste und bei Problemhölzern wie Robinie die typischen Ausrisse fast nicht auszumachen sind. Durch die kurzen Schneidenlängen entstehen kleine Späne, die deutlich weniger Volumen im Spänebunker benötigen als die von herkömmlichen Messerwellen erzeugten Späne. Ein Effekt, der auch die Kunststoffverarbeiter freut, die beim Hobeln breiter Flächen Probleme hatten, die langen Späne zu entsorgen. Mit den HW-Schneiden lassen sich MDF, Multiplex, Massivholz und ähnliche Materialien im Wechsel nahezu ohne Qualitätseinbußen zu hobeln. Lose, schwarze Äste können allerdings zu Schneidenausbrüchen führen.

Vier Hersteller, vier Wellen

Die dds-Marktübersicht fasst die Eigenschaften der vier Spiralmesserwellen von Format-4, Hofmann, Martin und Panhans zusammen:
»Format-4 (Silent-Power)« ordnet die ballig geformten Wendemesser Stoß an Stoß auf zwei stark gewundenen Spiralen an. Auch »Martin (Xplane)« kommt mit zwei Spiralen aus, doch sind diese weniger stark gewunden und die Wendemesser, mit ebenfalls balligen Schneiden, haben etwa 2 mm Abstand zueinander. Die jeweils gegenüberliegenden Messer sind so versetzt angebracht, dass sie diese Zwischenräume überbrücken. Laut Hersteller werden durch die balligen Schneiden bessere Hobelergebnisse und weichere Übergänge erzielt, als mit geraden. »Hofmann (Helix)« hat seine Messerwelle mit vier stark spiralförmig gewundenen Messerreihen ausgestattet, »Panhans« sogar mit sechs. Bei beiden Herstellern liegen die geraden Schneiden mit den drei nicht genutzten Schneiden mit etwa 10 mm Abstand zueinander in ausgefrästen Taschen.
Hobelmesserwellen dürfen keine Schneiden haben, die über die äußerste linke Kante des Aufgabe- oder Abnahmetisches hinaus stehen. Dies erreichen die Hersteller durch Einzelmesser, die am Wellenende außerhalb der Spirale auf dem Umfang in einer eigenen Aufnahme angebracht sind. Die Schneide wird so eingebaut, dass die linke Spitze mit dem Wellenende abschließt.
Schneidenwechsel an der Hobelwelle
Zeichnet sich eine Scharte auf dem Hobelgut ab, werden die entsprechenden Messer entnommen, der Plattensitz gereinigt und das Messer, um 90° gedreht, wieder angeschraubt. Hofmann und Format-4 haben zur besseren Kontrolle der schon genutzten Schneiden jede Messerecke mit einer Nummer versehen, Panhans und Martin markieren nur eine der vier Messerecken.
Einigkeit herrscht bei allen Herstellern, dass die Messer und die Anlageflächen der Messerwelle beim Messereinbau vollständig gereinigt sein müssen, doch über die Anzugmomente der Torx-Schrauben gehen die Meinungen auseinander: Panhans gibt ein Drehmoment von 2,8 Nm und Format-4 von 5 Nm vor und bietet entsprechende Drehmomentschlüssel an (Bild 9). Martin und Hofmann haben in Versuchen festgestellt, dass unterschiedliche Drehmomente beim Messereinbau keine Auswirkungen auf die Hobelergebnisse haben. Hofmann empfiehlt, einen Akkuschrauber auf fünf Newtonmeter Anzugmoment einzustellen und damit die Schrauben einzudrehen.
Folgekosten
Muss bei durchgehenden Schneiden das Messer nach Ausbrüchen komplett gewechselt werden, haben die 15 mm langen Einzelschneiden der Spiralmesserwelle noch drei weitere zur Verfügung. Der wesentlich höhere Standweg der Hartmetall-Schneide gegenüber einer HS-Schneide macht einen Wechsel entsprechend seltener erforderlich. Bei zwei Spiralen je Messerwelle müssen die auf demselben Flugkreis liegenden Messer gewechselt werden, bei vier oder sechs Spiralen kann es leicht die doppelte oder dreifache Anzahl sein. Format-4 und Martin arbeiten mit speziell für deren Wellen hergestellten Messern und die beiden anderen Hersteller mit Standardware, was sich in den Kosten niederschlägt. Auch die Zahl der Messer je Hobelwelle ist sehr unterschiedlich. Für eine Hobelwelle mit 500 mm Arbeitsbreite benötigt Format-4 76 Messer, Martin 58 Messer, Hofmann 88 und Panhans 120 Messer.
Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, spielt eventuell mit dem Gedanken, seine alte Hobelmaschine mit einer Spiralmesserwelle auszustatten. Die Firma Hoffmann sieht darin kein Problem, für Format-4 ist es ausgeschlossen, Martin hält das für problemlos, da die gesamte Welle in eigener Fertigung produziert wird. In jedem Falle bestehe die Möglichkeit, Maschinen der Firma Martin umzurüsten. Recht diplomatisch formuliert es die Firma Panhans: „… nur in besonderen, passenden Fällen …“

Das Bessere ist der Feind des Guten

Die Fliehkraft-Messerwelle vom Marktführer Tersa hat sehr ernstzunehmende Konkurrenz bekommen. Denn es gilt immer noch: Das Bessere ist der Feind des Guten. Die segmentierte Spiralmesserwelle wird kein Schattendasein führen, sondern einen erheblichen Marktanteil erobern. Es werden neue Systeme hinzukommen, derzeit aktuelle werden verbessert oder wieder verschwinden. In jedem Fall hat diese Technologie das Zeug, zum neueren Standard der Hobelwelle zu werden.

Hohlfuge hobeln

Ach So!

Die für Leimholzplatten begehrte Hohlfuge entsteht beim Abrichten, wenn der Aufgabe- und der Abnahmetisch nicht parallel zueinander verlaufen. Sie sollen zusammen einen leichten Berg bilden.

Willi Brokbals

3541609

»Viele kleine Messer entlang einer Spirale. Dieses Prinzip hat das Potenzial für einen neuen Standard.«
Fachlehrer an der Meisterschule Ebern

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