Kapp- und Gehrungssäge GCM 12 GDL Professional von Bosch

Im Härtetest

Willi Brokbals und Rudolf Porzelt, Fachlehrer an der Meisterschule für Schreiner in Ebern, haben die Kapp- und Gehrungssäge GCM 12 GDL Professional von Bosch getestet und Stärken und Schwächen entdeckt.

Willi Brokbals, Rudolf Porzelt Meisterschule für das Schreinerhandwerk, Ebern

Mit der Kappsäge GCM 12 GDL lassen sich Gehrungen zwischen plus 60° (rechts) und minus 52° (links) schneiden. Gleichzeitig ist das Aggregat nach rechts und nach links 47° neigbar: Schifterschnitte sind somit möglich. Nach dem Lösen einer einfachen Verriegelung kann das Aggregat wie bei einer Radialsäge vorgezogen werden, um Paneelbretter bis 341 mm Breite zu trennen.

Der erste Eindruck

Die Kappsäge macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck. Sie ist in Bosch-Blau und Grau gehalten; alle Bedienelemente sind rot und eindeutig erkennbar. Das Sägeblatt (Ø 305 x 2,3/1,8 mm, Bohrung 30 mm, Wechselzahn, Z72, Spanwinkel –5°) ist bereits montiert.
Im gut zu greifenden, gummierten Handgriff ist der rote Schalter integriert, der durch leichtes Eindrücken den Motor sanft anlaufen lässt. Mit dem Daumen kann gleichzeitig die Kippverriegelung des Aggregates freigegeben werden. Beim Senken des Sägeblattes wird der in der Ruhestellung vollständig von einem Acrylglas-Schutz verdeckte Zahnkranz freigegeben. Mit einem kleinen, sinnvoll hinter dem Handgriff angebrachten Kippschalter lassen sich zwei auf Schnittfugenbreite justierbare Laserlinien zuschalten, die den Schnittverlauf anzeigen. Bei der Testmaschine waren die roten Linien bereits nach wenigen Einsätzen so blass, dass sie fast nicht mehr sichtbar waren.
Dies führte zu einem überraschenden neuen Problem: Zum Sägen nach Riss wird das stillstehende Sägeblatt bis knapp über das Werkstück abgesenkt, das Werkstück verschoben, bis Riss und Sägezahnflanke übereinstimmen, und der Ein-Schalter betätigt. In dem Moment wird der Motor durch seine große Anlaufkraft ruckartig nach unten gedrückt. Das Sägeblatt tritt plötzlich und ungewollt ins Werkstück ein.

Tisch und Anschlagsystem für die Kappsäge

Der Maschinenständer aus Aluminium hat rechts und links je eine herausziehbare Tischverbreiterung. Nach dem Lösen eines Exzenterspanners lässt sich die etwa 120 mm breite Werkstückauflage um 200 mm verlängern. Der nur an der rechten Verlängerung angebrachte Anschlag klappt nach dem Lösen einer Sternschraube nach unten. An der linken Tischverlängerung sind Gewindebohrungen, um den Anschlag auch hier montieren zu können. Wer ihn häufig an beiden Seiten der Kappsäge nutzt, sollte einen zweiten bestellen, da nach dem vierten Umbau dieser Anschlag bezahlt ist.
Die Anschlaglineale rechts und links des Sägeschnittes sind zweigeteilt: Das 25 mm hohe Unterteil ist fest mit dem Maschinentisch verbunden, das etwa 85 mm hohe Oberteil ist 200 mm nach außen verschiebbar. Geführt wird diese obere, nur etwa 4 mm dicke Anschlagschiene aus Aluminium in einer Nut an ihrer Unterseite und wird dort mit einem kleinen Exzenterhebel geklemmt. Sie ist mit wenigen Handgriffen abnehmbar und hat zur Befestigung hölzerner Anschläge jeweils zwei Bohrungen. Alle Anschlaglineale haben zwar keine Skala, doch in 5-mm-Abständen schwarz gefärbte, 1,3 mm breite Nuten, die als grobe Anhaltspunkte dienen können. Bedingt durch die Konstruktion und die Materialwahl steht das Anschlagsystem nicht rechtwinklig zum Maschinentisch und auch nicht in einer Flucht.

Winkel- und Schifterschnitte

Zum Schwenken des Sägeaggregats in horizontaler Richtung wird ein handlicher Drehknauf, der gleichzeitig als praktischer Verstellgriff dient, gelöst und eine Kunststoffwippe gedrückt, deren Zunge unterhalb des Maschinentisches in die häufig verwendeten Winkelpositionen (15°, 22,5°, 31,6°, 45° rechts und links, 60° rechts) einrastet. Ist die gewünschte Rastposition erreicht, wird die Einstellung mit dem Drehknauf fixiert. Das Einrasten lässt sich durch Umlegen einer zweiten Wippe elegant ausschalten. Mit dieser Einstellung lässt sich die gut lesbare Gradeinstellung zwischen den Maximalwerten in jeder Position mittels Drehknauf klemmen. Angenehm: Beim Andrehen des Knaufs bleibt der eingestellte Wert exakt. Unangenehm: Die Abweichungen im hinteren Anschlagsystem lassen keine exakten Winkelschnitte zu. Zwei Gehrungen, die wir mit der 45°-Einstellung sägten und verleimten, ergaben einen Winkel von 89,6° statt 90°. Etwas besser waren die Ergebnisse bei Schifterschnitten, wenn das Aggregat um die vertikale Achse geschwenkt wird.
Wir trennten ein Buchenbrett, Querschnitt 120 x 40 mm, mit der Einstellung Kappen und der Funktion als Zugsäge. In beiden Fällen zeigten sich Abweichungen vom rechten Winkel, bezogen auf die Tischebene. Zur Veranschaulichung verdrehten wir eine Schnittfläche um 180° und stellten sie auf die nicht gedrehte Fläche: Die Abweichung war gut mit bloßem Auge erkennbar.

Werkstückklemmung

Bei einer Kappsäge ist die Versuchung groß, selbst kurze Werkstücke während des Trennens mit den Fingern dicht neben dem Sägeblatt festzuhalten. Um diese Gefahr einzuschränken, liefert Bosch einen einfachen Niederhalter: Ein stählerner Rundstab (Ø 15 mm) wird in eine Bohrung hinter dem rechten oder linken Anschlag in die Maschinenbasis aus Aluminium eingesteckt. Von oben wird nun ein 140 mm langer Ausleger aufgesteckt. An dessen 95 mm über den Anschlag hinaus ausladendem Ende ist eine Gewindespindel (M12) mit gummiertem Druckteller, die mit einem Sterngriff verstellbar ist. Der Ausleger wird gesenkt, bis der Druckteller auf dem Werkstück aufliegt. In dieser Position wird er mit einem Sterngriff am Rundstab geklemmt und die Sternschraube gedreht, bis das Werkstück sicher gehalten wird. Obwohl der Rundstab am unteren Ende eine Kreuzrändelung hat, die ihn durch Verkanten in der Bohrung sichern soll, zog er sich beim Spannen des Werkstückes immer wieder heraus. Sicheres Halten des Schnittgutes war deshalb nicht immer möglich.

Alles in allem

Kleine Querschnitte lassen sich mit dem gelieferten Sägeblatt gut trennen, doch sollte Bosch die Steifigkeit des Maschinenständers verbessern, damit planes Auflegen der Werkstücke gewährleistet ist. Auch das Anschlag- und das Spannsystem haben noch Schwächen, die der Aufmerksamkeit der Entwickler bedürfen. Insgesamt hat uns die GCM 12 GDL Professional nicht überzeugt.

Kompakt Bosch GCM 12 GDL Professional
  • Nennaufnahme 2000 W
  • Leerlaufdrehzahl 3800 min-1
  • Kreissägeblatt Nenn-Ø 305 mm
  • max. Schnittbreite 341 mm
  • max. Schnitthöhe 104/110 mm
  • Gewicht 32,1 kg
  • Preis 1199 Euro zzgl. MwSt.

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