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Kabel sterben aus

Maschinen & Anlagen
Kabel sterben aus

Metabo geht mit seinen Elektrowerkzeugen konsequent den Weg hin zur kabellosen Baustelle. Ein Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Horst W. Garbrecht und seinem Entwicklungsleiter Volker Siegle über die dazu notwendige Entwicklung der Akkutechnik.

In den letzten Jahren war Metabo Vorreiter bei der Einführung neuer Lithium-Ionen-Akkus mit immer mehr Kapazität. Bosch will im Januar 2015 als erster Hersteller Akkus mit 6,0 Ah einführen. Ist Ihnen diesmal Bosch zuvorgekommen?

Horst W. Garbrecht: Unser Fokus liegt aktuell nicht auf der reinen Kapazitätsausweitung. Spätestens seit 5,2 Ah ist Kapazität in vielen Bereichen nicht mehr das große Thema. Und wo sie nach wie vor ein Engpassfaktor ist, geht es nicht um die Kapazität allein. Bei sehr leistungsintensiven Anwendungen wie beispielsweise dem Trennen und Schruppen mit Winkelschleifern oder Längsschnitten mit der Handkreissäge ist neben einer großen Kapazität die Fähigkeit gefragt, dauerhaft höhere Ströme zu liefern. Nur dann können wir noch stärkere akkubetriebene Maschinen herstellen. In diesem Punkt ist der aktuell verwendete Zelltyp an seinen Grenzen – und deshalb arbeiten wir an einer ganz neuen Generation von Akkus, die wir im Sommer auf den Markt bringen werden.
Um welche Ströme geht es dabei?
Volker Siegle: Die derzeit von uns eingesetzten Akkuzellen ermöglichen einen Dauerstrom von 20 bis 25 A pro Zelle. Es sind aber auch Akkuzellen auf dem Markt, die gerade mal 15 A oder weniger verkraften. Das ergibt dramatische Leistungsunterschiede.
Wie sieht denn die angekündigte Alternative von Metabo aus?
Garbrecht: Um einen großen technologischen Sprung zu schaffen, braucht es grundlegende Veränderungen beim Aufbau der Akkuzellen. Mit der nächsten Generation wollen wir die Leistungsfähigkeit um 30 Prozent erhöhen. Statt bisher maximal 25 A wird diese neuartige Akkuzelle 32 bis 33 A Dauerstrom verkraften. Parallel dazu wird auch die Kapazität steigen – aber das ist quasi ein positiver Nebeneffekt.
Siegle: Wir reden hier von cirka 65 A bei einem Akkupack mit jeweils zwei parallel geschalteten Zellen. Bei 18 Volt entspricht das einen Wechselstrom-Äquivalent (x 1,1) von 1300 Watt. Bei 36 Volt sind es sogar 2600 Watt. Das ermöglicht endlich vollkommen neue Anwendungen für Akkuwerkzeuge.
Was ist das Geheimnis dieser neuen Akkugeneration?
Siegle: Wir arbeiten traditionell sehr eng mit den Forschungsabteilungen der Zellenhersteller zusammen. In diesem Dialog haben wir unsere Anforderungen klar in Richtung Hochstromfähigkeit formuliert. Dazu musste der konstruktive und elektrische Aufbau der Zelle von Grund auf neu gemacht werden, damit die hohen Ströme geliefert werden können, ohne die Zelle thermisch zu schädigen. Gleichzeitig haben wir früh festgestellt, dass der Austausch der Zellen allein nicht ausreicht. Die deutlich verbesserte Hochstromfähigkeit verlangt auch beim Aufbau des Akkupacks neue Ansätze, weil die bisherigen Konstruktionen einen Dauerstrom von 65 A nicht verkraften. Der künftige Akkupack muss dennoch voll kompatibel zu den bisherigen Maschinen und Ladegeräten sein.
Ein wichtiger Grund für die Kompatibilität und Flexibilität unserer Akkuschnittstelle ist die Ultra-M-Technologie. Bei uns ist der Akku der Master. Das heißt, die Elektronik im Akkupack steuert das Ladegerät. Wäre es umgekehrt, dann ist irgendwann Schluss. Das haben Wettbewerber in der Vergangenheit schmerzlich erleben müssen.
Garbrecht: Mit der neuen Akkugeneration, die wir im Sommer einführen, sind wir einen großen Schritt weiter auf dem Weg zur kabellosen Baustelle. Mit dem neuen 36 Volt-Akkupack sind nicht nur der bereits angekündigte Zweihand-Winkelschleifer, sondern auch Geräte wie Tischkreissägen oder 5 kg-Bohrhämmer künftig mit Akku realistisch.
Wie sehen Sie die Zukunft der Akkutechnik bei Elektrowerkzeugen?
Garbrecht: Irgendwann wird jedes Elektrowerkzeug akkubetrieben sein. Und weil es immer mehr kabellose Geräte auf der Baustelle gibt, passiert etwas Dramatisches: Da die Akkugeräte der verschiedenen Hersteller nicht untereinander kompatibel sind, hat der Kampf der Systeme längst begonnen. Der Kunde wird nicht wie bisher Elektrowerkzeuge verschiedener Marken im Einsatz haben, sondern sich auf ein Akkusystem konzentrieren. Auch die Vielfalt der Akkuspannungen wird sich verringern. 18 Volt-Geräte sind heute der wichtigste Standard. Für höchste Leistungsanforderungen wird es Maschinen mit 36 Volt geben, und bei geringerem Leistungsbedarf genügen die handlichen Geräte mit 10,8 Volt. Die 14.4 Volt-Klasse wird aussterben.
Was machen Hersteller, die kein akkubetriebenes Vollsortiment haben?
Garbrecht: Sie werden im Batteriezeitalter den Schulterschluss mit starken Partnern brauchen, um deren Schnittstelle für eine weiterhin erfolgreiche Vermarktung ihrer Produkte zu nutzen.
Ist Metabo denn für solche Partnerschaften offen?
Garbrecht: Unsere Akkutechnologie wird bereits von anderen namhaften Herstellern genutzt.
»Wir arbeiten an der kabellosen Baustelle. Der Kampf der Akkusysteme um den Handwerker hat längst begonnen!«
Horst W. garbrecht
Vorstandsvorsitzender
von Metabo

Steckbrief

Die Metabowerke aus Nürtingen stellen mit weltweit 1800 Mitarbeitern Elektrowerkzeuge für professionelle Anwender her. Im Jahr 2013 erwirtschafteten sie einen Umsatz von 348 Mio. Euro.
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