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Effizienz lässt sich planen

Maschinen & Anlagen
Effizienz lässt sich planen

Mit Handmaschinen erweist sich das Schleifen oft als mühsam. Effizienz bringen die Herstellerempfehlungen für die verschiedenen Materialien, sagt Ivo Forster von der Bosch-Tochter Sia Abrasives.

Herr Forster, gibt es eine Systematik, mit der der Tischler und Schreiner immer das optimale Schleifmittel findet?

Die wichtigste Frage ist die nach dem zu schleifenden Material. Es gibt außergewöhnlich viele Einflussgrößen auf den Schleifprozess, die sich mit der Auswahl und Einstellung der Maschine sowie der Schleifmittel ergeben. Daraus konkrete Regeln für die Auswahl eines Produktes zu entwicklen, erscheint uns zu kompliziert und zu ungenau. Daher empfehlen wir lieber für konkrete Materialien und Maschinen geeignete Produkte.
Wie lässt sich denn das richtige Schleifpapier finden?
Wir bieten hierfür drei Lösungen, einen Produktfinder auf unserer Homepage, unseren von der Homepage downzuloadenden Holz-Katalog und für große industrielle Anwender die individuelle Empfehlung unserer Anwendungstechniker vor Ort. Bei allen drei Wegen unterscheiden wir zwischen Plattenwerkstoffen, Massivholz und Lacken. Bei Massivholz grenzen wir das Spektrum dann beispielsweise nach den Kriterien Hartholz, ölhaltiges Holz oder Weichholz ein. Der Internetproduktfinder fragt nach der Maschine und dem Material und empfiehlt dann verschiedene Schleifmittel mit der jeweiligen Produktbeschreibung. Ausführlichere Informationen bietet der Holz-Katalog. Er differenziert sogar nach Holzarten und gibt allgemeine Empfehlungen, beispielsweise zu Kornsprüngen oder den Hub am Exzenterschleifer.
Tischler und Schreiner arbeiten oft mit Handmaschinen. Welche Aufgaben erledigen sie am besten mit welchem Gerät?
Für einen hohen Materialabtrag war bisher die Handbandmaschine angesagt, für den Feinschliff der Schwingschleifer. Mit den Exzenterschleifern kommt es hier seit einiger Zeit zu Verschiebungen. Der Exzenter erzeugt mit seinem einwenig mitdrehenden Teller ein feineres und gleichmäßigeres Schleifbild als der Schwingschleifer.
Warum ist das so?
Während der Schwingschleifer mit jedem neuen Hub seine Kringel immer wieder an fast die selbe Stelle einkratzt, verändert das Pad beim Exzenter ständig seine Lage, sodass sich ein Nachzeichnen der alten Kringel ausschließt. Exzenter für den Fein- und Lackschliff sollten eine weiche Sohle und einen Hub von lediglich zwei bis drei Millimetern aufweisen, während für den hohen Materialabtrag eine harte Sohle und eher fünf Millimeter Hub gefragt sind. Exzenter mit hohem Hub und der Möglichkeit den Teller auf Zwangsrotation umzustellen, werden wohl nach und nach den Handbandschleifer verdrängen, weil sie ein besseres Schleifbild erzeugen. Das Gros aller Aufgaben lässt sich inzwischen also mit zwei verschiedenen Exzenterschleifmaschinen erledigen.
Wie kann ich sonst noch Kringel vermeiden?
Wie gesagt, empfehle ich für feine Oberflächen einen Exzenter mit kleinem Hub und weicher Sohle. Für den Lackschliff ist die Geschwindigkeit bei einer Skala bis sechs auf drei bis vier einzustellen. Das Schleifpapier sollte tatsächlich der angegebenen Körnung entsprechen. Die Bezeichnung P auf der Rückseite verweist auf die entsprechende Fepa-Norm und stellt das sicher. Einige Billiganbieter mischen gröbere Körner bei und preisen eine höhere Abtragsleistung an. Das Resultat sind jedoch Kringel. Vor allem bei Lacken oder öligen Hölzern setzt sich das Schleifmittel gern mit sogenannten Tischchen zu. Diese kratzen auf der Oberfläche und erzeugen Kringel. Abhilfe schafft eine offene Streuung der Körner und eine Stearatbeschichtung des Schleifmittels.
Welche Parameter sind beim Schleifmittel entscheidend?
Wichtig sind vor allem die Unterlage, das Bindemittel, die Schleifkörner und die Streuung. Die Unterlage besteht meistens aus Papier und ist vielleicht dick, dünn, getränkt oder latexverstärkt, je nach Belastung oder geforderter Flexibilität. Darüber bettet das Bindemittel die Schleifkörner ein. Ein hartes Bindemittel sorgt für einen aggressiven Schliff, ein weiches bringt einen feineren Schliff und verhindert eher ein Zusetzen der Kornzwischenräume. Je nach Material empfehlen sich verschiedene Körner, mehrere Korundsorten, Siliciumkarbid oder synthetischer Diamant. Weiterhin gibt es eine offene Streuung, die sich nicht so schnell zusetzt und geschlossene für besonders feine Flächen.
Das Interview führte dds-Redakteur Georg Molinski

Zur Person
Ivo Forster ist Marketingleiter für den Anwendungsbereich Holz bei dem zu Bosch gehörenden Schweizer Schleifmittelhersteller Sia Abrasives. www.sia-abrasives.com
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