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Die Hybridsäge lebt

Maschinen & Anlagen
Die Hybridsäge lebt

Tischler und Schreiner lieben ihre Formatkreissäge. Hervorragend kann sie alles, außer viele, große Platten rationell mit nur einem Mann aufteilen. Die neue Säge Concept 350 von Fimal vereint die Vorteile der Formatkreissäge mit denen der Plattensäge und spart außerdem viel Platz.

Die Säge steht vor der Säule. Der Abstand gemessen von der Schnittlinie beträgt lediglich 1,40 m. Trotzdem schneidet Schreinermeister Kevin Becker, Verkäufer beim Maschinen- und Großhändler Géronne in Gescher bei Coesfeld, mit der lediglich 4,3 m langen Maschine jedes nur denkbare Rechteck aus einer Halbformatplatte heraus. Auch komplizierte Werkstücke mit Schifterschnitt scheut er nicht.

Aus dem senkrechten Plattenlager zieht er eine weiße, melaminbeschichtete Platte im Format von 2,70 x 2,10 m auf seinen für diese Maschine etwas modifizierten Plattenwagen von Rehnen. Er schiebt die immer noch stehende Platte vor die Säge, löst eine Verriegelung und schwenkt die um 20 ° geneigte Ladefläche samt Platte in die Horizontale. Die mit Allrichtungsröllchen versehene Ladefläche dient jetzt als Vergrößerung des Maschinentischs. Den an einem Scharnier befestigten Stahlwinkel, auf dem die Platte vorher gestanden ist, entriegelt er und klappt ihn nach unten, sodass er die große Platte ungestört drehen und schieben kann. Das kurze Ende der Platte drückt er gegen den Winkelanschlag und schiebt die Platte etwa einen Zentimeter über die Sägelinie hinaus und startet den Schnittzyklus mit einem Knopfdruck auf das kleine hüfthohe, fahrbare Bedienpult. Der Druckbalken senkt sich, das Säggeaggregat hebt sich aus seiner Parkposition auf der linken Seite bis es 2 mm über dem Tisch hervorragt und arbeitet sich im Gleichlauf zum Vorritzen durch das Werkstück bis ein Sensor das Ende der Platte erkannt hat. Jetzt fährt das Sägeblatt um etwa fünf weitere Zentimeter hoch und dann für den Trennschnitt nach links zurück, wo es sich dann wieder in die Parkposition begibt. Der Druckbalken hebt sich. Das Schnittergebnis ist oben und unten tadellos und ohne Ausrisse. Kevin Becker dreht jetzt die Platte mit der besäumten Seite an den Winkelanschlag und führt den nächsten Besäumschnitt aus, um dann einen Streifen nach dem anderen abzutrennen.
Messfinger statt Parallelanschlag
Dazu tippt er die gewünschte Streifenbreite in das Bedienpult ein. Ein Messfingerpaar links hinter der Schnittlinie fährt die entsprechende Position zwischen 5 und 1300 mm an. Kevin Becker schiebt die Platte gegen das Messfingerpaar und den Winkelanschlag, lässt den Schnittzyklus ausführen, läuft neben die Maschine, entnimmt den Streifen und legt ihn auf einen kleinen Transportwagen. Das wiederholt er solange, bis die Restplatte zu kurz ist, um sie sauber am Winkelanschlag auszurichten. Kevin Becker holt den manuell einzustellenden, zusätzlichen Seitenanschlag herbei und hängt ihn jedoch, um sich den Weg um die Maschine herum zu sparen, nicht auf der Maschinenrückseite, sondern vorne rechts ein. Die Streifenbreite stellt er jetzt nach Skala links an einer Anschlagklappe ein, wie wir sie vom Schiebetisch der Formatkreissäge kennen, und rechts an dem Zusatzanschlag ein, dreht die Restplatte um 180 °, zieht die letzte Schnittkante gegen die Anschläge und drückt auf Start.
Zum Ablängen der Streifen am Winkelanschlag nutzt er zunächst die automatischen Messfinger und für den letzten Schnitt die Anschlagklappe. Längen über 1,30 m schneidet er ebenfalls mithilfe der Anschlagklappe zu.
Nach dem Aufteilen der Platte führt Kevin Becker Schifterschnitte aus. Die Neigung des Sägeblatts nach hinten gibt er über das Bedienpult vor, das Verstellwinkellineal stellt er nach Gradskala ein. Braucht er ein nach vorne geneigtes Sägeblatt, hängt er den Verstellwinkelanschlag einfach an der Maschinenrückseite ein.
Zum Schluss wechselt Kevin Becker das Sägeblatt, besäumt ein 5 cm dickes Fichtenbrett, schneidet davon einen 10 cm breiten Streifen ab und trennt diesen schließlich aufrecht auf dem Maschinentisch am Messfinger und dem Zusatzanschlag stehend in der Mitte auf. Nach wenigen Minuten zeigt er die tadellosen Zuschnitte.
Die Geschichte der Säge
Der Zwitter zwischen Format- und Plattensäge, heißt Concept 350, kommt zur Ligna auf den Markt und kostet unter 25 000 Euro, Halle 11, Stand A12. Hersteller ist Fimal in Fano, Italien. Erfunden hatte das Konzept Ende der 90er-Jahre der niederländische Sägenhersteller Elcon, der sein Modell damals nicht für einen Preis anbieten konnte, den die Tischler bereit waren zu zahlen. Vor fünf Jahren legte Géronne-Geschäftsführer Winfried Stienen dem Fimal-Verkaufsleiter Stefano Morselli nahe, so eine Maschine zum Preis einer Formatkreissäge zu entwickeln. Nach einem Gesellschafterwechsel bei Fimal hat Stefano Morselli die Idee umgesetzt.

Winfried Stienen

»Die Idee der Säge ist nicht neu. Jedoch war der Preis zu hoch. Das haben wir geändert.«
Géronne

Steckbrief

Hersteller: Fimal srl, www.fimalsrl.it Ligna: Halle 11, Stand A12
Vertrieb und Großhandel in Deutschland: Géronne GmbH, 48712 Gescher, Tel.: (02542) 955500, Fax: -10, www.geronne.de
Plattenwagen: Maschinenbau Rehnen GmbH 26892 Heede-Ems, www.rehnen.de

Produktvideo

Die Maschine in Aktion: www.geronne.de/produkte/ concept-350
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