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Des Tischlers Hangar

Maschinen & Anlagen
Des Tischlers Hangar

Der Flughafen Berlin-Tempelhof ist mit seinen Flugsteigen, Hangars und dem innerstädtischen Flugfeld der Inbegriff für das Überleben Westberlins durch die Luftbrücke der Alliierten. Nebenan, von Wohnbauten umgeben, zeigt die Tischlerei Artis, dass professionelles Tischlern auch heute in der City gelingt. Das Wahrzeichen einer Tischlerei, das Spänesilo mit angebauten Absauganlagen, sucht man vergebens.

Stellt man sich so eine Berliner Hinterhoftischlerei vor? Denn genau genommen ist das die Tischlerei Artis. Nicht im abwertenden Sinne, sondern vom Selbstverständis her, dass Arbeiten und Wohnen zusammengehören, so wie es über lange Zeit hinweg in den Innenstädten Normalität war.

In diesen Tagen feiert Artis sein zwanzigjähriges Bestehen. Wolfgang Deiß, der ursprünglich Sozialarbeit studierte, und Tischlermeister Holger Meyer begannen 1994 in Kreuzberg mit ihrer Tischlerei. Damals wirklich noch im Hinterhof mit 100 m² Fläche, im Innenbereich der typischen Berliner Blockrandbebauung. Auch später, nachdem der Betrieb wuchs und Umzüge in größere Werkräume folgten, blieb man im Umfeld des Wohnens im Kiez, ob in Kreuzberg oder Friedrichshain. Doch der aktuelle Boom und das Angesagtsein Berlins führte dazu, dass der auslaufende Vertrag eine Verdopplung der Miete bedeutet hätte. Daraus entstand der Entschluss, in eigene Räume zu investieren und eine klare Perspektive für die Tischlerei zu bekommen. Aus der Urbanität Berlins wollte sich Artis nicht in den Speckgürtel außerhalb der Stadt vertreiben lassen. Auch wenn der Betrieb inzwischen deutschland- und weltweite Aufträge abwickelt, ist er verwurzelt in seiner städtischen Kundschaft. Wille und Ehrgeiz waren da zu zeigen, dass professionelles Tischlern auch heute in der Stadt gelingen kann. Auf einem innerstädtischen Grundstück neben alter und neu entstehender Wohnbebauung in direkter Nähe zum ehemaligen Flughafen Tempelhof steht das neue Betriebsgebäude von Artis.
Als Besucher gelangt man über eine Außentreppe in den Empfangs-, Planungs- und Verwaltungsteil im Obergeschoss. Eine raumhohe Glasfront trennt diesen Bereich von der spektakulären Werkstatthalle. Transparenz ist ein wichtiger Eckpunkt der Firmenphilosophie von Artis. Das spiegelt sich in der Architektur wider. Der Blick in die Fertigung fokussiert sich zuerst auf den für eine Tischlerei noch ungewohnten 7-Achs-Roboter. Unter einem Stahlstativ hängt das variable Fräs-, Schleif- und Poliergerät. Mit ihm können die Tischler komplexe Werkstücke mit einer Länge bis zu 10 m bearbeiten. Artis plant und realisiert hochwertige Innenausbauten und Projekte im Messe-, Ausstellungs- und Ladenbau. Von der ersten Idee bis zur Realisierung von diffizilen Freiformgebilden. Zwölf der 30 Mitarbeiter des Artis-Teams entwerfen, verkaufen, konstruieren und steuern den Ablauf ihrer anspruchsvollen Aufträge und Projekte. 18 Mitarbeiter fertigen und montieren die Objekte in engster Abstimmung mit den planenden Kollegen. Durch die Transparenz der Architektur ergibt sich der Blick darauf, wo welches Objekt gerade läuft.
Emissionsarmer Niedrigenergiebau
Die Planer von Ziegert Roswag Seiler Architekten, zwei Jahre zuvor hatte Artis deren Büro ausgebaut, waren mit der Artis-Team-Philosophie über gemeinsame Projekte vertraut und setzten den Artis-Teamgedanken in einem L-förmigen Gebäude mit 1600 m² Nutzfläche um. Die Werkhalle mit ihren raumprägenden Fischbauchträgern und viel Tageslichteintrag über oben liegende Lichtbänder ist mit Holzschindeln verkleidet. Der Querriegel mit Bankraum und Büros setzt sich mit seiner Putzoberfläche davon ab. Eine festverglaste Fassade an der Nordseite lässt blendfreies Licht in die Räume, ohne Schall nach außen an die Wohnbebauung dringen zu lassen. Das Gebäude im Niedrigenergiestandard unterschreitet die EnEV2009-Anforderungen um 86 Prozent. Spänebunker, Absaug- und Filteranlagen und die Heiztechnik sind umgebungsfreundlich im Untergeschoss untergebracht. Die Ausführung als Holzbau ermöglichte einen hohen Vorfertigungsgrad. Die Projektsteuerung übernahmen die Artis-Macher selbst. Mit ihrer Laden- und Messebauerfahrung konnten sie das Projekt in einem ambitionierten Zeitfenster von sieben Monaten umsetzen. Detaillierte Projektdaten finden sich auf der Webseite der Architekten (www.zrs-berlin.de) und bei Artis (www.zrs-berlin.de).

Holger Meyer

3621867

»Wir machen auch das, vor dem andere zurückschrecken«
Tischlermeister, Geschäftsführer Artis

Wolf Deiß

3621868

»Wohnen und produzieren. Mitten in der Stadt! Es macht Freude, das zu zeigen«
Geschäftsführer Artis
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