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»Der brummt fast immer«

Maschinen & Anlagen
»Der brummt fast immer«

Breite und Dicke eintippen, Werkstück hindurchlassen, fertig – einfacher kann man sich die Bedienung eines Vierseiters nicht vorstellen. Genau das hat Weinig auf der Ligna 2011 mit dem Modell Cube versprochen. Fachlehrer Willi Brokbals nahm den Hersteller beim Wort und testete die Maschine auf Herz und Nieren.

Der Fahrer einer Spedition brachte den 2,3 Tonnen schweren »Cube« und holte die alte, fast doppelt so schwere Kehlmaschine ab. Das lief fast ohne Helfer, dauerte nicht einmal sechs Stunden. Der verwindungssteife Ständer aus Mineralbeton trägt den fast zwei Meter langen, gusseisernen, verrippten und gefrästen Aufgabetisch, das massive Fügelineal (2160 x 60 x 25 mm) die Aggregate und den Schaltschrank auf dem sich wiederum Bedienfeld und Papierhalter befinden.

Standort. Mit flexiblen Strom-, Druckluft- und Absaugungsleitungen lässt sich die Maschine recht nah an die Wand heranrücken. Dann ist allerdings der Schaltkasten nicht mehr zugänglich. Bei Bedarf lässt sich der Vierseiter jedoch mit einem Hubwagen einfach von der Wand wegfahren (Bild 1). Der verwindungssteife Mineralbetonständer erübrigt das Ausrichten. Über Stellfüße lässt sich das Wackeln abstellen.
Der erste Eindruck war schräg: Die Einheit aus Einlauftisch, kubusförmiger Verkleidung und Auslauftisch neigt sich um zehn Grad nach hinten.
Leicht geneigter Kubus
Der Maschinenständer zeigt sich hellgrau lackiert, der Kubus mit Folie bezogen in den Weinig-Farben grün, weiß, schwarz.
Startvorbereitungen. Der Fahrer entfernte eine Transportsicherung, brachte die Tischverlängerung und die Schutzhaube an der Auslaufseite an, steckte den 63-A-Stecker in die Steckdose und schloss die Druckluft an. Außerdem steckte er den Absauganschluss in die Rohrleitung. Eigentlich war die Maschine startbereit zum Hobeln, jedoch galt es zunächst, die Betriebsanleitung zu lesen.
Betriebsanleitung. Alles Wissenswerte findet sich auf drei bis zehn der 80 Seiten umfassenden Betriebsanleitung. Es gibt lediglich fünf Bedienelemente. Sie sind auf einer halben Seite zusammengefasst: Hauptschalter, Aggregate-Ein/Aus, Not-Aus und Touchscreen (Bild 2 und 3). Ein Nomogramm nennt die erforderliche Maschinenleistung in Abhängigkeit von Spanabnahme, Hobelbreite, Holzhärte und Vorschub.
Sicherheit. Das Hineingreifen in den Einzug verhindert eine Klappe, die sich an den Werkstückquerschnitt anpasst (Bild 4). Erst wenn das Werkstück den Laser im Fügelineal verdeckt, öffnet sich der Einlauf (Aufmacherbild). Sensoren messen die Spanabnahme und stellen sicher, dass sich beim Verstellen kein Werkstück in der Maschine befindet (Bild 5). Die Klappe zum Maschineninneren lässt sich erst 30 Sekunden nach dem Ausschalten der Motoren öffnen. Dann lassen sich weder Hobelwellen noch Vorschub einschalten.
Touchscreen. Dreht man den Hauptschalter auf ein, ist die Maschine nach 30 Sekunden startbereit. Alle erforderlichen Angaben erhält sie dann über einen Touchscreen.
Skizze bemaßen und hobeln
Im Zentrum der Startseite ist ein Massivholzquerschnitt abgebildet, an dem die Maße für Breite, Dicke, Spanabnahme rechts und unten einzutragen sind. Am rechten Bildschirmrand lässt sich die Vorschubgeschwindigkeit zwischen 6 und 12 m/min einstellen, das Laserrichtlicht einschalten und die Wahl zwischen Abrichten oder Egalisieren treffen. Links oben zeigt eine kleine Ampel, dass die Maschine zum Hobeln bereit ist. Daneben lassen sich die zehn zuletzt gewählten Maße aufrufen.
Die zweite Ebene. Berührt man das Schraubenschlüsselsymbol, erreicht man nach Eingabe einer Zugangsziffer die zweite Bildschirmebene. Hier lässt sich festlegen, ob die Absaugung beim Anlaufen der Maschine automatisch eingeschaltet wird und wie viele Sekunden die Nachlaufzeit betragen soll. Der Administrator kann weiterhin bestimmen, ob sich die Einzugswalze vor der Abrichthobelwelle anhebt, wenn das Werkstück die zweite Einzugswalze erreicht hat, oder ob sie beim Abrichten ständig angehoben bleibt. Schließlich lassen sich noch die Vorschubwalzen und die Dickenhobelwelle in die Werkzeugwechselposition fahren.
Einstellen und hobeln. Maße eingeben, Vorschubgeschwindigkeit und Egalisieren/Abrichten wählen, Start drücken: Vom ersten Berühren des Bildschirms bis zur Freigabe der Einlaufklappe vergehen zehn bis 15 Sekunden. Ist der Laser eingeschaltet, zeigt es die Füge- und Hobelzugaben und die Werkstückbreite und -dicke jeweils mit einer roten (Dicke) oder grünen (Breite) Linie an. Der um zehn Grad geneigte Aufgabetisch lässt das Werkstück automatisch am Fügelineal anliegen.
Eine Längenskala zeigt an, ob die Mindestlänge von 400 Millimetern eingehalten ist, wenn nicht, lassen sich wenigstens 200 Millimeter lange Teile durch Nachschieben längerer Hölzer Stoß an Stoß hobeln. Einschläge lassen sich dabei jedoch nicht vermeiden. Ein Spalt zwischen Fügelineal und Aufgabetisch, der bei Zwei-Millimeter-Spanabnahme drei Millimeter breit ist, sorgt als Spanlücke für sichere Anlage am Lineal. Immer wieder fallen mir gut gelöste Details auf. Passiert ein Werkstück den Sensor, öffnet sich die Einlaufklappe entsprechend dem Werkstückquerschnitt. Kurz danach übernimmt die Vorschubwalze vor der Abrichtwelle den Werkstücktransport, führt es über die Abrichtwelle und sobald es von der nächsten Vorschubwalze erfasst wird, hebt sie wieder vom Werkstück ab. In den folgenden Bearbeitungsschritten wird die rechte Seite gefügt, das Werkstück auf die eingestellte Breite und Dicke gehobelt. Von einer Gummi-Auszugsweise wird es aus der Maschine gefördert.
Damit es am Auslauf nicht hakt
Der Auszug erfolgt mit einer oberen angetriebenen Gummiwalze und einer frei laufenden Stahlwalze. Lästig: Trotz der Rollenunterstützung bleiben immer wieder Werkstücke im Auslaufbereich stecken. Gerade kurze Werkstücke lassen sich dann nicht mehr herausziehen, ohne die Maschine herunterzufahren. Klare Grafiken und knappe Texte auf dem Touchscreen leiten den Bediener beim Beseitigen der Störung. Hier wünsche ich mir einen Gleitmittelauftrag per Knopfdruck, um diese Stillstandzeiten zu vermeiden. Weinig kündigte mir die Schmiervorrichtung zur Messe Holz-Handwerk in Nürnberg an.
Kollisionen ausgeschlossen
Öffnet man nach dem Hobeln die große Haube, erhellt eine lichtstarke LED-Leuchte den Innenraum. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, wurde für mich zur erfreulichen Überraschung: Nach dem Hobeln bleiben fast keine Späne im Maschineninneren zurück! Weinig hat Werkzeuge und Absaughauben so aufeinander abgestimmt, dass Späne regelrecht in die Absaugschläuche gepresst werden. Die Wendemesserwerkzeuge für Hobelquerschnitte von 20 x 8 bis 260 x 160 Millimeter hat Weinig selbst entwickelt (Bild 6). Beim Wechseln oder Wenden der Messer sind die Schneiden mit einem Lappen und die Anlageflächen im Hobelkopf mit einer Messingbürste zu reinigen (Bild 7 und 8). Eine falsche Montage ist durch Anschlagschrauben und eine vorbildliche, in der Maschine angebrachte Anleitung nahezu ausgeschlossen. Die Messingbürste sowie zwei Inbusschlüssel sind gut erreichbar in der Maschine untergebracht (Bild 9).
Handschuhe für die Werkzeuge
Etwas robuster als beim Messerwechsel geht es beim Werkzeugwechsel zu. Die Wellenmutter wird mit einem Zapfenschlüssel, für den kein Platz in der Maschine vorgesehen ist, gehalten, während mit einem Inbusschlüssel die Welle gedreht wird. Leider steht nirgendwo, dass alle Muttern Rechtsgewinde haben. Hier, wie auch beim Messerwechsel, sollte man Schutzhandschuhe tragen, denn der Zapfenschlüssel rutscht leicht ab. Und scharfe Vorschubwalzen lauern überall (Bild 10). Bedingt durch die unterschiedlichen Materialien von Werkzeug und Welle sollen die Spindelmuttern monatlich auf festen Sitz geprüft werden. Allein deshalb ist eine verbesserte Handhabung an dieser heiklen Stelle wünschenswert.
Bis auf die hintere sind alle drei Vorschubwellen mit scharf gezahnten Stahlwalzen bestückt. Die ersten beiden haben jeweils drei, die dritte Welle zwei Walzen mit je 50 Millimeter Breite und 100 Millimeter Durchmesser. Die zweite und die dritte haben an der Fügeseite 5 Millimeter breite Stahlscheiben mit nur nur 98 Millimeter Durchmesser (Bild 11). Das verhindert tiefes Eingraben der Walzenzähne, falls Material stecken bleibt. Sehr beruhigend: Die Maschinenkonstruktion schließt Kollisionen zwischen den Vorschubwalzen, Werkzeugen, Andruckeinheiten oder Führungslinealen aus.
Wartung. Wartungsintervalle und Prüffristen sind ausführlich in der Bedienungsanleitung beschrieben: Für zwölf Prüfstellen reicht die Sichtkontrolle, elf Schmiernippel brauchen entweder alle 40 Betriebsstunden oder zweimal jährlich einen Hub aus der Fettpresse, drei Stellspindeln müssen mit dem Pinsel leicht eingefettet werden.
Gerade weil die Wartung so wichtig ist, sollte die Maschinensteuerung fällige Wartungen am Bildschirm anzeigen und sich die Erledigung quittieren lassen. Meine Mindestforderung: ein Betriebsstundenzähler. Auch ein festzugewiesener Platz für das Wartungszubehör erhöhte das Einhalten der vorgegebenen Intervalle.
Gerade, rechtwinklig, glatt
Mit dem Cube erzielt man zuverlässig gerade, rechtwinklige, glatte Flächen. Auch nach dem Messerwechsel stimmten die eingestellten Maße mit denen der gehobelten Werkstücke überein. Maßabweichungen lagen im Zehntel-Millimeter-Bereich. Teilweise entstanden an den Werkstückenden leichte Absätze, wie man sie von einem zu tief stehenden Abnahmetisch der Abrichte kennt. Wie diese kleinen Ungenauigkeiten korrigiert werden, erfährt man (noch) ebenso wenig aus der Bedienanleitung wie Tipps zum reibungslosen Transport der Werkstücke aus der Maschine.
Narrensicher in der Bedienung
Der Cube mutet vielleicht ein wenig schräg an und wirkt gegenüber unserem alten Kehlautomaten recht klein, aber in unserer Ausbildungswerkstatt brummt er fast immer! Er hat sich als narrensicher in der Bedienung erwiesen. Unsere Schüler freuen sich, ihre Hölzer jetzt ganz flink sowie stets exakt und rechtwinklig auszuhobeln zu können. Bei laufender Maschine nehmen sie Verstellungen vor und brauchen keine Kollision zu fürchten. Zu meinen Verbesserungswünschen gehört an erster Stelle eine Nachputzwelle und eine schnelle Mobilspindel. Nach Rücksprache mit Weinig hörte ich ein leichtes Schmunzeln am Telefon: »… vielleicht auf der Messe in Nürnberg?« Willi Brokbals
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