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»Da spielen wir nicht mit«

Maschinen & Anlagen
»Da spielen wir nicht mit«

Wer auf die Nullfuge umgestellt hat, muss diese auch beim Formteil liefern – das diktiert der Markt. Neue laserfähige Maschinen statt der alten CNCs mit Verleimteil – das diktieren die Maschinenhersteller. Der Büromöbelhersteller König + Neurath spielt da nicht mit.

Der erste Eindruck täuscht. Das Bearbeitungszentrum von Ima ist zwar bereits bald zwölf Jahre alt. Die rote Farbe an den Traversen blättert ab, der Aufdruck mit der Typenbezeichnung ist nicht mehr lesbar. Dennoch ist Otto Breitschopf, Leiter der Betriebstechnik bei der Büromöbelfabrik König + Neurath in Karben bei Frankfurt, froh, dass er diese Maschine hat. Sie arbeitet immer noch präzise, zuverlässig, schnell und selbstständig im Durchlauftaktbetrieb. Seit einem Monat dient sie als Nullfugenbekanter für Formteile. Sie arbeitet mit dem ursprünglich auf dieser Maschine installierten aber umgebauten Kantenanleimaggregat. Statt des Leimbeckens und der Auftragrolle ist ein Heißluftaggregat von Schugoma installiert. Es aktiviert die Funktionsschicht von Laserkantenbändern und erzeugt perfekte Nullfugen. Der Büromöbelhersteller hat sein Produktprogramm für Fronten, Tischplatten und exponierte Möbelteile in den letzten Jahren auf Laser- beziehungsweise Nullfugen umgestellt. Zunächst funktionierte das jedoch nur bei Werkstücken mit geradlinigen Konturen, nicht bei Formteilen, wie sie oft bei Schreibtischecken zu finden sind. Inzwischen liefert König + Neurath auch alle relevanten Formteile mit Nullfugen aus. Solche Teile lassen sich erst seit vielleicht ein oder zwei Jahren auf Bearbeitungszentren von Ima oder Homag mit Laseraggregat mit Nullfugentechnik bekanten.

Einheitliche Kantenqualität
Die Büromöbelkunden forderten eine durchgehend einheitliche Kantenqualität und waren nicht bereit, bei Formteilen die sichtbare Leimfuge weiterhin zu akzeptieren. So befasste sich Otto Breitschopf in den letzten Jahren intensiv mit der Nullfuge für Formteile. Zunächst musste er feststellen, dass beide Maschinenhersteller nicht so schnell liefern konnten, wie es der Markt eigentlich erforderte.
Schließlich konnte er eine CNC mit Laseraggregat von Ima mieten. Es dauerte jedoch zehn Monate, bis er alle Einstellungen so im Griff hatte, dass ein reibungsloser Serienbetrieb funktionierte. Außerdem hat er es mit dieser Maschine bisher noch nicht geschafft, die Möbelteile aus seinem Programm mit 30 mm Außenradius und 3 mm dicken ABS-Kanten in der geforderten Qualität anzufahren. Otto Breitschopf sagt: »Bei den Einstellungen liegt beim Laser zwischen dem gewünschten leichten Plastifizieren und dem Wegschmelzen der Kante ein minimaler, leicht zu überschreitender Grad.«
König + Neurath betreibt fünf Bearbeitungszentren mit denen sich auch Formteile bekanten lassen, die Otto Breitschopf nach und nach auf Nullfugentechnik umrüsten möchte. Sowohl Homag als auch Ima bieten Nullfugenbekanter mit Laseraggregat lediglich für ihre neuen Portalmaschinen an. Alle fünf Maschinen gegen neue auszutauschen, sprengte jedoch den Rahmen der Investitionsbereitschaft des Büromöbelherstellers.
Breitschopf wandte sich an die Firma Schugoma, die das Heißluftverfahren zum Applizieren von Laserkantenbändern entwickelt hat. Geschäftsführer Christof Schulte-Göbel erklärte sich bereit, sein Heißluftaggregat »Kanten King« zum ersten Mal an einer CNC – genauer an dem auf der alten Ima installierten Verleimteil – nachzurüsten. Die Investitionssumme samt Montage lag bei 85 000 Euro. Das Laseraggregat kostete bei Ima rund 150 000 Euro, zu denen noch der Preis der Maschine hinzugekommen wäre. Homag hatte zwar den Preis für das Laseraggregat gar nicht separat ausgewiesen, die Gesamtinvestition lag jedoch in ähnlicher Größenordnung. Schugoma erhielt den Zuschlag, zunächst die erste der fünf Maschinen umzubauen.
Die Techniker entfernten das Leimbecken und die Auftragsrolle, montierten dafür die Heißluftdüse und befestigten das Heißluftaggregat am Support. Die alten Steuersignale, beispielsweise für die Vorschubrolle, nutzt Schugoma jetzt, um die Heißluftdüse zu öffnen oder zu schließen. Die Bekantungseinheit abreitet mit konstanter Temperatur und variiert den Druck. Der Druck lässt sich über ein Ventil nämlich schneller ändern als die träge Temperatur. Sinkt der Vorschub, sinkt auch der Druck. Die CNC-Spezialisten von König +Neurath ermittelten mit Testfahrten den optimalen Geschwindigkeitsverlauf beim Anfahren sowie bei engen Radien und programmierten diese in die CNC-Steuerung NUM 1016. Schugoma erhält das Geschwindigkeitssignal und regelt danach den Druck. Markierungen im CNC-Programm geben das Signal, wann die Fahrt für enge Radien zu drosseln ist. Ima hat sich bereit erklärt, den Postprozessor dafür umzuprogrammieren.
Enge Radien und dicke Kanten
Die Maschine läuft jetzt seit einem Monat. Temperatur und Druck sind eingestellt und brauchen nicht mehr variiert zu werden. Farbe und Material scheinen keine Rolle zu spielen, wahrscheinlich aber die Kantendicke, die jedoch bei König + Neurath immer rund 3 mm beträgt. Otto Breitschopf resümiert: »Die Zusammenarbeit mit Schugoma lief reibungslos, die Maschine erzeugt hervorragende Nullfugen bis herunter auf 40 mm Außenradius bei 3 mm Kantendicke. Der 30-mm-Radius könnte noch etwas besser aussehen. Mit etwas Geduld werden wir das aber auch noch hinbekommen. Wir lassen jetzt drei weitere Maschinen umrüsten.«

Otto Breitschopf

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»Kanten King funktioniert und erspart uns riesige Investitionen.«
König + Neurath

Steckbrief

Anwender: Die König + Neurath AG, 61184 Karben, www.koenig-neurath.de, gilt als ein führender Büromöbelhersteller und beschäftigt in Karben 950 Mitarbeiter
Heißluftaggregat: SGM Schugoma GmbH 57392 Schmallenberg, Tel.: (02977) 70926-5, Fax: -4, www.schugoma.de
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