Wie die CNC »Origin« von Shaper Tools die Welt der Tischler und Schreinerverändern kann

CNC-Präzision im Werkzeug

Revolutioniert die CNC »Origin« von Shaper Tools die Schreinerwelt und die Baustelle? Ein Gespräch mit TTS-Vorstand Christian Oltzscher und Florian Horsch, der mit dem kalifornischen Team der TTS-Tochter Shaper Tools den europäischen Marktstart vorbereitet.

Das Gespräch führte
dds-Redakteur Hubert Neumann

Hierzulande noch nicht verfügbar und doch in aller Munde: die CNC-Oberfräse »Origin« von Shaper Tools, einer Tochter der Festool-Mutter TTS. Noch bevor sie in Deutschland erhältlich ist, steht sie auf dem dds-Messestand auf der Ligna in Hannover. Zudem gibt es exklusiv bei dds die erste Origin in Europa zu gewinnen. Seit den ersten Tests und Veröffentlichungen dominiert eine Frage alles, was aktuell dds-Leser an die Redaktion schreiben – per E-Mail oder Social Media:

Ab wann wird man die Shaper Origin in Deutschland kaufen können?

Florian Horsch: In Nordamerika läuft der Verkauf, und eine enorme Nachfrage ist auch in Europa da. Es gehört aber mehr dazu als nur auszuliefern. Über 20 Sprachen haben wir hier in den klassischen Märkten. Die Sprachen der Menüsteuerung wollen zuvor umgestellt sein und vor allem muss der Service stehen bis hin zum telefonischen Support bei Fragen. Momentan bereiten wir die Markteinführung vor – zur Ligna wollen wir den Zeitplan und weitere Details bekannt geben.

Andere Anfragen zielen darauf ab, ob die Origin ein ernsthaftes Profiwerkzeug oder doch eher ein netter Gimmick für den Heimwerker ist?

Horsch: Das Werkzeug richtet sich ganz klar an professionelle Anwender. Es gibt sehr viele sinnvolle Möglichkeiten für Tischler und Schreiner. Hinzu kommen spezifischere Anwendungen, insbesondere bei der Parkett- und Fußbodentechnik, sowie auch Anfragen von Profis aus der Industrie – die nicht nur Holz als zentralen Werkstoff im Mittelpunkt haben.

Was ist denn das Besondere an Shaper Tools?

Christian Oltzscher: Shaper Tools ist ein kalifornisches Startup-Unternehmen, in welchem sich Computergenies mit großem persönlichem Interesse an Holzbearbeitung gefunden haben, um gemeinsam Werkzeuge zu schaffen, die die Welt so noch nicht gesehen hat. Gleichzeitig werden diese Tools einen echten Nutzen in der Holzbearbeitung schaffen. Schauen Sie auf relevante Player, die heute digital die Arbeitswelten verändern, viele davon sind aus dem faszinierenden kalifornischen Spirit entstanden.

Horsch: Das Spannende an Shaper ist, dass wir mitten im Thema Robotik unterwegs sind. Die robotische Autokorrektur für die Hände ist elegant im Werkzeug verbaut – dabei ersetzt sie nicht den Handwerker, sondern sie unterstützt ihn in ganz neuer Weise. Der Mensch als Anwender bleibt im Mittelpunkt.

Und das Spezielle der »Origin«?

Oltzscher: Die drei großen Themen sind Präzision, Mobilität und Skalierbarkeit. Mit der Origin bringen wir die CNC-Präzision in die Welt der handgeführten Oberfräsen. Das Ganze ist mobil nutzbar, in der engen Werkstatt oder am zu reparierenden Werkstück oder dem Boden auf der Baustelle. Es lassen sich winzige Details bis hin zu großflächigen Projekten umsetzen – eine Begrenzung für den maximalen Bauraum gibt es nicht.

Horsch: Hinzu kommen eine intuitive Bedienung und die Updatefähigkeit der Origin. Somit wird das Werkzeug über die Zeit immer noch leistungsfähiger.

Ein Tool, das von den Software-Updates lebt?

Horsch: Absolut – die Updates spielen eine zentrale Rolle.

Oltzscher: Es fasziniert zu sehen, wie sich das Produkt durch Software-Updates immer weiterentwickelt und plötzlich Anwendungen möglich sind, die vor dem Update nicht möglich waren. Origin entwickelt sich weiter, ohne dass ich ein zusätzliches neues Werkzeug kaufen muss.

Wie kommt TTS dazu, als Mutterunternehmen der traditionellen Schreinermarke Festool, ein digitales kalifornisches Start-up zu übernehmen?

Oltzscher: Wir suchen uns gezielt Kooperationen, die in der TTS-Familie rund um den Kern Festool den Nutzen für unsere Kunden voranbringen. Tanos steht mit den Systainern für die effiziente Baustellenlogistik. Mit SawStop kommen wir beim Thema Sicherheit für unsere Anwender weiter voran und mit Shaper Tools schaffen wir den echten Schritt vorwärts bei der Digitalisierung von Werkzeugen. Alle TTS Marken stehen für Innovationen für Handwerker und wir investieren stark in neue innovative Produkte.

Was bringt einen dazu, sich als «hippes« kalifornisches Start-up von einem schwäbischen Mittelständler übernehmen zu lassen?

Horsch: Meine kalifornischen Kollegen sprechen vom »match made in heaven«. Dies teile ich und sehe die Zugehörigkeit von Shaper zur TTS-Markenfamilie als logische Traumhochzeit. Die Innovationskraft aus Kalifornien wird von der Premiummarke des süddeutschen Mittelständlers und dessen Erfindergeist ebenso profitieren. Zugleich bekommt TTS eine andere Perspektive auf das Thema Digitalisierung. Das wird richtig spannend!

Oltzscher: Es kommen Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammen. Die Amerikaner fasziniert die Professionalität aus über 90 Jahren Werkzeugbau. Auf der anderen Seite müssen sie die Augen der Festool-Ingenieure gesehen haben, wenn die vom Austausch aus San Francisco zurückkommen – unglaublich wie die leuchten.

«Das CNC–BAZ als Tod der Hand-Oberfräse?“ Über 1000 Abstimmungen gab es auf dds-Facebook zu der Frage. 56 Prozent glauben an eine Zukunft der handgeführten Fräse …

Horsch: Wir spielen mit der Origin zwischen beiden Welten. Auf der einen Seite tragen wir dazu bei, dass digitale Arbeitsabläufe populärer werden. Zugleich stärken wir die Zukunft der handgeführten Oberfräse – wir transformieren dieses klassische Schreinerwerkzeug ins digitale Zeitalter.

Oltzscher: Bei Festool können wir keinen wegbrechenden Markt feststellen – im Gegenteil, die Umsatzzahlen gingen auch in 2018 bei Oberfräsen steil nach oben.

Ergänzend zum BAZ fehlen handliche (Akku-)Oberfräsen im Markt. Was kann die Origin abdecken?

Horsch: Starkes Interesse für die Origin sehen wir bei kleineren Betrieben, die nicht den Platz oder den Durchsatz für ein BAZ haben. Zugleich wollen BAZ-Anwender die Origin ergänzend einsetzen.

Oltzscher: Anwendungen, bei denen Werkstücke zu groß oder unbeweglich sind, wie beispielsweise ein bereits verlegter Boden, sind besonders interessant. Die Origin ist meist eine Ergänzung und nur in seltenen Fällen und bei geringen Stückzahlen ein Ersatz für das BAZ.

Wie wandelt sich TTS/Festool hin zu einem digitalen Unternehmen?

Oltzscher: Ziel ist nicht, uns zu einem »digitalen Unternehmen« zu entwickeln. Es geht uns darum, wie in den letzten 94 Jahren, Lösungen anzubieten, die den Handwerker schneller und bequemer zu perfekten Arbeitsergebnissen kommen lassen. Digitalisierung ist dabei nur ein Aspekt, den wir einsetzen, wenn er unseren Kunden einen echten Nutzen bringt.

Verwandelt der kalifornische Spirit die schwäbische TTS-Gruppe?

Oltzscher: Wir versprechen uns von der Zusammenarbeit, dass wir vom Shaper Tools Spirit etwas zu Festool nach Deutschland holen können. Es ist immer wieder faszinierend und motivierend, mit welcher Innovationskraft und welchem Tempo dort Lösungen entstehen. Und wir hoffen, dass der Festool Spirit und die über 90-jährige Werkzeugerfahrung im Gegenzug auch Shaper Tools hilft.

Horsch: Dieser Wandel ist nicht einseitig zu sehen, denn beide Seiten profitieren davon und freuen sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit.


»Mit der Origin bringen wir die CNC-Präzision in die Welt der handgeführten Fräsen.«

Christian Oltzscher,

Vorstand TTS

Fotos: Elena Schauwecker, dds


»Das Spannende an Shaper ist, dass wir mitten im Thema Robotik unterwegs sind.«

Florian Horsch,

Shaper Tools

Fotos: Elena Schauwecker, dds


Steckbrief

Shaper Tools ist eine eigenständige Gesellschaft in der TTS Tooltechnic Systems Gruppe, zu der auch Festool gehört.
www.shapertools.com

Auf der Ligna in Hannover:
Shaper Tools, Halle 13 Stand F19

dds auf der Ligna mit dem Gewinnspielpreis »Origin«, Halle 12, Stand D1

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