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Die Funkentöter: Brandlöschsysteme für Späne- und Staubabsaugung

Brandlöschsysteme für Späne- und Staubabsaugung
Die Funkentöter

Feuer braucht Sauerstoff, brennbares Material und die richtige Zündtemperatur, und das im richtigen Mischungsverhältnis, um zu zünden. Damit es in der Tischlerei nicht so weit kommt, setzen Brandlöschsysteme bereits bei der Späne- und Staubabsaugung an diesen vier Faktoren an.

Üblicherweise dient Wasser der Feuerwehr als Löschmittel. Doch es gibt noch andere Möglichkeiten, um einen Brand zu vermeiden. Auf der Holz-Handwerk präsentierten die Anlagenbauer verschiedene Brandlöschsysteme, die sie teils selbst entwickelt, teils von entsprechenden Zulieferern verbaut haben.

Pulver hat sich bewährt, aber …

Häufig werden Pulverlöschsysteme in den Absauganlagen installiert. Die Reichweite in den geschlossenen Systemen ist ideal und die Löschwirkung setzt durch die erzeugte Pulverwolke sofort ein. Anschließend legt sich das ausgeblasene Pulver über den Brandherd und verhindert so ein erneutes Aufflammen. Nachteilig ist allerdings, dass diese Systeme regelmäßig gewartet, geprüft und die Löschpulver nach einigen Jahren ausgetauscht werden müssen. Das führt zum Stillstand in der Tischlerei, denn alle Maschinen hängen an einer Absauganlage. Kosten und Organisationsaufwand kommen hinzu. Dies veranlasste die Hersteller, alternative Löschsysteme zu entwickeln.

Löschung durch Sauerstoffentzug

»Die Zukunft der Löschung im Brandfall liegt im Prinzip des Entzugs von Sauerstoff«, ist man bei Scheuch Ligno überzeugt. Das österreichische Unternehmen möchte mit der neuen Technologie die bisher üblichen Feuerlöscheinrichtungen ablösen und sieht ein »enorm hohes Einsparungspotenzial«. Ingenieur Alois Burgstaller berichtet: »Die Löschung durch Sauerstoffentzug bietet dem Betreiber des Entstaubers zusätzliche Sicherheit und reduziert seine Folgekosten.« Es entstehen bei diesem System keine wiederkehrenden Wartungs- und Prüfkosten für die Löschmittel. Technisch erfolgt der Sauerstoffentzug durch den Einbau von brandschutztechnisch klassifizierten Abschlüssen bei allen Ein- und Austritten. Diese schließen im Brandfall automatisch und verhindern dadurch den weiteren Luftzufluss. Bei einer Sauerstoffkonzentration von unter 14 Prozent kommt die Verbrennung zum Erliegen. Aufgrund des kleinen Gerätevolumens wird dieser Wert innerhalb kürzester Zeit erreicht. Im Entstauber »Ligno DeDust Pro« ist dieses System bereits verbaut. Zudem umfasst es eine einfache und sichere Handauslösung mit nur einem Not-Halt-Schalter. Daher ist keine falsche Bedienung möglich. Das System ist zudem auch im Stillstand sicherer, da das Gerät an allen Öffnungen verschlossen ist. Ein Entzünden eines Glimmbrandes über Nacht wird dadurch verhindert. Diese erprobte und bewährte Technik von Scheuch Ligno kommt jetzt auch in den IPE-Filtern zum Einsatz.

Intelligente Ventile für Wasser

Andere Hersteller setzen bei der Funkenlöschung auf den Klassiker der Brandbekämpfung: Wasser. Dieses wird über feine Düsen im Falle einer Funkenerkennung eingebracht. Um die Betriebssicherheit einer Funkenlöschanlage sicherzustellen, müssen deren Ventile in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Ein Prozess, der sehr aufwendig und zeitintensiv sein kann, weil die Ventile an schwer zugänglichen Stellen sitzen. Gemeinsam mit Partnern und dem Fraunhofer Institut hat Fagus-GreCon nun eine Löschung entwickelt, die sich durch integrierte Sensorik permanent selbst überwacht. Kleinste Leckagen erkennt sie und leitet sie an die Funkenlöschzentrale. Durch eine proaktive Meldung über den anstehenden Austausch von Verschleißteilen kann der Anlagenbetreiber die Wartung planen. Nähern sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt, aktiviert die Löschautomatik ihre integrierte Heizung und sichert so den Betrieb der Anlage. Das Risiko ungeplanter Stillstandszeiten sinkt und die Produktivität steigt.

Regelwerke der Versicherer

Maßnahmen zum vorbeugenden Brandschutz in der Tischlerei/Schreinerei müssen den branchentypischen Anforderungen entsprechen. Andernfalls hat dies auch Auswirkungen auf den Versicherungsschutz und dessen Leistungsumfang. Maßgeblich sind hier vor allem die VdS-Richtlinien. Denn die VdS Schadenverhütung GmbH in Köln ist eine Tochtergesellschaft des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Daher entwickelt die VdS auch die Bedingungen und die Voraussetzungen zur Errichtung und Abnahme der Brandschutzanlagen. Entsprechende Merkblätter nennen die erforderlichen Maßnahmen. Für Holzbe- und verarbeitende Betriebe gilt im Wesentlichen die Richtlinie Vds 2029.

Komplettes Abschalten erwünscht

Als Facherrichter kommt bei der T&B electronic GmbH von der Beratung über die Installation bis zur Inbetriebnahme alles aus einer Hand. Wie sich das in der Praxis darstellt, wird bei der Neuinstallation einer Absauganlage nach einem Feuer bei der Ortner Holzverwertungs-GmbH in Nikolsdorf, Österreich, deutlich: Der abgebrannte Filter wurde durch eine Twin-Lösung von der Nestro Lufttechnik GmbH mit zwei Unterdruck-Filterhäusern vom Typ »NFHSU JET 50 11/12-48« ersetzt. Im Auftrag von Nestro hat T&B das Funkenlöschsystem schlüsselfertig und VdS-zertifiziert installiert und in Betrieb genommen. Das System deckt insgesamt fünf Absaugleitungen mit Rohrdurchmessern von 300 bis 630 mm sowie zwei Rückluftkanäle ab. Hierfür war die Installation von 60 lfd. Metern Löschwasserleitung und 850 lfd. Metern Kabeln notwendig, die die T&B-Servicetechniker in zweieinhalb Wochen vor Ort durchführten. Das System detektiert kleinste Zündpotenziale und löscht diese mit einem feinen Wassernebel im laufenden Prozess ab. Der Produktionsprozess wird dazu in der Regel nicht unterbrochen. Erst bei der sogenannten »Alarmschwelle 2« (Messung einer definierten Anzahl von Funken je Zeitfrequenz) ist es wichtig, den Produktionsprozess zu stoppen. Nur eine komplette Abschaltung der Filteranlage inklusive der Abreinigung und aller Bearbeitungsmaschinen stellt dann den höchsten Schutz für den Betrieb sicher.

Nachlöschen empfohlen

Entstauber für die Innenaufstellung benötigen bei einem Rohgasvolumen von mehr als 0,8 m³ ein automatisches Brandunterdrückungssystem. Dieses schaltet den Entstauber sofort ab, unterdrückt das Feuer im Geräteinnern und so auch die Ausbreitung des Feuers. Problematisch ist, dass Schwelbrände von außen nicht erkannt werden und Glimmnester trotz Brandunterdrückung noch immer vorhanden sein können. Diese werden – unabhängig vom Brandlöschsystem – aber nicht gelöscht. Zur endgültigen Löschung muss das gesamte Material aus dem Entstauber ausgeräumt werden. Dabei auftretende zündende Glimmnester stellen in der Praxis eine Gefährdung für die Feuerwehr und für das Umfeld dar.

Durch den zusätzlichen Einbau einer Trockenlöschleitung wie beim Entstauber »Ligno DeDust Pro« von Scheuch Ligno kann im Brandfall das Gerät von außen mit Löschmittel versorgt werden. Dadurch wird der Staub im Gerät gebunden und im Sammelbehälter mit Wasser durchnässt. Das Gerät kann ohne Brand- und Explosionsgefahr geöffnet, der Staubsammelbehälter entfernt und entleert werden. –CG


Steckbrief Anlagen- und Löschtechnik:

Fagus GreCon Greten
GmbH & Co. KG
www.fagus-grecon.com

Nestro Lufttechnik GmbH
www.nestro.de

Scheuch Ligno GmbH
www.scheuch-ligno.com

Spänex GmbH
www.spaenex.de

T&B electronic GmbH
www.tbelectronic.eu


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