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Auf Nummer sicher gehen

Maschinen & Anlagen
Auf Nummer sicher gehen

Anzeichnen, bohren, rums! »Das darf doch wohl nicht wahr sein: Wieso liegt hier ein Kabel?«Um Überraschungen dieser Art zu vermeiden, gibt es Detektoren zum Aufspüren von Metall und anderen Materialien. Tischlermeister Stefan Böning hat sich angesehen, was professionelle Ortungsgeräte leisten.

Wenn der Tischler auf der Baustelle arbeitet, werden Bauelemente, Treppen, Möbel oder einfach nur Fußleisten befestigt. Ganz egal, ob die Befestigung an der Wand, an der Decke oder auf dem Fußboden erfolgen soll, das Risiko, beim Bohren eine Rohrleitung oder ein Kabel zu treffen, ist groß. Es kann aus Versehen ein Heizungsrohr, die Wasserleitung oder ein Strom- bzw. Datenkabel getroffen werden. So entstehen unvorhersehbare Kosten. Reparaturarbeiten, die die Fertigstellung aufschieben, fallen an. Obwohl die meisten solcher Schäden durch die Betriebshaftpflicht abgedeckt werden, kann der Imageschaden für den Betrieb doch erheblich sein.

Grundlegend gehen Installateure, sei es der Gas-Wasser-Fachmann oder der Elektriker, bei ihren Arbeiten wie folgt vor: Jegliche Leitungen werden lotrecht verlegt. Das heißt: Lotrecht, über oder unter einer Steckdose oder einem Wasser-/Heizungsanschluss sollte auf Befestigungspunkte verzichtet werden. So weit die Theorie. Nicht nur im Altbau ist diese Vorgehensweise teilweise außer Kraft gesetzt, da evtl. Raum für Raum renoviert wurde, oder im Lauf der Zeit Umnutzungen stattgefunden haben. Niemand rechnet z. B. mit einer Wasserleitung im Schlafzimmer, wenn er nicht weiß, dass der Raum früher als Küche genutzt wurde. Im Neubau können nur wenige Bauherren mit Gewissheit sagen, wo genau sich die Leitungen für die Wand-, Decken- oder Fußbodenheizung befinden.
Profigeräte für die Ortung
Durch den Einsatz von Detektoren kann man vor Beginn der Arbeit den Untergrund auf Rohrleitungen, Kabel oder nach Befestigungspunkten in Trockenbauwänden untersuchen.
Der Markt für Profigeräte im diesem Segment ist recht überschaubar. Neben Bosch hat hauptsächlich Stanley Geräte am Markt. Die Bosch-Geräte sind unter Eigennamen teilweise baugleich bei verschiedenen Anbietern wie Hilti, Berner, Würth und BTI erhältlich. Eine weitere Möglichkeit bietet der Einsatz von Thermofolie. Wird diese Folie auf einer Fläche mit Flächenheizung eingesetzt, zeigt sich der genaue Verlauf der Rohrleitungen, die die Wärme in Wand, Decke oder Boden verteilen.
Die Geräte im Einsatz
Bosch hat mit dem D-Tect 120 ein universelles Gerät im Programm, das den Einstieg in das Orten von Materialien vereinfacht. Ausgerüstet ist es mit einer LED-Leuchte, die im Ampelprinzip Rot, Gelb oder Grün leuchtet. So erkennt man schnell, ob gebohrt werden kann oder nicht. Während Grün sprichwörtlich grünes Licht zum Bohren gibt, bedeutet Gelb Achtung, der Untergrund kann nicht richtig erfasst werden. Hier kann man durch Verschiebung des Messgerätes den Bereich eingrenzen oder sich durch nochmaliges Prüfen Klarheit verschaffen. Leuchtet das rote LED Licht, ist das kein guter Platz für eine Bohrung. Durch ein blinkendes rotes Licht zusammen mit einem Signalton wird eine stromführende Leitung angezeigt. Neben dieser Funktion ermöglicht das D-Tect 120 sogar das Auffinden von wassergefüllten Kunstoffrohren und Netzwerkkabeln. Auch vorhandene Holz- oder Metallständer werden gefunden, so dass z. B. die Unterkonstruktion zum Befestigen von Hängeschränken in einer Ständerwand geortet werden kann. Hierfür besitzt das Gerät eine sogenannte »Center-Finder«-Funktion. Über Pfeile im Display ist es möglich, die Mitte und den Verlauf des georteten Objekts zu verfolgen.
Mit dem D-Tect 150 SV hat Bosch ein weiteres professionelles Ortungsgerät am Markt. Ebenfalls auf Ampelbasis bringt der D-Tect 150 SV Klarheit in die Beschaffenheit von Untergründen. Gleich einem Fahrzeug überfährt das Gerät, auf vier Rädern rollend, den Messbereich. Neben mehreren Messmodi, bei denen man zwischen der Beschaffenheit der Untergründe (Beton feucht, Beton trocken, Trockenbau) auswählen kann, ist auf dem Display sogar der Abstand zwischen Oberfläche und geortetem Material ablesbar. Auch die Messtiefe mit bis zu 150 mm fällt bei diesem Gerät etwas üppiger aus. Die Bosch-Geräte werden durch 4 LR6 Batterien mit Energie versorgt.
Stanley geht mit seinen Detektoren einen anderen Weg. Mit den Modellen S 100, S 150, S 200 und S 300 hat Stanley sehr preisgünstige Geräte im Programm. Während der S 100 Holz und Metall bis zu einer Tiefe von 19 mm ortet, können stromführende Kabel bis zu einer Tiefe von 51 mm audiovisuell geortet werden. So ist mit dem S 150 das Auffinden von Holz und Metall bis zu einer Tiefe von 38 mm möglich. Der S 200 arbeitet mit den gleichen Messtiefen wie der S 100 bietet aber ein zusätzliches beleuchtetes LC-Display. Ebenso der S 300. Dieser ist hingegen für eine Ortung von Holz- und Metallträgern bis zu einer Tiefe von 38 mm ausgelegt. Für nicht eisenhaltige Metalle besitzt das Gerät einen gesonderten Scanmodus bis zu einer Tiefe von 75 mm und stromführende Kabel werden bis zu 51 mm Tiefe audiovisuell geortet. Zusätzlich wird mit einer roten LED-Leuchte vor spannungsführenden Leitungen gewarnt. Die Messtiefen sind mit 12, 25 und 38 mm frei wählbar. Alle Stanley-Geräte benötigen zur Energieversorgung eine 9-V-Batterie.
Die wiederverwendbare Thermofolie vom Mair Heiztechnik dient als Rohrdetektor für Wand- und Fußbodenheizungen. Auf der kalten Fläche aufgelegt, zeigt sich nach kurzer Aufheizzeit, die je nach Dicke des Estrichs bzw. Putzes variieren kann, der Verlauf der Heizungsrohre. Die Folie sollte vor direktem Sonnenlicht geschützt und nicht in der Nähe von Heizungen gelagert werden. Auch Knicke, Falten oder Nässe könnten die Beschichtung der Folie beschädigen.
Welches Gerät ist das Richtige?
Die Stanley-Geräte eignen sich zum preisgünstigen Start in das Überprüfen von Untergründen auf Baustellen – die Geräte kosten teilweise deutlich unter 50 Euro. Mit ein wenig Übung lassen sich die großen Materialunterschiede wie Holz, Metall und Strom führende Leitungen im Wandaufbau aufspüren.
Wesentlich genauer tun dies die beiden Bosch-Geräte, die sogar Kunststoffrohre finden. Mit ihrer Messtiefenanzeige und ihren technischen Möglichkeiten bieten sie ein Mehr nicht nur im Preis. Der D-Tect 120 ist um die 200 Euro, D-Tect 150 um stolze 850 Euro zu haben.
Auch die Thermofolie ist ein geeignetes Mittel, um an verdeckt liegenden, Wärme führenden Leitungen mögliche Schäden zu vermeiden. Die 95 x 340 mm große Folie kostet 66 Euro, die 340 x 480 mm-Folie 175 Euro. Alle genannten Preise dienen nur zur Orientierung und sind nicht verbindlich.
Wie auch immer man sich entscheidet: Der Einsatz eines Detektors ist, v. a. im Beisein des Kunden, allemal besser, als vor dem Bohren nichts zu tun und hinterher über den Schaden zu klagen.

Kleine Materialkunde
Auf Baustellen werden unterschiedlichste Arten von Kabeln verbaut. Neben den Strom führenden, leicht zu ortenden Leitungen in unterschiedlichen Querschnitten werden immer größere Mengen Daten-, Antennen- und Telefonleitungen verbaut. Diese sind durch ihre geringen Querschnitte schwerer zu finden. Ähnlich verhält es sich mit den Rohrleitungen. Während früher häufig die auch heute noch verwendeten Metallleitungen aus Kupfer und Stahl verbaut wurden, kommen bei Neubauten häufiger Verbundrohre aus Kunststoff und Aluminium zum Einsatz. Die nicht von allen Geräten zu ortenden Kunststoffrohre werden hauptsächlich für Flächenheizungen in Wand und Boden verwendet.

Anbieter von Profidetektoren

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Die Bosch-Geräte sind unter Eigennamen teilweise baugleich bei verschiedenen Anbietern wie Hilti, Berner, Würth und BTI erhältlich.

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Tischlermeister Stefan Böning beschäftigt sich für dds immer wieder mit Themen, die sich aus dem Arbeitsalltag ergeben. Sein persönlicher Favorit bei den Detektoren ist der D-Tect 120 von Bosch.
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