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Hokon konstruiert und fertigt längste freischwebende Massivholztreppe der Welt

Hokon konstruiert und fertigt längste freischwebende Massivholztreppe der Welt
Lang, länger …

Die längste freischwebende Massivholztreppe der Welt führt im norwegischen Stavanger vom dritten Geschoss bis in die siebte Etage der SpareBank 1. Die Anlage aus vier L-förmig gebogenen Treppen hat Hokon in Witten konstruiert und gebaut.

Bis zu fünf Tonnen Gewicht, bis zu 21,5 m Länge pro Einzellauf und vier Meter Höhe pro Etage. Das Ganze mal vier: Wer diese Maße und die dahinterstehenden Herausforderungen toppen will, muss sich schon anstrengen, denn die Konstruktion gilt als die derzeit längste freischwebende Massivholztreppe der Welt. »Wenn mich jemand fragt, ob ich einen besonders komplizierten Treppenwunsch lösen kann, schicke ich ihm die Unterlagen für die SpareBank 1 in Stavanger zu, dann sind alle Bedenken ausgeräumt«, sagt Hokon-Geschäftsführer Jörn Brenscheidt.

Wie eine Riesenschlange schlängelt sich die Konstruktion in dem Atrium der norwegischen Bank vom 3. bis zum 7. Geschoss nach oben. Dabei erschließen die mit Krümmlingen kombinierten, viertelgewendelten Treppenläufe nicht nur die verschiedenen Stockwerke. Sie verbinden auch unterschiedliche Teile des aus Holz gefertigten Gebäudes.

Als tragende Konstruktion baut die XXL-Treppe auf ein doppeltes Wangensystem. Die inneren Sattelwangen tragen die Stufen, während die äußeren das statisch notwendige Treppenskelett darstellen. Zur Aussteifung sind alle Wangen nicht nur längs, sondern auch quer miteinander verbunden. Fichtenleimbinder dienen als Tragkonstruktion. Die Stufen- und Podestbeläge sind aus Baubuche, die Trittkanten aus Räuchereiche mit einer Oberfläche aus Hartwachs-Siegel (Remmers HWS-112) mit zertifizierter Rutschhemmung R10.

Der Bauherr hatte anderthalb Jahre nach einem Unternehmen gesucht, das den Auftrag nicht für unmöglich hielt. Hokon ging das Wagnis ein und übernahm in Zusammenarbeit mit den Architekturbüros Helen & Hard, Moelven Limtre und Saaha die Organisation, das Aufmaß, die 3D-Fertigungsplanung und die Produktion sowie die Vormontage der Stufen, Wangen und Unterkonstruktionen. Er überwachte die durch einen ortsansässigen Betrieb durchgeführte Montage der tragenden Bauteile und montierte die dekorativen Stufen und Setzstufenbeläge selbst.

Weil dafür eine Zulassung für die Herstellung statischer Bauteile notwendig war, produzierte Hasslacher Holzbauteile, ein Spezialist für Ingenieurholzbau, die bis zu 22 m langen, gebogenen Leimbinder des Treppensystems. Brenscheidt lieferte die CAD-Planungen dazu und brachte weitere, im eigenen Betrieb gefertigte Bauteile mit, bevor er mit seinem Team alles in der Werkstatt von Hasslacher zusammenbaute und die Treppen vormontierte. Und zwar liegend, denn um alles aufzustellen, war die Montagehalle nicht hoch genug: Das Ergebnis wurde mit dem 3D-Laser nachgemessen und erwies sich als verblüffend gut: »Die erste, 21 500 mm lange Treppe wies lediglich 4 mm Abweichung von der zugrundeliegenden CAD-Zeichnung auf. Bei den anderen drei Treppen ging die Toleranz sogar auf 1 mm zurück“, freut sich der Treppenbauer über die Qualität.

Im Anschluss wurden die Kolosse am Stoß getrennt und in mehreren Einzelelementen per Schwerlast-LKW nach Norwegen verschickt. Dort wurde endgültig montiert und das Ergebnis mithilfe eines Kranes über das noch offene Dach des Atriums in die Regionalbank eingebracht. Mittels CAD hatte Brenscheidt zuvor den Schwerpunkt der Treppenteile und die daraus resultierende Länge der Hebegurte ermittelt, um die korrekte Winkelstellung für den Einbau festzulegen. »Und natürlich ging bei diesem Riesenprojekt auch einiges schief«, blickt Jörn Brenscheidt zurück: »Zwei der drei norwegischen Schwerlast-LKWs, die die ersten beiden Treppenläufe auf Wunsch des Bauherrn von Deutschland über Dänemark nach Norwegen transportieren sollten, peilten stattdessen Schweden an. Dort wurden sie wegen der nur für Dänemark und damit falsch ausgestellten Zollpapiere prompt zurückgeschickt. Mit 29 Stunden Verspätung kamen sie schließlich an. Doch am Ende ging alles gut und unglaublich schnell. »Inklusive Abladen haben wir für einen Treppenlauf nur fünf Stunden Montagezeit gebraucht«, sagt Jörn Brenscheidt. Und das für eine Stiege mit fünf Tonnen Gewicht und bis zu 21,5 m Länge pro Einzellauf.


Christine Ryll ist Architektin und schreibt als Architekturjournalistin über die Themen Bau, Architektur und Immobilien. In dds hat sie bereits häufiger ausgefallene oder besondere Treppen vorgestellt.


Steckbrief

Bauherr: www.sparebank1.no

Architekten: https://helenhard.no https://saaha.no

Treppenbauer: www.hokon.de

Baubuche: www.pollmeier.com

Bauteile: www.hasslacher.com

Oberfläche: www.remmers.de


 

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