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Reinhard Huber beschreibt die Vorteile von Wasserlacke

Vorteile von Wasserlacke
Immer noch wasserscheu?

Dass Wasserlacke emissionsarm und umweltfreundlich sind, ist bekannt. Aber können sie auch in puncto Oberflächenqualität und Verarbeitung mit Lösemittel-Produkten mithalten? Reinhard Huber, Anwendungstechniker bei Adler, beschreibt den Stand der Entwicklung.

Reinhard Huber, Adler-Werk Lackfabrik

Viele Vorurteile eilen dem Wasserlack voraus: Die Oberfläche sei empfindlich, die Verarbeitung schwierig, die Trocknung langsam. Für die ersten Wasserlackgenerationen mag das sogar zugetroffen haben – doch das liegt lange zurück.

Moderne Wasserlacke erreichen dieselbe chemische und mechanische Widerstandsfähigkeit wie Lösemittelprodukte, und zwar teils – wie bei unserem der Möbellack »Bluefin Resist« – sogar ohne Härterzugabe. Oft lässt sich ein und dasselbe Produkt wahlweise 1K oder für stark beanspruchte Flächen 2K verarbeiten. Der isocyanatfreie »Aqua-Crosslinker« ermöglicht dabei für einige unserer Produkte sogar eine Topfzeit von drei Tagen.

Anwenderfreundlich

Wasserlacke sind viel anwenderfreundlicher, als man ihnen nachsagt, vor allem beim Trocknen. Unser »Bluefin Unistar« ist z. B. bereits nach ein bis zwei Stunden schleifbar und blockfest nach Trocknung über Nacht. Wenn die Umgebungsbedingungen stimmen – am besten ein Trockenraum mit regulierbarer Temperatur und Querbelüftung –, können Wasserlacke sogar schneller trocknen als Lösemittel-Produkte.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, sind Wasserlacke weder besonders anspruchsvoll noch fehleranfällig – man muss nur wissen, wie man mit ihnen umgeht. Da sich die Holzfasern stärker aufrichten, muss das Holz gründlich geschliffen werden, bei grobporigen Laubhölzern sollte man zusätzlich die Poren mit einer Messingbürste ausbürsten. Daneben braucht es natürlich eine Applikationsanlage, die für Wasserlacke geeignet ist. Zu beachten ist zuletzt die eingeschränkte Verträglichkeit von Wasserlacken mit einzelnen Holzarten.

Natürlich

Keine Unterschiede sind in Optik und Haptik der Lackoberfläche feststellbar. Mit Wasserlack lässt sich jeder Effekt realisieren – von stumpfmatt bis glänzend, von farbigem Softtouch bis zum Natur-Look. Die etwas geringere Brillanz kommt sie doch dem Trend zur Natürlichkeit entgegen.

Das gilt auch für die Anfeuerung, die etwas schwächer ist als bei Lösemittellacken und dadurch die natürliche Holzoptik erhält. Eine stärkere Anfeuerung lässt sich aber auch mit Wasserlack erzielen: So verhindert unsere Lichtschutzkomponente »Aquafix UV 100« nicht nur ein Vergilben des Holzes, sondern feuert es auch an.

Umweltfreundlich

Wasserlacke weisen gegenüber Lösemittelprodukten keine relevanten Nachteile mehr auf – haben aber entscheidende Vorteile: Ihr niedriger VOC-Gehalt entlastet die Lösemittel-Bilanz und schlägt sich auch in den Verarbeitungsbedingungen im Betrieb nieder: Kein unangenehmer Lösemittelgeruch, die Brandgefahr wird ebenso reduziert wie Gesundheitsrisiken im Umgang mit dem Lack – nicht zuletzt durch die Möglichkeit, isocyanathaltige Härter zu vermeiden.

Auch Anlagenreinigung und Verdünnung – beides ganz einfach mit Wasser – oder die Entsorgung von Lackresten, Filtern und Putzmaterialien ist deutlich unkomplizierter. Und schließlich bieten Wasserlacke einen Mehrwert für den Kunden: Hochwertige Tischlermöbel aus Holz stehen für Nachhaltigkeit, für ein schadstofffreies Raumklima – die Veredelung mit Wasserlacken ist sozusagen das Tüpfelchen auf dem i.

Kostengünstig

Wasserlacke haben noch einen weiteren Vorteil: Sie sind kostengünstiger. Den etwas höheren Liter-Preis gleichen sie nämlich dadurch aus, dass die Auftragsmenge deutlich niedriger liegt. Bei 1K-Verarbeitung lassen sich somit mehr als 15 Prozent einsparen – Nebenkosten für Verdünner und Reinigungsmittel und Einsparungen durch ein mögliches Lack-Recycling in der Lackieranlage noch gar nicht eingerechnet!

Zukunftsweisend

Alles in allem überwiegen also heute schon die Vorteile von Wasserlacken – und dieser Trend wird sich noch verstärken. Man muss kein Hellseher sein um zu wissen, dass die Kosten für erdölbasierte Produkte künftig steigen werden. Auch die gesetzlichen Bestimmungen werden sich wohl weiter verschärfen – und nicht zuletzt wird auch die Kundennachfrage nach ökologischen und nachhaltigen Produkten steigen. Wer sich darauf heute schon einstellt und auf umweltfreundliche Materialien und Verfahren setzt, wird zu den Gewinnern dieser Entwicklung zählen.


Steckbrief

Reinhard Huber ist gelernter Tischler und Anwendungstechniker bei Adler www.adler-lacke.com


Reinhard Huber, Adler Lacke

»Wasserlack erzielt beste Oberflächen, ist nachhaltig und beherrschbar.«


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