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»Ich will nichts mehr abzeichnen!«

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»Ich will nichts mehr abzeichnen!«

Seit gut einem halben Jahr gibt es das Internetportal IFurn für den Import von Beschlags-, Material- und Zulieferteildaten in die Konstruktionssoftware der Möbel- und Innenausbauer. dds brachte Anwender, Zulieferer und Betreiber an einen Tisch und fragte sie nach ihren Erfahrungen und Wünschen.

Warum soll ich einen Möbelbeschlag erfassen und Bohr- und Fräsbilder erstellen, wenn ich diese Informationen ganz einfach herunterladen kann?« Diese Frage stellte sich Tischlermeister Jörg Siemes und entschied sich, die Beschlags-, Material- und Zulieferteildaten wenn möglich aus dem Internetportal IFurn in seine Konstruktionssoftware zu importieren. dds fragte jetzt nach, wie das Portal angelaufen ist. In Krefeld trafen sich Tischlermeister Wulf Gehring von der Krefelder Schreinerei HolzFormArt, Tischlermeister Jörg Siemes von der Viersener Tischlerei Stappen. Die Zulieferer waren vertreten durch Sven Müller, Senior Project Manager Marketing beim Beschlaghersteller Hettich, und Gerhard Schwarz, Vertrieb Möbel bei Rehau. Für den Portalbetreiber sprachen IFurn-Projektleiter Benjamin Stüttgen und Frank Walter vom Vertrieb. Die Fragen stellten die dds-Redakteure Georg Molinski und Angela Gulla.

2000 regelmäßige Nutzer
Zunächst fasste Benjamin Stüttgen die aktuelle Situation zusammen: »Unsere Web-Statistik weist für das erste halbe Jahr rund 10 000 Besucher aus, die sich mehrere Minuten auf den IFurn-Seiten aufgehalten haben. Die Zahl der regelmäßigen IFurn-Nutzer liegt bei rund 2000. IFurn teilt sich mit Imos den Firmensitz und die Mitarbeiter, insgesamt etwa zehn Beschäftigte, außerdem arbeiten beim ZOW-Veranstalter Survey etwa vier weitere Mitarbeiter für das IFurn-Marketing. Die Nutzung des Portals ist für den Anwender kostenfrei. Die Zulieferer, Imos und die anderen Partner aus dem Bereich Konstruktionssoftware für Tischler und Schreiner kommen für die Kosten auf.«
Die Wünsche der Anwender
Die beiden Anwender, Wulf Gehring und Jörg Siemes, sind angestellte Tischlermeister. Gehring arbeitet ausschließlich im Bereich Planung und AV in dem 30-Mann-Betrieb für Praxis-, Laden- und Innenausbau. Die überwiegend auf Arztpraxen spezialisierte Schreinerei Stappen ist mit rund 20 Beschäftigten etwas kleiner, sodass Siemes neben seiner Tätigkeit im AV-Büro gelegentlich auch in der Werkstatt mitarbeitet. Beide planen und konstruieren mit Imos. Eine E-Mail aus dem Hause Imos machte sie auf das neue Portal aufmerksam. »Ich will nichts mehr abzeichnen. IFurn liefert mir in mein Konstruktionsprogramm die Bohr- und Fräsbilder, die wir früher mühsam neu anlegen mussten«, sagte Wulf Gehring.
Sowohl Gehring als auch Siemes nutzen IFurn bisher hauptsächlich für Möbelbeschläge, hier sei eine besonders hohe Zeitersparnis zu erzielen. Gehring wies darauf hin, dass für die Visualisierung von Konstruktionen die Informationen aus dem Holzwerkstoff- und Kantenbereich besonders hilfreich seien. Allerdings sei das Informationsangebot im Portal noch recht klein, sodass immer noch viele Artikeldaten konventionell aus Katalogen zu entnehmen und in die Stammdaten der Konstruktionssoftware einzupflegen seien. Beide Tischler fordern monatlich etwa zwei- bis dreimal eine Artikelbeschreibung via IFurn an, sind aber zuversichtlich, dass die Datenbank wächst – und damit auch die Zahl ihrer Downloads. Jörg Siemes und Wulf Gehring können sich vorstellen, vollkommen ohne konventionelle Kataloge zu arbeiten, wenn das Gros der Beschlag- und Werkstoffhersteller sowie sonstiger Zulieferer mit ihrem Programm bei IFurn vertreten wäre. Die browserorientierte Suchmöglichkeit, bei der man die Produktbeschreibung anhand von Suchwörtern immer stärker einengen kann, entspricht der Arbeitsweise beider Tischler.
Mehr als nur grafische Daten
Die Frage nach dem Informationsbedarf beantwortete Gehring: »Neben den Geometriedaten für die CNC-Programme geht es auch um Visualisierungsdaten und um Bestellinformationen. Imos und die anderen Konstruktionsprogramme, die sich IFurn angeschlossen haben, sind ja nicht nur dafür da, Geometriedaten zu erzeugen, sondern auch Bestellungen zu generieren und zu kalkulieren. Preise nennt IFurn nicht, diese muss ich manuell ergänzen.«
Benjamin Stüttgen sagte, dass IFurn daran arbeite, die Artikelinformationen auszuweiten. Zusammen mit Rehau entwickle man beispielsweise ein System, das dem Suchenden standortabhängig Händler empfiehlt.
Die Wünsche der Zulieferer
Auf die Frage an die Zulieferer, was die IFurn-Recherche leisten sollte, antwortete Gerhard Schwarz von Rehau, dass man zurzeit an einer Verlinkung von den Dekoren und Dekorplatten verschiedener Hersteller zu den passenden Rehau-Kantenbänder arbeite. Außerdem wolle Rehau seinen Rollladenkonfigurator in der IFurn-Oberfläche verlinken. Sven Müller von Hettich sagte: »Das Reizvolle an IFurn ist der Aspekt der übergeordneten Plattform. Das ist vielleicht für den einzelnen Hersteller nicht so attraktiv, aber es ist für den Kunden wichtig, es nutzt ihm. Deshalb wollen wir sukzessive neben unseren Katalogen und Internetseiten alle Informationen, die wir haben, auch auf diese Plattform stellen. Bis jetzt haben wir rund 7400 Produkte in IFurn eingespielt, das sind ungefähr 80 Prozent des Hettich-Kataloges. Die Web-Statistik weist bis jetzt 1200 Downloads von CAD-Daten aus dem Hause Hettich aus.«
Beide Vertreter der Zulieferer sagen, dass die Teilnahme an IFurn für sie keinen besonders großen zusätzlichen Aufwand bedeute. Die Informationen müsse man ohnehin für den eigenen Internetauftritt und die Kataloge aufbereiten.
Der Umgang mit Fehlern
Die Frage, ob bisher mal fehlerhafte Datensätze aufgetreten seien, verneinten die beiden Tischler, jedoch komme es gelegentlich vor, dass ein Datensatz leer ist. Hier scheint noch ein technisches Problem vorzuliegen, das die Beteiligten zügig lösen wollen.
Auf die Frage, wer für eventuellen Schaden aufgrund fehlerhafter Daten aufkommt, antwortete Frank Walter, dass IFurn als Betreiber des Portals Vertragspartner desjenigen, der die Daten heruntergeladen hat, ist. Daher hafte IFurn im Rahmen des Produkthaftungsgesetzes, aber nicht darüber hinaus. Sven Müller sagte, dass Hettich seine Datensätze zunächst in seinem Korpuskonfigurator Selection und in der Imos-Anwendung teste und man damit gute Erfahrung gemacht habe. Nach seinen Recherchen gibt es keine Kunden, die mit fehlerhaften Datensätzen zu tun hatten, jedoch käme es ab und zu vor, dass ein Datensatz fehlt.
Perspektive und Fazit
Auf die Frage nach den Perspektiven von IFurn sagte Sven Müller: »Gemessen daran, dass IFurn jetzt erst ein halbes Jahr läuft, können wir mit dem jetzigen Stand nicht unzufrieden sein. Dennoch suchen wir den verstärkten Dialog mit allen Beteiligten und vor allem mit anderen Zulieferern. Frank Walter kündigte an, dass IFurn sich jetzt über die deutsche Grenze hinaus ausdehnen wolle und man internationale Zulieferer und Anwender ins Boot hole. Benjamin Stüttgen betonte das Argument der stets aktuellen Daten. Gerhard Schwarz sagte: »Wir stehen voll hinter dem IFurn-Konzept und wollen unser ganzes Möbelprogramm platzieren.« Die beiden Tischler sind gespannt, wann Sie endlich die Kataloge vom Schreibtisch verbannen können. GM
»Mit IFurn greift der Konstrukteur stets auf aktuelle Artikeldaten zu.« Benjamin Stüttgen, IFurn
»Wenn mehr Zulieferer bei IFurn mitmachen, kann ich endlich die Kataloge wegschmeißen.« Jörg Siemes, Tischlerei Stappen
»IFurn bringt Markttransparenz und nutzt dem Anwender. Deshalb spielen wir unsere Daten ein.« Sven Müller, Hettich

Kompakt IFurn, das Infoportal für Möbelteile
Seit Februar 2008 betreibt die IFurn GmbH ihr Internet-Informationsportal (www.ifurn.net). Es erlaubt den Import von Beschlags-, Material- und Zulieferteildaten in die Konstruktionssoftware von Tischlern und Schreinern. Gesellschafter sind der ZOW-Veranstalter Survey und das Softwarehaus Imos. Ziel von IFurn ist es, Daten aus allen Zulieferbereichen nebeneinander verfügbar zu machen. Das System ist in der Lage, die Daten immer aktuell für die Konstruktion vorzuhalten. Verschiedene Suchfunktionen führen schnell und sicher zum Ziel.
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