Startseite » Technik »

Die 5-Achs-CNC Profit H500 S von Format-4 bei Klostermann

Klick, klick, passt
Fensterfertigung bei Klostermann

Die Wärmeschutzverordnung und die Initiative des Juniorchefs brachten Bewegung in die Tischlerei Klostermann in Brake. Zapfenschläger und Reißbrett haben ausgedient. Nach wenigen Klicks im Büro passt in der Werkstatt alles.

Nur eine Treppe trennt das Büro von der inzwischen zwei Jahre alten 5-Achs-CNC »Profit H500 S« von Format-4. Hier sitzt Jan-Frederik Klostermann, Juniorchef in der Tischlerei Udo Klostermann in Brake bei Bremen. Er schreibt Angebote und kümmert sich um die Arbeitsvorbereitung. Ab und zu wirft er einen Blick auf sein Tablet. Über eine Webcam zeigt es die CNC live im Betrieb. Aktuell fräst sie den letzten Flügelrahmen eines kleinen Auftrags mit insgesamt vier Fenstern. Alles läuft, wie es soll. Die Maschine fräst das Innenprofil der Rahmenhölzer. Gleich wird der Sägeschnitt zum Herausstrennen der Glasleisten folgen. Danach wird das Programm solange pausieren, bis der Maschinenbediener die Glasleisten entnommen hat. Bis der Tischlermeister die Treppe heruntergelaufen ist, sind die Trennschnitte erledigt. Jan-Frederik beugt sich über die Maschine und bricht die noch an einem 0,3 mm dicken Holzsteg hängenden Glasleisten heraus, quittiert das auf dem Bedienpult und kehrt zurück zum Schreibtisch. Die Maschine ist mit »S-Motion«, das heißt automatisch verfahrbaren Traversen und Spannelementen, ausgestattet und spannt die Friese selbstständig um, sodass die noch nicht bearbeiteten Außenseiten zum Profilieren freiliegen. Nach Ablauf des Programms kehrt er zurück, entnimmt die fertigen Flügelhölzer und wechselt die Werkzeuge für die Blendrahmen ein. Das dauert etwa 15 Minuten. Die CNC ist mit einem Zehnfach-Linear- und einem 24-Fach-Teller-Wechsler ausgestattet, den die Tischlerei entweder für Flügel- oder Blendrahmen, Haustüren oder den Möbelbau bestücken kann. Mit zusätzlichen Teller- oder Kettenwechslern ließe sich der manuelle Werkzeugaustausch einsparen. Felder hat die Maschine für je nach Werkzeug und Bearbeitung rund 14 Fenstereinheiten pro Tag konzipiert.

Gerne lässt Jan-Frederik seine Maschine nach Feierabend oder am Wochenende weiterarbeiten. Damit es ihm dabei nicht langweilig wird, hat er gegenüber der CNC einen Flachbildschirm mit Netflix-Anbindung installiert.

Bei Klostermann arbeiten drei Meister, ein Geselle und zwei Auszubildende. Sie bauen Haustüren, Fenster und Möbel. Das Gros an Haustüren entfällt auf den Denkmalschutzbereich. Anlass der Investition in die CNC war die Wärmeschutzverordnung mit der Forderung nach immer dickeren Fenstern. Der alte Zapfenschläger bewältigte nur Friesdicken von bis zu 68 mm. Die Spanner der CNC erlauben jetzt 105 mm.

Mit der CNC zog auch Software in die Tischlerei ein. Felder lieferte mit der CNC nicht nur das dazugehörende Programmiersystem »Wood Flash«, sondern auch noch das Konstruktionsprogramm für Fenster und Haustüren »F4 Frame« sowie für den Möbelbau »F4 Design«. Beide Programme von Format-4 sind auf die Maschine abgestimmt, lassen sich ganz einfach wie ein Produktgenerator bedienen, eignen sich aber auch auch für komplexe Aufgaben, und liefern sämtliche Material- und Bestelllisten.

Klostermann entschied sich für Werkzeug von Aigner mit leicht zu lösenden Schrauben für die Wechselmesser. Felder, Aigner und die Beschlaghersteller Sigenia und Simonswerk setzten sich zum Projektieren an einen Tisch. Felder empfahl sein 5-Achsmodell Profit H500 S mit der Umspannautomatik S-Motion. Die Schwenkmöglichkeit erlaubt vielseitige Bearbeitungen und erübrigt Winkelaggregate.

Der Maschinenhersteller hat die Informationen der Projektbeteiligten aufeinander abgestimmt und in die Software eingepflegt. Die Projektierungsrunde legte auch das Werkzeugkonzept fest: Jeweils ein Werkzeugsatz für Haustüren, Blend- und Flügelrahmen sowie universelle Werkzeuge für den Möbelbau und Sonstiges. Alle Fenster und Türenwerkzeuge lassen sich durch leichte Umbauten und Messerwechsel auf verschiedene Normdicken bringen sowie an Standard- und Denkmalschutzprofile anpassen. Nachdem die Maschine bereits bestellt war, entschied sich Klostermann für einen Werkstattanbau, damit es genug Platz für einen effizienten Arbeitsfluss gibt. Felder lieferte mit der CNC weiterhin einen innen aufzustellenden Entstauber samt Brikettierpresse.

Hard- und Software aus einer Hand

Udo Klostermann freut sich über das von Jan-Frederik initiierte und vorangetriebene Projekt: »Seit März 2017 läuft bei uns die Format-4-CNC, im Schnitt vier Stunden am Tag. Die Arbeitsweise in Werkstatt und Büro konnten wir leicht umstellen: klick, klick und es passt. Auf ein Schwarzer-Peter-Spiel zwischen Hard- und Softwareanbietern wollten wir uns nicht einlassen und entschieden uns für eine Lösung aus einer Hand. Mit der CNC und F4 Design hat auch unser Möbelbau wieder zugelegt, sodass wir noch in eine Kantenanleimmaschine von Format-4 investiert haben.«


Beim Besuch der Tischlerei Klostermann in Brake stieß dds-Redakteuer Georg Molinski auf ein emsiges Team. Der Vater kehrt mit perfekter Handskizze vom Kundenbesuch zurück. Der Sohn übernimmt sie und konstruiert, kalkuliert …


Steckbrief

Anwender: Tischlerei Udo Klostermann, 26919 Brake www.klostermann-tischlerei.de

Maschinen: Format-4, A 6060 Hall in Tirol, www.format-4.com

Werkzeuge: Aigner-Werkzeuge GmbH, A 4715 Taufkirchen
www.aigner-werkzeuge.at


»Auf ein Schwarzer-Peter-Spiel zwischen Hard- und Softwareanbietern wollten wir uns nicht einlassen und entschieden uns für eine Lösung aus einer Hand.«

Udo Klostermann

Anzeige
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 6
Aktuelle Ausgabe
06/2021
EINZELHEFT
ABO
Anzeige
dds-Zulieferforum
Grafik des Monats

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »