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Ein Unfall ist kein Zufall

Technik
Ein Unfall ist kein Zufall

Ein Kollege, Schreinermeister aus Niederalteich, hat sich an der Kreissäge schwer verletzt. Der Mut, den Unfall öffentlich zu machen, damit sich andere nicht in die gleiche Gefahr begeben, verdient Respekt. Willi Brokbals, Werkstattlehrer an der Meisterschule Ebern, beschreibt, wie der Arbeitsgang sicher und rationell durchgeführt wird.

Die Hände dicht am drehenden Werkzeug. Ein Schlag, das Werkstück wird weggeschleudert und trifft irgendwo mit einem Knall auf. Zuerst geht der Blick zu den Händen. Dann wird das Werkstück gesucht. In vielen Fällen bleibt es beim „Warnschuss“, und man gelobt Besserung – um sich bald schon wieder der Gefahr einer schweren Verletzung auszusetzen. Und manchmal geht es schief, wie in diesem Fall:

„Ich spaltete 32-mm-Ahornbretter im Umschlagverfahren. Zuerst schnitt ich die 12 cm breiten Bretter etwas über die Hälfte hoch ein. Dann wendete ich die Bretter und schnitt von der anderen Seite, bis ich zwei Hälften hatte. Dabei schob ich die Bretter mit der rechten Hand und dem Schiebestock, die linke lag hinter dem Sägeblatt auf dem Brett, um ein Aufsteigen zu verhindern.
Plötzlich verklemmten sich die zwei Hälften kurz hinter dem Spaltkeil so sehr, dass ein Weiterschieben nicht möglich war. Als ich das Brett zurückzog, um es freischneiden zu lassen, wurde es vom laufenden Sägeblatt erfasst und nach vorne weggeschleudert. Meine linke Hand geriet dabei in das laufende Blatt. Mein linker Daumen wurde bis kurz vor dem ersten Daumengelenk an der Handwurzel gespalten. Er ist nun ab diesem Gelenk steif. Außerdem habe ich den Mittelfinger ab dem ersten Glied verloren. Am Zeigefinger war eine Hauttransplantation erforderlich.“ So beschreibt der Betroffene seinen Unfall. Unsere Bildergeschichte zeigt, wie der Arbeitsgang sicher und rationell durchgeführt wird. Grundsätzlich sollte nur mit scharfen und sauberen Sägeblättern gearbeitet werden. Ein verschmutztes Stammblatt und verklebte Zahnflanken reiben am Holz und erhöhen auch bei scharfen Schneiden den Schnittdruck und damit die Rückschlaggefahr.
Beim Trennen arbeitet das Sägeblatt im vollen Material. Es entstehen viele langfaserige Späne, die sich in den Zahnräumen sammeln und darin durch das Holz transportiert werden. Erst beim Austritt des Sägezahnes auf der Unterseite des Brettes können die Späne die Zahnräume wieder verlassen. Sind die spanaufnehmenden Räume zu klein, verstopfen sie. Das führt zu erhöhter Reibung und damit zu verstärktem Rückschlagverhalten. Schon aus diesem Grund sollte das Sägeblatt nur wenige Zähne und große Spanlücken haben. Weniger Zähne erzeugen zudem weniger Reibung und damit ein geringeres Rückschlagverhalten.
Das von uns eingesetzte Sägeblatt hat 24 Zähne und vier Räumschneiden, die weitgehend verhindern, dass unter Spannung stehendes und damit zum Klemmen neigendes Holz das Stammblatt berührt. Dadurch bleibt das Sägeblatt sauber. Die Reibung ist, verglichen mit einem Sägeblatt ohne Räumschneiden, deutlich geringer.
Der Spaltkeil wird mit höchstens 8 mm Abstand zum Flugkreis und etwa 2 mm tiefer als die höchste Schneide eingestellt. Dass der Spaltkeil dabei mindestens die Dicke des Sägeblatt-Grundkörpers hat und höchstens so dick ist wie die Schnittfugenbreite, versteht sich von selbst. Die Schnitthöhe sollte etwas größer sein als die halbe Holz-breite (Abb. 1).
Als Hilfsmittel hat sich die von der Holz-BG favorisierte Sägehilfe etabliert. Sie ist bei diesem Arbeitsgang erste Wahl, da so der Parallelanschlag bis vor den ersten Sägezahn zurückgezogen werden kann. Er wird nur noch zum Ausrichten des Werkstückes benötigt und nicht als Führung während des Sägens. Das vordere Widerlager der Sägehilfe wird in den Tischnuten des Schiebeschlittens geführt und gegen den Queranschlag gelegt. Mit dem beweglichen Teil der Vorrichtung wird das Werkstück gegen das Widerlager gedrückt und während des Schneidens sicher gehalten. Beide Teile der Sägehilfe haben an den Anlageflächen dicke Gummikanten, die das Rutschen des Werkstücks verhindern (Abb. 2).
Ähnlich, doch weniger komfortabel wirkt der Vorgänger dieser Sägehilfe (Abb. 3). Als Widerlager dient hier ein Niederhalter, der mit einem bis zum Sägeblatt reichenden Anschlag erweitert wurde und ebenfalls mit Schraubspitzen ausgestattet worden ist.
Bevor es ernst wird, ist unbedingt sicherzustellen, dass der Parallelanschlag und der Winkelanschlag sicher geklemmt sind. Das Brett wird hochkant gegen den Parallelanschlag gestellt und zwischen die Sägehilfen geklemmt (Abb. 4).
Wenn die Schutzhaube so weit wie möglich abgesenkt und die Maschine eingeschaltet ist (Abb. 5), schiebt man das Brett mitsamt dem Schiebeschlitten beherzt vor (Abb. 6). Dabei ist die rechte Hand am Griff der Besäumhilfe und die linke an der linken Kante des Schiebeschlittens. Während des Schneidens darf zu keinem Zeitpunkt eine Hand am Werkstück, über oder hinter dem Sägeblatt sein.
Befindet sich das eingeschnittene Werkstück hinter dem Spaltkeil, wird es gefahrlos weggenommen, umgeschlagen und wie beim ersten Schnitt am Parallelanschlag ausgerichtet. Wieder von der Sägehilfe in die Zange genommen, lässt sich problemlos der zweite Schnitt durchführen (Abb. 7). Da der Parallelanschlag bis vor das Sägeblatt zurückgezogen ist, kann sich die nach dem Trennen lose Bretthälfte (Abb. 8) nicht zwischen Anschlag und Sägeblatt klemmen und dadurch auch nicht zurückgeschleudert werden.
Willi Brokbals, Meisterschule Ebern

Mehr zum Thema Sägehilfe
Wir haben den „getunten“ Niederhalter in Kombination mit der Sägehilfe bereits im Beitrag „Mit Sicherheit besser abschneiden“ (dds 9/2002, S. 34) vorgestellt. Die Sägehilfe der Holz-BG (vgl. dds 8/2005, S. 65) können Sie leicht selber anfertigen. Mitgliedsbetriebe erhalten den Griff und die Gummikante (Ergosoft von Ostermann) kostenlos bei der Holz-BG.
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