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Visuell kommunizieren

EDV
Visuell kommunizieren

Skizzieren, Zeichnen, Rendern und Modellbau werden an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign Garmisch-Partenkirchen als gleichberechtigte Darstellungstechniken mit spezifischen Stärken vermittelt. Roger Mandl hat sie charakterisiert.

Roger Mandl ist Architekt und Dozent an der Fachakademie für Raum und Objektdesign GAP

Kreative Köpfe müssen ihre Ideen präsentieren und diskutieren. Skizze, Zeichnung, Rendering und Modell dienen der Veranschaulichung und machen die geplante Zukunft erlebbar. Skizzen dienen der Entwicklung von gestalterischen Ideen. Mit Stift und Papier, gemeinsam mit Auftraggeber oder Bauherr lassen sich Gedanken visuell entwickeln, entstehen Vorstellungen und Möglichkeiten, kann verworfen und weitergedacht werden – flexibel, schnell, ohne technischen Aufwand an jedem Ort. Für Spezialisten gibt es auch skizzierfähige Tablets und Touchscreens, mit denen Skizzen sofort digital erstellt und in der jeweiligen Software weiterbearbeitet werden können. Dieser Weg bleibt jedoch mittelbar: Über den Drucker kommen sie doch auf Papier! Mit digitalen Skizzen und einem Konferenzprogramm, z. B. Teamviewer, lassen sich Entwürfe allerdings in Echtzeit auch über große Distanzen besprechen und entwickeln.
Maßhaltige Zeichnungen werden heute in der Regel mit einer CAD- oder Modeller-Software erstellt. Da sie eigentlich im Maßstab 1:1 gezeichnet werden, können sie in jedem beliebigen Maßstab reproduziert werden. Es entstehen digitale 2D- oder 3D-Modelle des geplanten Projekts. Sie dienen zur Erstellung von Plänen und Modellen sowie in weiterer Bearbeitung als Grundlage für Renderings. Als Ausführungspläne stellen sie die Grundlage für Fertigung und Baustelle dar und als präzise Basis für Datensätze steuern sie schließlich CNC-Maschinen von der Fräse bis zum Laserschneidegerät.
Software und Handarbeit
Beim Rendern lassen sich zwei Wege unterscheiden: Zum einen dreidimensionale Perspektivzeichnungen oder Axonometrien, die von Hand farbig angelegt werden und eine möglichst realistische Darstellung des Entwurfs zum Ziel haben. Sie sind ein klassisches Ausdrucksmittel für Raumentwürfe – und schneller, als den Rechner mit Zeichnungen zu füttern, alle Oberflächen mit Materialien zu belegen, Lichtquellen zu definieren, den Rechner arbeiten zu lassen und schließlich auch noch alles auszudrucken.
Der zweite Weg ist das volldigitale Rendering. Hierbei ergänzt eine spezielle Software CAD-Programme um die Fähigkeit, aus 3D-Zeichnungen fotorealistische Bilder generieren zu können. Integrierte Rendertools erstellen zunächst einfache 3D-Ansichten, die für den Entwurfsprozess eine schnelle Entscheidungshilfe sind. Für ausgefeilte fotorealistische Renderings gibt es Software wie Cinema 4D, V-Ray oder Maxwell, die viel Übung und leistungsfähige Rechner voraussetzt. Solche Renderings werden häufig bei Spezialisten in Auftrag gegeben. Im Luxus-Segment wie dem Ausbau von Yachten, Hotels und Prestige-Gebäuden sind sie State of the Art. In einer von Bildern geprägten Infotainment-Gesellschaft wird diese Darstellungsgüte von Kunden oft erwartet – der Aufwand aber meist unterschätzt.
Ein gutes Verständnis für räumliche Zusammenhänge gibt schließlich das klassische Modell. Es hat den Vorteil, tatsächlich dreidimensional zu sein, lässt sich drehen und wenden und der Lichteinfall kann kontrolliert werden. Vor allen Dingen werden aber Proportionen real und unverzerrt dargestellt. Ein entscheidender Vorteil gegenüber jeder Perspektive, bei der immer Manipulationen möglich sind – vom Standpunkt der Kamera über den Objektivwinkel bis hin zur Augenhöhe. Auch echte Materialien können im Modell wiedergegeben werden.
Mit diesen Werkzeugen ist der moderne planende und gestaltende Tischler und Schreiner in der Lage, seine Ideen zu entwickeln, sie zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Die hier gezeigten Arbeiten sind von März bis Juni 2016 an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign Garmisch-Partenkirchen im Rahmen einer Projektaufgabe entstanden: Für das in die Jahre gekommene Tagungshotel Seeon waren im Auftrag des Bezirks Oberbayern Hotelzimmer neu zu gestalten. Die Nachhaltigkeit der Materialien und ein unverwechselbares Profil waren dabei entscheidende Gesichtspunkte. Die Präsentation der Entwürfe fand Ende Juni 2016 im Kloster Seeon statt.

Steckbrief

Die Fackakademie für Raum- und Objektdesign bietet die höchstmögliche Qualifikation im Schreinerhandwerk. Sie baut auf die Meisterprüfung auf. Ziel der zweijährigen Vollzeitausbildung an den Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen ist, gestalterische, konstruktive und darstellungstechnische Kenntnisse und Fertigkeiten im Möbel- und Innenausbau weiterzuentwickeln.
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