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Schwimm dich frei!

EDV
Schwimm dich frei!

Haben Ihre Mitarbeiter stets die gerade benötigten Informationen zur Hand? Sind diese stets auf dem aktuellen Stand? Wer seinen Betrieb papierarm organisiert, spart nicht nur jede Menge Papier ein – das weiß der IT-Berater Daniel Wagner von Schreinerservice 24.

Seit Jahrzehnten diskutieren wir über das papierlose Büro, aber offensichtlich bekommt es keiner hin. Im Gegenteil! Trotz der technologischen Entwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten wie PC, E-Mail oder Internet ist der Papierverbrauch nicht gesunken – was man hätte erwarten können –, sondern enorm gestiegen. Ein skurriles Beispiel: Seit der Einführung von E-Mails in Unternehmen ist der Papierverbrauch alleine durch das Ausdrucken derselben durchschnittlich um 40 Prozent gestiegen (Quelle: »Myth of the paperless office«, Abigail J. Sellen, Richard H. R. Harper). Zeit umzudenken! Im Zeitalter der Computer gibt es allerdings viele Möglichkeiten Papier zu vermeiden und auch gute Gründe:

  • Papier kostet Geld, neben dem Papier selbst sind auch die Druckkosten zu berücksichtigen
  • Papier muss im Sinne der Nachvollziehbarkeit von Aufträgen archiviert werden
  • eine ausgedruckte Arbeitsmappe für die Produktion lässt sich schlecht zwischen mehreren Mitarbeitern oder Produktionsbereichen aufteilen
  • Die EDV liefert einen Überblick über Produktionsstand, Auslastung oder Verbrauch in Echtzeit
  • Nur per EDV stehen Änderungen in den Auftrags- und Stücklisten sofort und überall zur Verfügung
Warum wir Dokumente und anderes tr otzdem so gerne ausdrucken, hat sicherlich vielfältige Gründe. Vielleicht ist eines der Hauptargumente, dass wir alle einfach lieber von einem Stück Papier ablesen als von einem Computerbildschirm. Wie dem auch sei, jedenfalls ist der Verbrauch an Papier weltweit angestiegen, Deutschland liegt beim Pro-Kopf-Verbrauch mit 228 kg/Jahr immerhin auf Platz 6 (Quelle: http://papierwende.de). Wir verbrauchen mehr Papier als Afrika und Südamerika zusammen!
Standards sparen Papier
Je größer der Grad der Technisierung eines Betriebes und je arbeitsteiliger produziert wird, desto mehr Potenzial zur Papiervermeidung ergibt sich in einem Unternehmen. Auch mit zunehmender Standardisierung von Produkten lässt sich Papier einsparen. Das Papiersparen beginnt natürlich schon vor der Fertigung in der Arbeitsvorbereitung. Wenn in der AV möglichst viele Details bereits festgelegt werden, müssen weniger Informationen zu den einzelnen Mitarbeitern in der Produktion übermittelt werden.
Angenommen ein Unternehmen besitzt zwar ein Bearbeitungszentrum, die Programme für die einzelnen Bauteile werden aber nicht in der AV erstellt, sondern direkt an der Maschine. Dem Mitarbeiter an der CNC-Maschine müssten zusätzliche Kenntnisse über den kompletten Aufbau, die Konstruktion, Art der Verbindungen etc. in Form von Zeichnungen und Stückliste an die Hand gegeben werden, um überhaupt in der Lage zu sein, das richtige Programm für ein Bauteil zu erstellen – ganz davon abgesehen, dass die langen Stillstandzeiten während der Programmierung eines Teils betriebswirtschaftlich unsinnig sind. Wurde das CNC-Programm allerdings z. B. mithilfe einer CAD/CAM-Software bereits im Büro erstellt, reicht prinzipiell ein Etikett auf dem Bauteil aus, um das in der AV erstellte Programm aufzurufen. Die Übermittlung der Details in die Produktion entfällt.
Die Firma Außerdem, Planen + Handeln aus Külsheim, hat die Vermeidung von Papier im Büro sowie in der Fertigung zur obersten Maxime erhoben (siehe dds 02/2015: »Wir wollen keine Listen«). Der Nesting-Prozess über die CAD-/CAM-Software »TopSolidWood«, das ERP-System »PromaWood«, das Flächenlager von Bargstedt bis hin zur Weeke-Nestingmaschine und der Zweitbearbeigung an der Vertikal-CNC »BHX 055« kommt vollständig ohne Papier aus. Alle Details wurden in der AV festgelegt und der Fertigungsprozess angestoßen. Eine papierhafte Weitergabe von Informationen in die Produktion ist nicht notwendig. Geschäftsführer Meinrad Gehrig sagt: »Das Routinegeschäft läuft fast wie von selbst.«
Die Georg Ackermann GmbH in Wiesenbronn setzt beim Papiervermeiden bereits einen Schritt vor der Produktion an. Frank Ackermann hat sich eine Bestellsoftware programmieren lassen, die nach dem digitalen Eingang des Auftrags direkt im ERP-System einen neuen Vorgang anlegt und sofort alle produktionsrelevanten Daten für die Fertigung erzeugt. Und das bis zur Übergabe in die Produktion völlig ohne Papier aufzuwenden.
Mehr Effizienz auch im Handwerk
Je individueller ein Handwerksbetrieb arbeitet, desto schwieriger dürfte es werden, Papier in der Fertigung einzusparen. Umgekehrt gilt: Je standardisierter und arbeitsteiliger die Fertigungsweise wird, desto mehr Potenzial besteht in einem Unternehmen Papier zu vermeiden. Die Voraussetzungen für eine papierarme Produktion sind:
  • festgelegte Konstruktions- und Fertigungsstandards
  • automatisierte Abläufe in AV und Fertigung
  • nahtlose Kommunikation zwischen vorhandenen oder anzuschaffenden EDV-Systemen wie CAD/CAM, ERP …
Denn eines zeigen die oben genannten Beispiele: Die papierarme Fertigung steht nicht nur Industriebetrieben offen, sondern bietet auch kleinen und mittelständigen Schreinereien viele Möglichkeiten, ihre Daten geschickter, effizienter und kostensparender zu organisieren.

Daniel Wagner

»Skurril: Die E-Mails haben den Verbrauch an Papier um 40 Prozent in die Höhe getrieben.«
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