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Nächste Generation

Format4 Digitalisierung
Nächste Generation

Wie funktioniert heute eine Tischlerei? Alfred Büsken hatte früher noch alles im Blick und wusste stets, das richtige Rädchen zu drehen. Jetzt hat er das Ruder seinem Sohn Mathias übergeben. Der will jedoch gar nicht überall dabei sein und hat die Weichen längst so gestellt.

Zu zweit stellen der Altgeselle Reinhard Beyer und die Auszubildende Franka Brömmel in der Tischlerei Mathias Büsken im münsterländischen Raesfeld die Einzelteile für einen Küchenmöbelauftrag her. Vom Eingang zum Maschinensaal holen sie sich den dem Auftrag zugeordneten Magnettafelwagen mit kleinem Tisch davor. Über die gesamte Werkstatt verteilt gibt es fünf bis sechs solcher Wagen. Die beiden nehmen ihren Wagen mit zur Formatkreissäge. Mit Magneten festgepinnt befinden sich alle Schnitte, gerenderte Ansichten der zu fertigenden Möbel und statt der sonst üblichen Stückliste optimierte Zuschnittpläne. Auf dem Tisch liegt eine Rolle mit fertig bedruckten Etiketten. Schnell haben die beiden den Überblick, was zu tun ist und legen los. Für jeden Zuschnittplan ziehen sie die Rohformatplatten aus dem Regal, legen sie auf die Formatkreissäge und teilen sie nach dem Zuschnittplan zunächst mit Übermaßen auf. Während Reinhard Beyer die Zuschnitte in einem zweiten Durchgang auf das Endformat schneidet, sucht Franka Brömmel zu jedem Zuschnitt das Etikett, klebt es auf und stapelt die Teile zur Weiterverarbeitung auf einen Rollwagen. Hat sie alle Etiketten aufgeklebt, steht fest, dass kein Teil fehlt.

Die Kantenanleimmaschine hat sie bereits vor einer Viertelstunde eingeschaltet. So bekantet sie zwischendurch schon die ersten Teile. Falsch machen kann sie nichts, denn das Etikett gibt an, wo ein Kantenband hingehört. Weil es eilt, unterstützt der CAD/CAM-Spezialist Jannik Nießing aus dem AV-Büro die beiden. Er legt die Teile auf die CNC auf, wählt das Programm und lässt die Maschine arbeiten.

Generationswechsel gut vorbereitet

Die Tischlerei ist im privaten Möbelbau mit Einbauküchen, Badmöbeln Einbauschränken sowie individuellen Möbeln und Inneneinrichtungen tätig und beschäftigt auf 800 m² Fertigungsfläche sieben Mitarbeiter, darunter drei Azubis. 2020 hat Mathias Büsken die 1995 von seinem Vater Alfred gegründete Tischlerei übernommen. Vater und Sohn haben den Generationswechsel jedoch schon viel früher eingeleitet.

Mathias hat 2005 die Lehre bei seinem Vater abgeschlossen, war dann in anderen Betrieben tätig, legte 2010 seine Meisterprüfung ab und gründete eine heute noch aktive Firma für Spanndecken. Nebenbei beriet er die Tischlerei und begleitete wichtige Investitionen: 2011 die Einführung des CAD-CAM-Moduls Spirit von OSD sowie die Erneuerung des Maschinenparks. 2012 ging das los mit einer Kantenanleimmaschine von Format4. Vom selben Hersteller folgten dann zwei Formatkreissägen, eine Abrichtdickenhobel- und eine Breitbandschleifmaschine. 2017 kamen dann die CNC und weitere OSD-Module.

Alfred Büsken, der sich selbst nicht mehr in die digitale Welt hineinbegeben wollte, ermutige seinen Sohn, den Betrieb frühzeitig zu modernisieren, auch um junge und gute Mitarbeiter halten zu können. Für Mathias hatte die bisherige Arbeitsweise mit von den Gesellen nach der Bleistiftzeichnung des Chefs selbst erstellten Stücklisten keine Zukunft mehr. Damals lief der Betrieb ohne CNC mit konventionellen Beschlag- und Reihenlochbohrmaschinen. Jede Schrankseite hatte durchgehende 32-mm-Bohrreihen, die alle Schubkastenführungen, Montageplatten für Scharniere und Bodenträger aufnahmen. Alles hatte sich in das Raster einzufügen, was entweder die Gestaltung einschränkte oder hohen Aufwand für Sonderwünsche mit sich brachte. Jeder, der Schränke zusammenbaute, musste genau wissen, in welche Löcher welcher Beschlag einzuschrauben ist.

Ausbruch aus dem Raster

CAD/CAM versprach sowohl fast grenzenlose Gestaltungsmöglichkeiten, als auch völlig unkomplizierte Arbeitsabläufe, auch schon in der Angebots- und Konstruktionsphase. Mathias Büsken kümmert sich um den Verkauf und die Angebote. Mit wenigen Klicks inszeniert er heute am Bildschirm die Angebote aus Quadern und Platten, aus denen er schnell Renderings erstellt. Sein Konstrukteur und AV-Mann Jannik Nießing verfeinert später diese Entwürfe zu unkompliziert zu fertigenden Produktionsaufträgen.

Team, Technik, Tatkraft

Mathias Büsken sagt: »Mein Vater und ich haben die Tischlerei erfolgreich digitalisiert, sodass wir tatkräftig effizient auf dem Stand der Technik arbeiten. Vor allem für meinen Vater bedeutete das loslassen können. Das wiederum hat unser Team enorm motiviert. Jeder von uns ist wichtig und trägt entscheidend zu unserem Erfolg bei, auch immer noch mein Vater.«


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte die Tischlerei Büsken in Raesfeld. Vater Alfred erlebte er als engagierten Macher vor Ort und Sohn Mathias als den Strategen. Beide zeigten sich herzlich mit der Belegschaft verbunden.


Steckbrief

Anwender: Mathias Büsken Tischlermeister, 46348 Raesfeld
www.tischlermeister-buesken.de

Software: OS Datensysteme
76275 Ettlingen
www.os-datensysteme.de

Maschinen: Format4
A 6060 Hall in Tirol
www.format-4.com

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