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Intelligenz im Bauteil

EDV
Intelligenz im Bauteil

Die Hommel Küchen- und Möbelmanufaktur richtet als Innenausbauer hochwertige Objekte für private und gewerbliche Kunden ein. Wie organisiert das Unternehmen den Datenfluss in Konstruktion, AV und Fertigung? Sascha Hommel gibt Auskunft.

Bei Hommels mag man keine halben Sachen. Wer den Showroom des Unternehmens in Reichenbach im Vogtland betritt, ist angetan von der durchgängigen Gestaltung und den feinen Details der ausgestellten Möbel, Küchen und Innenausbauten. Viel Weiß, im Kontrast dazu warme Holztöne, hochwertige Materialien und HighTech-Küchengeräte prägen das Bild. Verantwortlich dafür zeichnet neben Firmengründer und Chef Matthias Hommel seine Tochter Daniela. Die Innenarchitektin ist nach ihrem Studium 2009 ins elterliche Unternehmen eingestiegen. So schön durchgängig wie die Gestaltung im Showroom stellt sich Bruder Sascha irgendwann auch mal die Abläufe in der Fertigung des Betriebes mit rund 35 Mitarbeitern vor. Der 23-Jährige studiert derzeit noch Holztechnik an der BA Dresden, befasst sich jedoch bereits intensiv mit dem Workflow vom Verkauf bis zur Montage.

Entwürfe mit SketchUp
Geplant und entworfen wird bei Hommel mit SketchUp, »weil hier Änderungen schnell gemacht sind, auch live, d. h. wenn der Kunde daneben sitzt«, so Sascha Hommel. Angebote, ABs usw. werden aus dem Warenwirtschaftssystem H & H heraus erstellt. Hier sind Artikel und Kundenstammdaten hinterlegt, von hier werden Bestellungen zu Lieferanten ausgelöst und die Projekte verwaltet. Über eine Schnittstelle ist die H&H-Software mit dem 3D-CAD-Programm Imos verbunden.
Imos ist kein einfaches 3D-CAD, bei dem der Benutzer mit geometrischen Objekten wie Qauder oder Kugel arbeitet. Vielmehr stehen dem Anwender intelligente Bauteile oder Baugruppen wie Seiten, Böden, Türen etc. zur Verfügung. Gleichzeitig stehen diese Bauteile in einer direkten konstruktiven Beziehung zueinander. Die Imos-Bauteile sind nach Dimension und Materialbeschaffenheit variabel. Neben Länge, Breite und Höhe sind alle Eigenschaften definiert, die sich unmittelbar auf den Konstruktionsprozess und die nachfolgenden Arbeitsschritte auswirken. Wird beispielsweise ein Korpus konstruiert, werden im Hintergrund Informationen bezüglich Material, Oberfläche, Kanten, Bohrbild und vielen weiteren Details mit berücksichtigt. Zudem verfügt Imos über die Möglichkeit, vorgegebene Konstruktions- und Fertigungsregeln zu hinterlegen. Betriebsspezifische Beschlags- und Verbindungssituationen werden automatisch bei der Konstruktion bedacht. Wird ein Beschlag gesetzt, werden automatisch Bearbeitungen an der richtigen Stelle vorgenommen und die entsprechenden CNC-Informationen generiert.
CNC-Daten aus Imos CAD
Bei Hommel werden aus Imos heraus alle für die Fertigung erforderlichen Unterlagen erzeugt. Die für die Zuschnittoptimierung der Panhans-Plattensäge erforderlichen Schnittlisten werden exportiert. An der Säge selbst werden auch die Etiketten zur Teile-Identifizierung ausgedruckt. Sie enthalten neben Auftrags- und Teilenummer auch Informationen für den Kollegen an der Kantenanleimmaschine, damit dieser weiß, welche Kante er anzufahren hat. Über die Teilenummer wird am Weeke-Bearbeitungszentrum auch das entsprechende Programm aufgerufen. Die CNC-Daten und Bohrbilder dafür wurden automatisch in Imos generiert. Neben der Auswertung der Geometriedaten der Bauteile werden dafür Materialeigenschaften, Kantenübergänge, Werkzeuge und Technologiedaten berücksichtigt. Ergebnis ist ein direkt auf der Maschine lauffähiges CNC-Programm, welches bereits alle erforderlichen Parameter wie Werkzeugauswahl, Drehzahl, Vorschub, Anfahrstrategie, Erst- und Zweitbearbeitung u. a. enthält. »Die Kommunikation zwischen Imos und dem WoodWop-System der Weeke funktioniert reibungslos«, so Sascha Hommel. »Die Software kann überhaupt so ziemlich alles« grinst er. Wie effizient der Workflow im Betrieb im Endeffekt jedoch sei, hänge von vielen weiteren Faktoren ab. Ein Vorteil bei Hommel: Die zwei Projektleiter in der AV arbeiten täglich mit dem Programm und sind dementsprechend eingefuchst. Aber auch Sie müssen täglich Entscheidungen treffen, wie detailliert man z. B. ein Bauteil anlegt. Kommt das Teil nur einmal vor, oder wird es in gleicher oder ähnlicher Form immer wieder gebraucht? Das macht vom Aufwand her einen erheblichen Unterschied.
Es gibt immer was zu tun
Kollegen, die vor der Investition in Software stehen, empfiehlt er, auf jeden Fall ein sorgfältig ausgearbeitetes Lastenheft zu erstellen: »Es reicht ja nicht, wenn die Software gut ist, sie muss auch zum Betrieb passen«. Bei Hommel passt der Workflow, wenngleich es natürlich wie in jedem Betrieb Verbesserungspotenzial gibt. So denkt Sascha Hommel über die Umstellung der Etiketten von Klartext auf Barcode nach, eine Zuschnittoptimierung in der AV wäre hilfreich, und, und … Ein bißchen was bleibt also noch zu tun , wenn das Studium erstmal beendet ist. HJG

Kontakte
Hommel Küchen- und Möbelmanufaktur GmbH, 08468 Reichenbach www.hommel-kuechen.com
Software: Imos AG, 32052 Herford www.imos3d.com
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