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Die digitalisierte Tischlerei

Die digitalisierte Tischlerei
Sie haben den vollen Einblick

Das Denken erfolgt im Büro, die Materialbewegungen und die Hilfsarbeiten in der Werkstatt. So könnte eine digitalisierte Tischlerei funktionieren. Jörg Knappe von der Tischlerei Hagemann bezweifelt jedoch die Machbarkeit. Er hat sich für einen anderen Weg entschieden.

Zu dritt bewältigen der Altgeselle Jörg Bruns, die Junggesellin Verena Anders und der Azubi David Schulte in der Werkstatt der Tischlerei Hagemann in Münster einen größeren Auftrag, den Innenausbau einer Bankfiliale. Verkauft hat es der Firmeninhaber Jörg Knappe. Um die Planung, das Absprechen der Details mit dem Kunden, die Konstruktion, die Arbeitsvorbereitung und die Materialbeschaffung hat sich Projektleiter Raphael Braun gekümmert. Er hat das Projekt auch mit dem Produktionsteam durchgesprochen. Jetzt verschaffen sich die drei selbstständig den Überblick. Dazu holen sie den Werkstattwagen mit Rechner und zwei Bildschirmen herbei und öffnen das von Raphael Braun virtuell bereits abgeschlossene Innenausbauprojekt in dem 3D-CAD/CAM-System TopSolid Wood. Sie bewegen sich zunächst virtuell durch die komplette Raumsituation hindurch und zoomen sich in diverse Details hinein. Dann ziehen sie den ein oder anderen Schnitt aus dem 3D-Modell heraus.

Der zweite Bildschirm hilft, die Übersicht und die Details auseinanderzuhalten. Um Stück- und Materiallisten, das Material, Schnittpläne und CNC-Programme brauchen sie sich nicht zu kümmern, alles liegt vor und lässt sich bei Fragen oder in der jeweiligen Produktionsphase öffnen, aktivieren oder aus dem Lager holen. Bald wissen die drei, was in den nächsten Wochen auf sie zukommt, und wo sie gegebenenfalls nähere Informationen finden. Jetzt können sie die im Netz hinterlegten Schnittpläne ausführen, ggf. furnieren, die Kanten anfahren, die CNC-Programme abarbeiten lassen, lackieren und im Bankraum alles für den Transport und die Montage vorbereiten.

Digitalisierter 28-köpfiger Betrieb

Die Tischlerei befasst sich mit dem Möbel-, Laden- und Innenausbau, beschäftigt 28 Mitarbeiter und verfügt über drei bei Moldtech erworbene Lizenzen des CAD/CAM-Systems. Installiert ist die Software jedoch an sechs Arbeitsplätzen. Einer davon ist der Werkstattwagen. Nur an den Stationen, an denen ein Dongle eingesteckt ist, lassen sich Änderungen abspeichern. Das sind meistens die Rechner in der Arbeitsvorbereitung. Die Stationen ohne Dongle verursachen keine Lizenzkosten. Sie bieten trotzdem bis auf das Abspeichern den vollen Funktionsumfang und dienen zur Information.

Neuer Inhaber, neue Arbeitsweise

Vor einem Jahr haben Jörg Knappe und seine Frau Christina Knappe-Quante das Unternehmen vom Geschwisterpaar Joseph und Brigitta Hagemann gekauft, um es unter eigener Regie fortzuführen. Bereits ein halbes Jahr zuvor hatte Jörg Knappe, damals noch angestellter Projektmanager und mit Unterstützung der Hagemanns, die Grundsteine für die zukünftige Arbeitsweise gelegt. Das 3D-CAD/CAM-System wurde angeschafft und mit den Maschinen, der Materialwirtschaft sowie mit der kaufmännischen Software vernetzt. Alles, was in die reelle Produktion geht, sollte das Team zunächst einmal virtuell produzieren, dabei jedes Detail komplett durchdenken und konstruktiv vollständig lösen. Außerdem sollte vor Produktionsbeginn alles Material beschafft und die kaufmännische Abwicklung erledigt sein. Der Datentransfer zwischen den einzelnen Bereichen sollte automatisch ohne manuelles Übertragen erfolgen. Mit dieser Architektur will Jörg Knappe nicht nur effizienter und fehlerfreier arbeiten, sondern auch noch Kompetenzen für komplexe 3D-Bearbeitungen aufbauen.

Jörg Knappe hat frühzeitig nicht nur an der Software und Architektur der Vernetzung gearbeitet, sondern auch die Belegschaft für die neuen Arbeitsweisen gewonnen. Ein wichtiger Schritt war das Wiedereinstellen des ehemaligen, vom Team sehr geschätzten, Projektleiterkollegen Raphael Braun. Dieser hat mehrere Jahre lang bei namhaften Herstellern unter anderem im Schiffsinnenausbau Erfahrungen mit TopSolid Wood und der vernetzten Produktion gesammelt. Raphael Braun hat die Einführung von TopSolid Wood maßgeblich vorangetrieben und beim Einrichten der Standards die Belegschaft mit eingebunden. Auch Feedback-Bögen kamen zum Einsatz. Außerdem schult er regelmäßig alle Werkstattkollegen im Umgang mit TopSolid Wood.

»Das Team ist voll dabei«

Jörg Knappe sagt: »Die Teilefertigung lässt sich weitgehend automatisieren. Sie macht aber nur ein Bruchteil von dem aus, was mein Team stemmt. Ich setze darauf, alle möglichst weitgehend einzubinden. Das ist effizient, motiviert und stärkt das Team.


dds-Readakteur Georg Molinski besuchte die Tischlerei Hagemann. Er erlebte Jörg Knappe als visionäre Seele der Tischlerei und Raphael Braun als kreativen Architekten der neuen Struktur und engagierten Motivator des gesamten Teams.

Steckbrief

Anwender: Tischlerei Hagemann GmbH & Co. KG, 48161 Münster
www.tischlerei-hagemann.de

CAD-CAM: Topsolid
F 91055 Evry, www.topsolid.de
Vertriebspartner:
www.moldtech.de

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