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Die Möglichkeiten nutzen

Anwenderbericht: Branchenprogramm OSD
Die Möglichkeiten nutzen

Das Branchenprogramm von OS Datensysteme ist in vielen Tischlereien im Einsatz. Doch nur in wenigen Betrieben dürfte es so durchgängig genutzt werden, wie bei dem Zulieferspezialisten »CNC-Tischler«. Ein Werkstattbesuch im Bergischen Land.

Sören Ruland fügt den letzten Unterschrank aus dem Korpusgenerator in seine Zeichnung ein. Die Küchenzeile steht. Er drückt auf den Button »CNC-Daten« und erzeugt die MPR-Dateien für das Bearbeitungszentrum. Als nächstes übergibt er die Konstruktionsdaten an das Kalkulationsmodul, in dem die Stücklisten abgeleitet werden und schickt sie an die Plattensäge zur Optimierung. Jetzt noch die erforderlichen Papiere für die Fertigung, wie Kanten-, Kleinteile- und Packliste ausdrucken, dann kann der Auftrag in die Produktion.

Schon seit seiner Meisterprüfung ist Sören Ruland von der CNC-Technik begeistert. Als er sich Anfang 2011 selbstständig machte, war für ihn klar: Ohne CNC geht nichts.

Von der Idee zum Unternehmen

Doch wie soll man als Existenzgründer die Maschine auch nur annähernd auslasten? Seine Erkenntnis: Das geht nur, indem man für Kollegen arbeitet. Kollegen, die technisch nicht entsprechend ausgestattet sind oder gerade keine freien Kapazitäten haben. Aus diesen Überlegungen heraus entstand die Idee, einen reinen Zulieferbetrieb zu gründen, der ausschließlich im B2B-Geschäft tätig ist. Sein Name: CNC-Tischler.

Das Unternehmen besteht heute neben Ruland aus vier Gesellen, einem Azubi und einem Tischlermeister in der Arbeitsvorbereitung. Gefertigt wird alles das, was andere nicht können oder wollen: vom Plattenzuschnitt in Stückzahl eins bis zu 100 Laufmeter vormontierte Schrankwand. Der Aktionsradius des CNC-Tischlers erstreckt sich überwiegend rund 150 km um den Firmensitz in Wiehl (Landkreis Gummersbach) herum. Um als Zulieferer konkurrenzfähig zu sein, ist ein strukturierter Workflow im Betrieb unerlässlich. Die Basis dafür ist bei Sören Ruland die Branchensoftware von OS Datensysteme aus Ettlingen (»OSD«).

Klar strukturierte Prozesse

Dem Besucher aus der dds-Redaktion erläutert Ruland die innerbetriebliche Organisation anhand eines Beispielauftrages: eine Küchenzeile mit Ober- und Unterschränken.

Die eingehende Anfrage, die in der Regel per Telefon, Fax oder E-Mail hereinkommt, erfasst Ruland zunächst in der OSD-Vorgangsverwaltung. In einer definierten Ordnerstruktur werden hier auf dem zentralen Server alle Unterlagen, Notizen, Korrespondenz etc. digital gespeichert. Jetzt wechselt er in das CAD-Modul OSD-Spirit, aus dem er später die Freigabezeichnung für den Kunden erstellen wird. Er öffnet den Korpusgenerator OSD-Corpus+, wählt den passenden Korpus aus, nimmt einige kundenspezifische Anpassungen vor (Material, Beschläge) und zieht ihn in die Zeichnung. In kurzer Zeit ist die Küchenzeile auf diesem Weg aufgebaut. »Corpus+ ist der beste Korpusgenerator, den ich kenne«, sagt Sören Ruland. »Für uns deckt er 99 Prozent aller Schrankaufträge ab, sogar Dachschränke mit Schräge nach hinten oder seitlich lassen sich damit bewerkstelligen.«

Die Stücklisten werden nun ins Modul Kalkulation übernommen und die Materialkosten anhand der definierten Parameter wie Verschnittzuschläge, Einkaufspreise, etc. ermittelt. Bei der Kalkulation der Arbeitszeit greift Sören Ruland pragmatisch auf Schätz- bzw. Erfahrungswerte zurück: »Das geht nicht nur schnell, sondern ist, wie unsere Nachkalkulationen zeigen, auch überraschend genau«. Ist der Auftrag im Haus, werden die Korpusse feingeplant, d. h. die Maße werden ggf. angepasst, Konstruktionsdetails geändert, Bohrbilder für Einbauteile platziert etc. Je nach Aufwand nutzt Ruland hierfür auch die OSD-Einzelteilbearbeitung, die gegenüber dem Korpusgenerator über mehr Möglichketen verfügt. Ansichten und Schnitten, gehen dann als PDF zusammen mit der Auftragsbestätigung an den Kunden. Aus der AB wird dann später der Lieferschein und die Rechnung erzeugt, die automatisch in die Offene-Posten-Verwaltung übernommen wird.

Zuschnitt- und CNC-Datenexport

Aus der in Corpus+ erstellten Konstruktion und den im Hintergrund vorhandenen Beschlagdaten werden nun im OSD-CNC-Generator automatisch fertige NC-Programme erstellt. Auch über die OSD-Einzelteilbearbeitung kann aus individuellen CAD-Konstruktionen ein NC-Programm generiert werden. Die 3D-Elemente in der Zeichnung werden analysiert und in entsprechende Bearbeitungen umgesetzt. Zusätzliche Bearbeitungen können über Makrofunktionen hinzugefügt werden. Der Start des CNC-Generators erfolgt je nach Bedarf direkt aus der Zeichnung oder nach der Übergabe der Stückliste an die Kalkulation. Da Ruland mit einem BAZ aus der Homag-Gruppe arbeitet, werden MPR-Dateien erzeugt.

Die Stücklisten werden an die Säge übergeben und mit »Schnittprofi(t) V9« von Holzma optimiert. Die benötigten Platten werden aus dem Lager ausgebucht. An der Säge wird dann später für jedes Teil ein Etikett erstellt. Es enthält einen Barcode, mit dem das NC-Programm aufgerufen wird und die Informationen über die Kantenbelegung. Auch Reststücke gängiger Materialien erhalten ab einer gewissen Größe ein Etikett. Auf dem ist die Nummer des Fachs vermerkt, in der der Rest gelagert wird. Ruland: »Die Resteverwaltung klappt wunderbar. Wir halten unsere Ordnung bei und vermeiden unnötige Suchzeiten.

Ganz ohne Papier gehts nicht

Was jetzt noch fehlt, damit die Jungs in der Werkstatt loslegen können, sind die Listen für Platten (nur zur Plausibilitätsprüfung), Kanten und Zubehör/Kleinteile. Auch diese werden aus OSD heraus erstellt. Dabei nutzt Sören Ruland die Lagerverwaltung und das Bestellwesen. Er hat einmal definiert, was Standardware ist und den vorhandenen Bestand erfasst. Die für die Beispielküche benötigten Beschläge, Dübel, Sockelfüße usw. werden in der Liste mit Stückzahl und Lagerort aufgeführt, die verwendete Menge automatisch ausgebucht. Der Mitarbeiter kann die Ware leicht und schnell zusammenstellen. Der aktuelle Bestand ist jederzeit einsehbar. Bei Unterschreiten einer definierten Mindestbestandsmenge wird gewarnt, dadurch ist die benötigte Ware in der Regel verfügbar. Sören Ruland: »Muss ich nachbestellen, gehe ich direkt aus OSD heraus in die Onlineshops von Häfele und/oder Ostermann und ordere die Ware. Einfacher geht’s eigentlich nicht. Auch für die ZEG und Opo Oeschger bietet OSD demnächst wohl entsprechende Schnittstellen an«.

Um die Zeiten in der Werkstatt zu erfassen, steht zwischen BAZ und Kleinteilelager ein PC. An diesem buchen die Mitarbeiter in der OSD-Zeitwirtschaft die benötigten Stunden unter Angabe der Tätigkeit auf den jeweiligen Auftrag. Für die Nachkalkulation werden die Zeiten nach Auftragsende dann summiert und ausgewertet.

Wo Sören Ruland noch Potenzial für Verbesserungen sieht, ist die Kapazitätsplanung. Wie hoch ist die Auslastung? Welche Lieferzeiten kann ich anbieten? Noch behilft er sich mit einem einfachen Excelprogramm, würde das Thema aber gerne in die OSD-Welt integrieren. Es gibt ein entsprechendes Tool des Softwareanbieters, das passt für ihn aber nicht so recht. »Bei Ihrem nächsten Besuch, haben wir diese Baustelle im Griff« sagt er zum Abschied. So wie sich der Betrieb präsentiert hat, darf man sicher gehen, dass das der Fall sein wird.


Steckbrief

Anwender: CNC-Tischler Sören Ruland, 51674 Wiehl-Bomig
www.cnc-tischler.de

Software: OS Datensysteme
www.os-datensysteme.de

Maschinen: Homag-Group AG
www.homag.com


Nachahmenswert fand dds-Chefredakteur
Hans Graffé, dass sich Sören Ruland die Werkshalle mit einem Kollegen teilt. Das hält für beide die Kosten niedrig und wenn es klemmt, kann man sich gegenseitig aushelfen.

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