Startseite » Technik » EDV »

Aufmaß als Kernkompetenz

EDV
Aufmaß als Kernkompetenz

Reinhard Kienberger hat beim Ausbau eines Spielzeugmuseums in der Nähe Berchtesgadens das Aufmaß mit seinem Team als Dienstleistung erbracht. Das Laserwerkzeug 3D-Disto von Leica lieferte die Datengrundlage für »Handwerk 4.0« – eine neue Arbeitsteilung am Bau.

Ehrgeizige Projekte haben es oft in sich: Wenn das Prestige eines Bauwerks der Ökonomie übergeordnet wird, dann ist dem Bauherrn – fast – nichts zu teuer, der Architekt lässt seiner Kreativität freien Lauf, die Umsetzung wird Spezialisten übertragen und diese setzen alles daran, ihr Können zu beweisen. Geht nicht, gibt’s nicht. So auch beim Neubau eines Spielzeugmuseums in Berchtesgadener Land: Historisches Spielzeug, wie es dort zu sehen ist, kann sechsstellige Preise erzielen – das Gebäude sollte das Niveau der Sammlung repräsentieren. Autos, Flugzeuge, Schiffe und natürlich Eisenbahnen. Eine 400 m2 große Anlage ist eines der Highlights in dem Museum, das als »Erlebniswelt« konzipiert ist, in der die Exponate nicht verstauben, sondern begeistern.

Ein Haus, das sich was traut
Das Museumskonzept für die hochkarätigen Exponate fiel ambitioniert aus: Das Museum sollte Geld verdienen, ein Teil der Einnahmen ist für soziale Zwecke vorgesehen. Die Idylle eines Bauerndorfes bildet die Kulisse für ein Ausflugsziel mit Park, Spielplatz, Shop und Restaurant. Nach einem Architekturwettbewerb wurde ein Entwurf ausgewählt, der ein Gebäude in Form einer liegenden Acht vorsah – angelehnt an eine Modellrennbahn. Die Besucher durchlaufen einen Raum, in dem nichts rechtwinklig ist. Der Boden neigt sich in verschiedene Richtungen, die Wände tanzen im Zickzack, die Vitrinen ragen aus dem Weg hervor wie Felsen aus einem Bergbach.
Das Handwerk zügelt wilde Ideen
Und wie bei ehrgeizigen Bauprojekten üblich: In kürzester Zeit sollte alles fertig sein. Drei Jahre Bauzeit, davon neun Monate für den Innenausbau – mit fixem Eröffnungstermin. In dem Museum gibt es Wandvitrinen, die in einem brandschutzrelevanten Trockenbau-Schott stecken und als Kubus auf einer Schräge sitzen. Grundträger ist eine Stahlstruktur. Eine Lüftungsanlage, die die Exponate klimatisiert, ist integriert. Eine Beleuchtung war zu installieren, gasdruckfedergelagerte Scheiben verschließen gebeizte Eichenkorpusse. Überall waren in verschiedene Richtungen geneigte Rampen vorgesehen, die den Besuchern das Gefühl geben sollten, sich auf welligem Boden zu bewegen, wie auf einer Fahrbahn in natürlichem Gelände. Die Wandverkleidungen erstrecken sich zum Teil über 15 m, teilweise um Ecken herum.
Der Zeitplan war nur zu schaffen durch professionelles Zusammenspiel aller Gewerke, durch vernetztes Arbeiten auf zentraler Datengrundlage – Handwerk 4.0 –, wie es im Bauwesen künftig State of the Art sein wird. Basis der Arbeitsteilung ist das digitale Aufmaß durch einen Dienstleister wie Reinhard Kienberger mit seinem Unternehmen Kienholz.
Dabei wurde kein Scanner verwendet, der den Raum vollautomatisch erfasst und Punktewolken liefert, die erst danach am Rechner ausgewertet werden können, sondern das Laserwerkzeug 3D-Disto von Leica. Mit diesem halbautomatischen Gerät steuert der Messende vor Ort Punkt für Punkt an. Zu jedem Punkt schießt das Messgerät ein Foto. Die Nummer des Punktes und des Fotos gehen in eine Excel-Liste ein und das Ganze – mehrere Tausend Messpunkte in diesem Fall – ist die Datenbasis für Trockenbauer, Schreiner, Stahl- und Mineralwerkstoffbauer, Licht- und Lüftungstechniker, Maler. Nur scheinbar ist diese Methode aufwendiger als ein Punktewolken-Scan, denn bei diesem kann die Analyse der Daten am Rechner noch länger dauern als die Punkt-für-Punkt-Arbeit auf dem Rohbau.
Ein zentrales Aufmaß für alle Beteiligten ist, so schätzt Kienberger die Sache ein, nicht nur eine Übergangsphase bis alle Innenausbauer irgendwann die teuren Geräte besitzen. Es ist vielmehr die Zukunft am Bau, erzwungen durch seine geldwerten Vorteile – Zeitgewinn und Prozesssicherheit. Zeitgewinn: Auch wenn das Laseraufmaß sehr kompetent und sorgfältig sein muss, lohnt es sich, weil bei folgenden Gewerken der Posten Aufmaß entfällt. Es können mehr Arbeitsschritte parallel erledigt werden. Es können Teile gefertigt werden, ohne dass der Produzent den Rohbau je betreten hat. Prozesssicherheit: Das zentrale Aufmaß minimiert die Zahl der Fehlerquellen. Selbst dann, wenn sich im Aufmaß ein Fehler einschleicht – z. B. durch verschmutzten Untergrund an einem Messpunkt –, wird er rechtzeitig von einem der Beteiligten bemerkt und ein für alle Mal behoben. Das zentrale Aufmaß macht idealerweise Schluss mit dem Chaos der Unklarheiten, die erst während eines laufenden Projekts auftreten (Lüftungsaggregat passt nicht durch die Revisionsöffnung …) und es in unkalkulierbarem Maße verzögern können. –HN

Steckbrief

Innenausbau: Oberhaizinger Interior Design Projectwww.oberhaizinger-idp.de
Digitales Aufmaß: Objektbau Kienholzwww.objektbau-kienholz.de

40426982

Inhaber der Firma Objektbau Kienholz
»Durch das digitale Aufmaß überlassen wir nichts mehr dem Zufall!«
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 11
Aktuelle Ausgabe
011/2021
EINZELHEFT
ABO
dds-Zulieferforum
Grafik des Monats

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »