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Anschaulich entwerfen

Entwurfsprozess einer Abschlussarbeit an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign, Garmisch-Partenkirchen
Anschaulich entwerfen

Wie Kommunikation und Präsentation als entscheidende Faktoren den Entwurfsprozess begleiten, zeigt Innenarchitekt und Dozent Roger Mandl am Beispiel der Abschlussarbeit von Manuel Kessler, Fachakademie für Raum- und Objektdesign, Garmisch-Partenkirchen.

Studierende der Fachakademie für Raum- und Objektdesign akquirieren ihr Abschlussprojekt in der Regel selbst und finden dafür einen externen Partner. Das Projekt soll innerhalb von sechs bis acht Wochen bis zur Präsentation geführt und im Anschluss nach Möglichkeit realisiert werden. Insgesamt sind dabei sowohl die Vorgaben des Auftraggebers wie die des Dozenten zu erfüllen – das führt naturgemäß schnell zum Konflikt zwischen schulischem Anspruch und praktischer Wirklichkeit. In dieser Situation kommt es vor allem darauf an, die Entwurfsabsichten klar und deutlich zu formulieren – mit Skizze, Arbeitsmodell, Handrendering und Computerzeichnung – um für sich selbst eine Klärung des Sachverhalts auf dem Weg zur Lösung zu erreichen. Zum anderen führt die verständliche Formulierung des Entwurfsgedankens zu ebenso klaren Antworten und Anregungen durch den Auftraggeber und den betreuenden Dozenten, was dem weiteren Arbeitsfortschritt dient! Moderne Kommunikationsmittel und einfacher Datentransfer machen diesen Prozess weitgehend ortsunabhängig. Das hilft, den knappen Zeitrahmen einzuhalten.

Ideen entwickeln

Manuel Kessler hat für die Schreinerei Heimbach in Opfingen bei Ravensburg einen Showroom geplant: Ein neues Gebäude war bereits in den Grundzügen konzipiert und wurde von Manuel im Grundriss bis auf wenige Details übernommen. Seine zentrale Idee ist, jeweils einen Teil der insgesamt rund 700 m² großen Fläche von Erdgeschoss und Obergeschoss als Musterwohnung einzurichten und einen weiteren Teil als Arbeits- und Ausstellungsbereich zu nutzen. Dass sich der Showroom im vorliegenden Fall über zwei Ebenen erstreckt, vereinfacht seine Zonierung: Im Erdgeschoss entstehen Büros für Mitarbeiter, die auch sofort zur Stelle sein können, wenn Besucher eintreten, dazu der Showküchen- und Eventbereich mit einer Wohnzimmersituation und der Bereich für Wechselausstellungen. Im Obergeschoss finden sich die privateren Räume wie Schlafen, Bad und Kinder sowie ein großzügiger Bemusterungsbereich.

Koordiniert planen

In der Vorbereitungsphase gab es einen Ortstermin, bei dem der Bestand fotografisch dokumentiert und das Bauvorhaben des Showrooms besprochen wurde. Die Erkenntnisse aus diesen Vorarbeiten flossen in die sogenannte Grundlagenermittlung ein, jenen Teil der Gesamtleistung Abschlussprojekt, der bereits zwei Wochen nach Projektstart fertigzustellen war. Auf dieser Grundlage beginnt dann die eigentliche Entwicklungsarbeit, angefangen mit Skizzenblättern, Arbeitsmodell und Grundrisseinteilung. Alle Schritte werden dokumentiert und analysiert.

Elementar wichtig ist heute, Räume von Anfang an dreidimensional zu entwickeln. So ist eine wesentlich bessere Kontrolle der Planungsarbeit möglich und die Verständigung von Gestalter und Auftraggeber deutlich präziser. Die Einführung des BIM-Standards im Bauwesen wird künftig die 3D-Bearbeitung für alle am Bau Beteiligten zur Gewohnheit machen!

Aus diesen Planungsschritten war es dann auch für Manuel Kessler kein großer Schritt zu endgültigen Planzeichnungen und 3D-Renderings für die finale Präsentation seiner Projektarbeit. Die Skizzen, Handrenderings, Renderings, Fotos von Materialcollagen und Modellfotos wurden zu einer Präsentation über den Beamer gebündelt. Damit konnte das Projekt im zeitlichen Rahmen von 20 Minuten übersichtlich und lebendig vor der Schulöffentlichkeit und später dann auch dem Auftraggeber vorgestellt werden.

Professionell präsentieren

Eine überzeugende Darstellung des Entwurfs in Bild, womöglich Video, Text und Ton ist heute besonders wichtig, da im Verhältnis zur Bearbeitungszeit die Zeit zur Präsentation eines Projekts meist eher knapp bemessen ist. Es kommt also darauf an, die eigene Arbeit kurz, prägnant und gut illustriert darzubieten. Dazu etabliert sich bereits sogenannte Virtual Reality als virtuell begehbare Räume – die Cyber-Brille und 3D-animierte Filme machen es möglich. Zuerst noch wenigen Projekten mit großem Budget vorbehalten, entwickelt sich VR rasant. Durch den BIM-Standard sind alle Grunddaten der Gebäudeplanung künftig ohnehin dreidimensional vorhanden, der Aufwand für die virtuelle Vorwegnahme der geplanten Realität wird dadurch immer geringer, ihre Darstellung immer realistischer. Ob die Planungsergebnisse deswegen besser werden, darf getrost bezweifelt werden!


Roger Mandl ist Innenarchitekt. Er unterrichtet Raumentwurf, Konstruktion und Darstellungstechniken an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign Garmisch-Partenkirchen.

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