Handwerk im Herzen

Die Moser GmbH in Haslach ist einer der führenden Mineralwerkstoffverarbeiter im Land. Als verlängerte Werkbank ist das Unternehmen für zahlreiche Tischler und Schreiner tätig. Aufträge vom Einzelstück bis zum komplexen Projekt müssen in kürzester Zeit und definierter Qualität abgewickelt werden. Das geht nur, wenn die Arbeitsabläufe in AV und Fertigung optimal aufeinander abgestimmt sind. dds wirft einen Blick hinter die Kulissen.

Wer bei Moser durch die Fertigung geht, dem fällt die Vielzahl unterschiedlicher, teilweise kleinster Aufträge auf, die durch den Betrieb geschleust werden. »In der Tat sind Kleinstaufträge bei uns keine Seltenheit«, bestätigt Geschäftsführer Florian Wölfle diesen Eindruck. »Von einer Corian-Ablage für 100 Euro, über zwei Waschtische aus HiMacs bis zum kompletten Messestand für 700 000 Euro, den wir z.B. gerade im Auftrag eines Schreinerkollegen abwickeln, reicht bei uns die Bandbreite«.

Moser selbst ist mit 120 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 12 Mio. Euro mehr als eine Schreinerei. In den drei Fertigungsbereichen Mineralwerkstoff, Innenausbau und Fensterbau/Haustüren bietet das Unternehmen seinen Kunden von der Beratung über die Konstruktion und Produktion bis hin zur Montage alles aus einer Hand.
Was den Maschinenpark angeht ist der Betrieb mit 5-Achs-CNC, Säge-Lager-Zuschnittzelle etc. hervorragend aufgestellt. Dass Moser in der Lage ist, schnell und individuell auf die Wünsche der gewerblichen Kunden zu reagieren, liegt jedoch vor allem an der gut aufgestellten AV und der ausgeklügelten Fertigungssteuerung. Die basiert auf sog. »Clips«, einem System, dass eigentlich aus dem Maschinenbau kommt. Ein kleiner Auftrag ist ein Clip für sich, größere Aufträge werden in mehrere Clips zerlegt. So besteht eine Theke z. B. aus drei Clips: Unterkonstruktion, Außenhaut, Schablonen. Der eingangs erwähnte Messestand besteht aus nahezu 100 Clips. Die Idee dahinter: kleine Einheiten lassen sich leichter steuern und fließen dadurch besser durch die Fertigung.
Doch beginnnen wir von vorne. Kommt bei Moser eine Anfrage z. B. eines Schreiners ins Haus, erhält dieser zunächst möglichst schnell einen Preis. Die Kalkulation erfolgt bisher noch im Branchenprogramm OSD, eine Umstellung auf das ERP-System des Softwarehauses Borm Informatik ist gerade im Gange. Erteilt der Kunde den Auftrag, wird dieser an einen der insgesamt elf Projektleiter bei Moser übergeben, der ihn in TopSolid Wood in 3D zeichnet. Moser arbeitet seit drei Jahren mit dem CAD/CAM-System. Florian Wölfle: »Wir haben fast komplett von 2D auf 3D umgestellt. Je mehr Informationen wir in der AV in die Zeichnung hineingeben, desto mehr Daten können wir für die Fertigung herausziehen.«
Insgesamt stehen bei Moser 14 CAD-Arbeitsplätze zur Verfügung. An zweien davon werden nur CNC-Programme erstellt. Wölfle: »Die Maschinen müssen laufen. Deshalb programmieren wir nur in Ausnahmefällen am BAZ«. Aus der 3D-Zeichnung werden alle erforderlichen Fertigungsunterlagen wie Stück- und Bestelllisten erzeugt. Das CAM-Modul übergibt die Daten an WoodWop, was nach Aussage von Florian Wölfle einwandfrei funktioniert. «Es gibt nicht viele Systeme am Markt, die das in der erforderlichen Tiefe beherrschen«. Der Projektleiter ist auch derjenige, der den Auftrag gegebenenfalls in Clips zerlegt. Der Umfang eines Clips definiert sich durch ein Maximum von sieben Arbeitsstunden pro Bereich: Zuschnitt, CNC, Kante, Bankraum, Oberfläche.
Die Reihenfolge, in der die Clips in der Produktion abgearbeitet werden, bestimmt sich nach dem Fertigstellungstermin. Zweimal täglich bespricht sich der Produktionsleiter mit den Abteilungsleitern der Bereiche Innenausbau und Mineralwerkstoffe, um Clips gegebenenfalls zu priorisieren oder zurückzustufen. Für jeden Mitarbeiter in der Werkstatt ist zu jedem Zeitpunkt klar, was als nächstes zu tun ist. Der Produktionsleiter hat im Blick, in welchem Stadium der jeweilige Auftrag ist und kann, falls nötig, in Absprache mit den Abteilungsleitern eingreifen.
Das Clip-System läuft zur Zeit noch unabhängig von der IT bei Moser, soll aber zukünftig in das Borm-Programm integriert werden. Dann wird der Produktionsfortschritt auch digital ablesbar sein, was die Transparenz weiter erhöhen dürfte.

dds-Chefredakteur Hans Graffé freute sich beim Besuch der Firma Moser mal wieder im Kinzigtal zu sein. Haslach ist ihm durchaus vertraut – hat er doch vor vielen Jahren selbst einmal in der Nähe gearbeitet.

Steckbrief

Moser GmbH, 77716 Haslach, http://www.moser.gmbh
Wichtige Partner: www.c-implan.de (Fertigungssteuerung)
www.moldtech.de (CAD/CAM-System TopSolid Wood)